Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/65/
Steinwürfe vor. Heute ward an den Straßenecken eine Be- 
kanntmachung des ^Oberbürgermeisters und des Polizeipräsi 
denten angeschlagen, welche die Bürgerschaft auffordert, mit 
vereinten Kräften für Aufrechthaltung der Ordnung, für Ruhe 
und Schutz des Eigenthums einzutreten, weiterhin vor An- 
sammlnngen warnt nnd auf die bezüglichen Strafen aufmerk- 
sam macbt. 
Amerika. Die Untersuchung betreffs der Katastrophe 
veS „Atlantic" ist nunmehr beendet. Das Urtheil belobt daS 
Benehmen der Offiziere nach dem Scheitern, tadelt dagegen 
ihr Versabren von dem Augenblicke, da der Kurs des Schiffes 
geändert wurde. Besonders werden dem Kapitän Vorwürfe 
gemacht, daß er das Deck um Mitternacht verlassen hat. Er 
hatte kassirt werben können, wird jedoch, in Anbetracht seiner 
Bemühungen, Menschenleben zu retten, nur auf 2 Jahre 
suspendirt. Der vierte Offizier ist für 3 Monate suspendirt 
worden. Weitere 42 Leichen find von dem Wrack des At- 
lantie ans Land gebracht und daselbst beerdigt worden. Die 
Identität der Personen konnte nicht mehr festgesetzt werden. 
Italien. R o m. Nach den neuesten Nachrichten aller Zei- 
tungell ist der Papst nun wieder völlig hergestellt und hat sein 
gewohntes Leben wieder angefangen. 
Spanien Die „Gazeta" von Madrid berichtet von neuen 
Greuelthaten der Karlisten. Durch Verratb des Kommandan- 
ten wurde das Städtchen Berga eingenommen und dort 85 
gefangene Soldaten mit dem Bajonett ermordet. Der Banden- 
führer Bosch ließ in Boadella das HauS des Maire nieder 
brennen und denselben öffentlich erschießen. Wahrend der Hin- 
richtung umstanden die Karlisten das brennende Haus, um 
das Entkommen seiner Familie, Mutter, Frau und Kinder, zu 
verhindern. Alle Glieder kamen in den Flammen um. — Daß 
dunn die Regierungstruppen, wie bei Puicerda, wenn sie Mei- 
ster werden, gegen die Karlisten schonungslos verfahren, läßt 
sich bei der fürchterlichen Aufregung leicht begreifen. 
Indessen ist Menotti Garibaldi (ein Sohn des bekannten 
Garibaldi) mit einer Schaar italienischer Freiwilligen in Spa- 
nien gelandet und hat sich der Regierung der Republik zur 
Verfügung gestellt. 
Schweiz. Bischof Lachat von Solothurn mußte, da er die 
Verfügungen der Diözesanstände und der Regierung nicht an- 
erkennt, auf polizeiliche Anordnung sein bischöfliches Palais 
verlassen und ist nun nach Luzern abgereist. Nach verschiede- 
nen Berichten soll die Luzerner Regierung ihm den Aufenthalt 
in ihrem Kantone nur unter der Bedingung gestatten, daß er 
den amtlichen Verkehr mit den 5 Diözesankantonen, welche ihn 
als Bischof nicht mehr anerkennen, ganz unterläßt. 
einmal über das andere: „O du frommes, holdes Engelskind — 
du herziges, liebes Mägdlein! — Dann küßte er sie zwei, drei 
Mal aus die Stirne und kehrte wie in tiefem Sinnen auf seinen 
Platz zurück. Paumgartuer brachte Nosa's Gesundheit ans. „Ja," 
fing Spangenberg an, als Nosa hinausgegangen, „ja, Meister 
Martin, der Himmel hat Euch in Eurer Tochter ein Kleinod be- 
fcheert, das Ihr gar nicht hoch genug schätzen könnet. Sie bringt 
Euch noch zu hohen Ehren; wer, sei es aus welchem Stande 
es wolle, möchte nicht Euer Eidam werden." „Seht Ihr wohl," 
fiel Paumgartuer ein, „seht Ihr wohl, Meister Martin, daß der 
edle Herr von Spangenberg ganz so denkt, wie ich! — Ich sehe 
schon meine liebe Rosa als Patrizierbraut mit dem reichen Per- 
lenfchmnck in den schönen blonden Haaren." „Liebe Herren," sing 
Meister Martin ganz verdrießlich an, „liebe Herren, wie wöget 
Ihr denn nur immer von einer Sache reden, an die ich zur Zeit 
noch gar nicht denke. Meine Rosa hat nun das achtzehnte Jahr 
erreicht, und solch' ein blutjunges Ding darf noch nicht ausschauen 
nach dem Bräutigam. Wie es sich künftig fügen mag, überlasse 
ich ganz dem Willen des Herrn, aber so viel ist gewiß, daß weder 
Verschiedenes. 
