Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/69/

Regierung. Bürgermeister Felder Namens der Stadt Wien. 
ES fola.te hierauf ein von Weiler gedichteter Festgesangvortrag. 
Ein österreichisches Blatt begrüßt mit folgenden Worten 
vie bereits erfolgte Eröffnung der Weltausstellung„Die Bahn 
ist frei Der Kamps soll beginnen Von allen Seilen treten 
die Kämpfer in die Schranken, gehobenen Mutheö ziehen sie 
herbei aus Süd und Nord, Ost und West, und die alreluwür- 
dige Austria heißt alle vie Mitstreiter auf dem Gebiete der 
geistigen Arbeit ritterlich willkommen. Wohl ist noch nicht 
die Zeit „wo die Menschheit keinen andern Kampf kennt denn 
Arbeit, feinen andern Schild denn Recht, keine andere Waffe 
denn Intelligenz, kein anderes Banner denn Eivilisation," 
aber doch leuchtet schon in den friedlichen Wettstreit der Völker, 
in den großen durch die Arbeit vermittelten Austausch der 
Ideen das Morgeuroth einer geläuterten Zeit herüber." 
Frankreich. Die jüngste Wahlschlacht ist zu Gunsten 
der Radikalen ausgefallen In den verschiedenen Departements 
wurden 7 Republikaner und nur 1 Legitimist gewählt. In 
Paris erhielt der bekannte Barodet, der abgesetzte Mmre von 
Lyon 177,500 Stimmen; sein Gegner Remusat, Kandidat 
der Regierung erhielt 138,800 Stimmen. Der alte ThierS hatte 
eine Niederlage in Paris jedenfalls nicht erwartet, wenn er auch 
nickt ganz siec.eSgewiß auf den Wahltag blicken durste. Vor den 
Wahlen wurden zahlreiche Wetten für und gegen Barodet 
gemacht. Eine derselben kommt nun den Verlierenden theuer 
zu stehen, da er sür jede Stimme über die Mehrheit einen 
Loui^d'or zu bezahlen hat. 
Italien. In Rom ist eine MinisterkristS im Anzüge. 
Weil das Parlament entgegen dem Wunsche SellaS 23 Mil- 
lionen für ein Kriegsarseual in Tarent votirte, erbat sich der 
Minister Bedenkzeit, damit daS Cablnet seinen Entschluß 
fassen könne. Der tiefere Grund ist nicht die Sparsamkeit, 
sondern eine Spaltung zwischen Kammer und Regierung wegen 
Frankreichs. Die Kammer will auf e:ne schon früher aufge 
tretene Anregung NicoteraS Italien gegen Frankreich in Ver- 
theidiqungSzustmw setzen. Das Cabiuet, furchtsam unv fran- 
zosenfrenndlich bis zum Selbstvergessen, ängstigt sich, daß ein 
solches Vorgehen Frankreich verletzen könnte 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vi . Rudolf Schadler' 