Straß bürg, den 19. April. In der lothringischen Ge- 
meinde Bettweilen (Kreis Saargemünd) fanden vor einiger 
Zeit größere Menschenansammlungen, selbst zur Nachtzeit statt, 
wegen angeblichen Marienerscheinungen. Weil dadurch eine die 
öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdende Aufregung her- 
vorgerufen wurde, erinnerte eine bezirkspräsidentliche Verord 
nung an daS Gesetz über Abhaltung religiöser und politischer 
Versammlungen und untersagt Ansammlungen im Freien von 
mehr als 5 Personen. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler, 
(Die Redaktion ist für Einsendungen, die unter diesen Strich 
gesetzt werden, nicht verantwortlich.) 
(Eingesandt.) 
Triefen, 12. April. (Schluß.) Wenn der Verfasser je- 
ner Einsendung meint, eS seien dies theure Bretter gewesen )c, 
und Alois Kindle sel könnte nicht einverstanden sein, so kann 
ich ihm nicht beistimmen. Zugegeben, der Verfasser möge ein 
vollkommener Meister in den Theorien der Arithmetik und Ge- 
ometrie sein, so hat er es doch nicht weit gebracht in der prak- 
tischen Anwendung derselben; denn daß es billiger ist, schon 
vorhandene, gute, aber nutzlos daliegende Bretter zu der vor- 
bergenannten Arbeit zu nehmen, als diese ohne andern Zweck 
liegen zu lassen, als zum Versperren des Platzes und zur Nah- 
rung der Holzwürmer, und dafür neue ebenfalls theure Bretter 
anzuschaffen, sieht Jeder ein, der etwaS Verstand im Vorrath 
hat. ohne vorher die Lehrsääle hochgetragener, aufgeklärter Pro 
fessoren betreten zu müssen. Wenn er aber meint, daß Alois 
Kindle sel. nicht einverstanden sein könnte mit der Benützung 
seines von ihm gestifteten hl. Grabes, so schreibt er diesem 
entweder gar keinen praktischen Geist, oder eine ebenso kleine 
Sphäre der Verstandesthätigkeit zu, wie sie der Verfasser deS 
Artikels selbst besitzt. Denn ich kann ebenfalls nicht anneh- 
men, daß Alois Kindle sel. die Absicht gehabt habe.fetwaS zu 
thun, waS weder der Kirche noch sonst wem etwas nützt, son- 
dern vielmehr etwas zu thun zum Nutzen und !Frommen der 
löbl. Pfarrkirche. Früher, als noch der alte Altar stand, war 
das schon oft genannte hl. Grab allerdings eher am Platze, 
daß aber durch den Neubau des Hochaltares Letzteres unnütz 
geworden ist und so die Stiftung ihren zweiten Zweck als hl. 
Grab verfehlte, trage ich keine Schuld; durch ^Verwendung des 
genannten HolzwerkeS aber zu! Blasbälgen, Pfeifen k. hat sie 
aber wenigstens ihren ersten Zweck zum Theil erreicht, nämlich 
der Pfarrkirche zu nützen, waS anderswie nicht wohl hatte ge- 
schehen können. Durch diese Verwendung hat die Kirche je- 
densalls mehr gewonnen, als wenn dieses massige Bretterwerk 
Jahre und Jahre lange im Thurme gelegen wäre. Daß die 
ein Patrizier, noch ein Anderer meiner Tochter Hand berühren 
wird, als der Küper, der sich mir als den tüchtigsten, geschick- 
testen Meister bewährt hat. Vorausgesetzt, daß ihn meine Tochter 
mag, denn zwingen werde ich mein liebes Kind zu nichts in der 
Welt, am wenigsten zu einer Heirath, die ihr nicht ansteht." 
Spangenberg und Paumgartuer schauten sich an, voll Erstaunen 
über diesen seltsamen Ausspruch des Meisters. Endlich nach einigem 
Räuspern sing Spangenberg an: „Also aus Euerm Stande heraus 
soll Eure Tochter nicht freien?" „Gott soll sie davor bewahren," 
erwiderte Martin. „Aber," fuhr Spangenberg fort, „wenn nun 
ein junger, tüchtiger Meister aus einem edeln Handwerk, vielleicht 
ein Goldschmied oder gar ein junger, wack'rer Künstler um Eure 
Rosa freite und ihr ganz ausnehmend gefiele vor allen andern 
jungen Gesellen, wie dann?" „Zeigt mir," erwiderte Martin, 
indem er den Kopf in den Nacken warf, „zeigt mir, lieber junger 
Gesell, würde ich sprechen, das schöne zweifudrige Faß, welches 
ihr als Meisterstück gebaut habt, und wenn er das nicht könnte, 
würd' ich freundlich die Thür öffnen und ihn höflichst bitten, doch 
sich anderswo zu versuchen." (Forts, folgt.)
        

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