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l Die Redaktion ist für Einsendungen, die unter diesen Strich 
* gesetzt werden, nicht verantwortlich. 
. (Eingesendet.) 
Jl, Triefen, 4. Mai. Durch die Einsendung in Nr. 13 und 14 
« der „siecht. Wochen^tg." gegen unsere Einsendung vom 12. April 
fühlen wir „Mehrere Bürger" uns wirklich aufgefordert, un- 
.Ksere Ansicht nochmals zu ermiedern. Schon im Anfang feiner 
Einsendung, beschuldiget uns der Hr. Pfarrer, daß eö uns 
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was meine Rosa betrifft, da würde ich sprechen: Möchte es doch 
;';f|ber Himmel gesägt haben, daß Euer wackrer Herr Junker ein 
/'tüchtiger Küper hätte werden können, keiner ans Erden sollte 
^mir dai-n solch'ein wi.llkonun'ner Eidam sein, als er, aber jetzt! — 
.'Doch lieber, würdiger Herr, warum neckt und quält Ihr mich 
-.\idenn mit solchen wunderlichen Fragen. — Seht nur, wie unser 
1 luftiges Gespräch gam und gar ein Ende genommen, wie die 
^'Gläser gefüllt stehen bleiben, lassen wir den Eivam 
.^und Rvsa's Hochzeit ganz bei Seite, ich bringe Euch die Gesund- 
.'Hheit Eures Iuukers zu, der wie ich höre, ein schmucker Herr 
Mein soll." Meister Martin ergriff sein Trinkglas, Paumgartner 
Jolgte seinem Beispiel, indem er rief: „alles verfängliche Gespräch 
'soll ein Ende haben und Euer wackrer Junker soll hoch leben!" — 
Spangenberg stieß au und sprach dann mit erzwungenem lächeln: 
.„Ihr könnt denken daß ich im Scherze zu euch sprach, deuu nur 
frecher Liebeßwahn könnte wohl meinen Sohn, der unter den 
-edelsten Geschlechtern seine Hausfrau erkiesen darf, dazu treiben, 
Rang und Geburt nicht achtend, um Eure Tochter zu freie«. 
Aber etwas freundlicher hättet Ihr mir doch antworten können.,, 
nur darum zu tbun wäre, um unserm „tadelsüchtigenHerzen", 
Genüge leistet zu können. Wo aber, so müssen wir unwill- 
kürlich fragen, findet man mehr Tadelsucht, in der Einsendung 
des Herrn Pfarrers oder in der unsrigen'? Diese Frage kann 
und wird jeder vernünftigdenkende Mensch, ohne nnsnr Zuthun, 
leicht beantworten. 
Dnrch die ganze Einsendung deS Herrn Pfarrers geht 
ein tieffühlender persönlicher Haß, und der Einsender stellt sich 
hier im besten Bilde dar; wir können unö daher kurz fassen: 
Die angeführten Gründe für Unbrauchbarkeit deS hl Grabes 
sind unrichtig, denn das hl. Grab war selbständig erbaut, der 
Chor ist ja der nämliche, und der jetzige Hochaltar auf der 
alten Stelle. Die kleine Abänderung, wegen Festmachung deS 
hl. Grabes an den Altar, wollte ein allgemein bekannt tüch- 
tiger Baumeister um den geringen Betrag von vier Gulden 
übernehmen; eö wurde aber einfach nicht zugelassen. 
Was die Gemälde anbelangt, waren dieselben freilich keine 
Kunstbilder, aber jedenfalls so gut, wie man sie noch heute 
meistens in den Landkirchen findet. 
Daß die Errichtung der sog. hl. Graber von der Kirche nicht 
als absolut nothwendig vorgeschrieben sind, mag wahr sein; 
aber wie vieles müßte man dann auS einer k a t h. 
Kirche entfernen, w e n n m a n nur daS dulden 
wollte was wirklich als absolut n othw endig vor- 
geschrieben wäre?! 
Den Ausdruck, wegen Brettermangel in einer Gemeinde, 
wie Triefen, -- und daß sich nichtö angezeigteres thun ließe, 
als daS Holzwerk deS hl. Grabes, zu der bekannten Arbeit 
zu nehmen, hätten wir von unserem Hrn. Pfarrer, der doch 
im Lchreinerhandwerk auch Kenntnisse besitzt, gar nicht erwartet. 
Da es unS zu weit führen würde, wenn wir alle bekannten 
Ausdrücke der Einsendung deS Hrn. Pfarrers erwiedern wollten, 
die doch einem vermeintlichen Einsender galten, der unter uns 
gar nicht zu finden ist, so müssen wir doch unser Bedauern 
ausdrücken, daß der Vermeinte sür unsere Sache so leiden- 
schaftlich und grob mitgenommen wurde; trösten uns aber 
damit, daß derartige Auslassungen von solcher Seite dem 
fälschlich gemeinten Einsender nicht zu schaden vermögen. 
Schließlich bemerken wir noch, daß wir nur die Wahrheit 
unserer ersten Einsendung behaupten und wenn hiezu „Mehrere 
Bürger" nicht genügeu, dieselbe sämmtliche Bürgerschaft be- 
stätigen kann. 
Nochmals: Mehrere Bürger von Triefen. 
Amtliche Anzeigen. 
d? fc i £ t. 
Von dem fürül. Landgerichte ist auf Ansuchen des Hrn. 
miammaaamBBmmmmamHmmnn IWWI—iiiiiwibw IIKHWHIIHIIIWHMM—OM—a————ama—a— 
„Ach, lieber Herr, erwiederte Meister Martin, auch im Scherz 
könnt ich nicht anders reden, als wie ich es thun würde, wenn 
solch wunderliches Zeug, wie Ihr es fabeltet, wirklich geschähe. 
!^aßt mir übrigens meinen Stolz, und Ihr selbst müßt mir doch 
bezeugen, daß ich der tüchtigste Küper biu auf weit und breit, 
daß ich mich anf den Wein verstehe, daß ich an unseres in 
Gott ruhenden Kaisers Maxmilian tüchtige Weinorduuug fest und 
getreulich halte; daß ich alle Gottlosigkeit als ein frommer Mann 
verschmähe, daß ich in mein zweifndriges Faß niemals mehr 
verdampfe, als ein Vöthlem läutern Schwefels, welches Noch 
thut zur Erhaltung! Das alles Ihr lieben würdigen Herren, 
werdet Ihr wohl genüglich kosten an meiuem Wein." 
(Fortsetzung folgt.)
        

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