Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/55/
Liechtensteinische 
Vaduz, Freitag 
Nr. 13, 
den 18. April 1873. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl. 10 fr. sammt 
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werden franco erbeten an die Redaction in Vaduz. 
Die Weltausstellungen. 
Am 1. Mai soll die feierliche Eröffnung der Wiener Welt- 
auöstellung stattfinden. 
Die Idee der Weltausstellungen gieng von England auS; 
dem Prinzen Albert, diesem vielverkannten, erst nach seinem 
Tode recht gewürdigten großen deutschen Manne gebührt daS 
Verdienst, die Welt-Jndustrie-AuSstellung i851 im Krystall- 
Palast zu London in das Leben gerufen und zum glänzenden 
Erfolge durchgeführt zu haben. Das Beispiel reizte zur Nach- 
ahmung; zuerst kam New-Oork 1853 und (854 gleichfalls 
mit einer internationalen Ausstellung, die jedoch kläglich endetes; 
im Jahre 1855 folgte die Weltausstellung zu Paris und 1862 
tagte die vierte, oder da die nordamerikanische gewöhnlich nicht 
mitzählt, die dritte Ausstellung der Industrie aller Nationen 
wiederum zu London. Im Jahre 1867 folgte die vierte Welt- 
auSstellung zu Paris. 
Zwischen den Weltausstellungen liegt eine ganze Reihe von 
Industrieausstellungen der Städte, Bezirke und Lander. Die 
erste Industrieausstellung, deren die Geschichte erwähnt, war 
1798 auf dem Marsfelde zu Paris in dem Tempel, welcher 
von dem Direktorium der Republik eigens der Industrie geweiht 
worden war. Frankreich, das in Allem voran ist, was Schau- 
geprange betrifft, nimmt somit das Verdienst in Anspruch, die 
Industrieausstellungen ins Leben gerufen zu haben. Allgemeine 
deutsche Industrieausstellungen fanden 1842 zu Mainz, 1844 
zu Berlin, 1850 zu Leipzig statt. Gegenwärtig sind die In- 
dustrieausstellungen zur Mode, fast zur Notwendigkeit gewor 
den. Betrachten wir ihre Entwicklung, so sehen wir, daß sich 
aus den GeWerbeausstellungen der Städte diejenigen der Be- 
zirke und Provinzen herausbilden; die letzteren schließen wieder 
zusammen zu den Landesausstellungen, bis endlich ein inter- 
nationaler Concurs alle Länder der Welt zur friedlichen Mes- 
fung ihrer industriellen Kräfte ladet. 
i Die diesjährige Weltausstellung in Wien ist somit die 5. 
Ausstellung der Industrie aller Nationen u. bildet einen Wall- 
fahrtspunkt für Hunderttausende auS allen Theilen der Welt, 
von dem schlichten Arbeiter an, der dahin wandert, um zu ler- 
lien. bis zum orientalischen Fürsten, der da kaufen und genie« 
ßen will, was die Denkkraft deS menschlichen Geistes und der 
Schweiß, der Arbeit Köstliches geschaffen haben. 
Nach diesem unserem geschichtlichen Ueberblicke über Entste- 
hung und Entwicklung der Industrieausstellungen wollen wir 
ihre Vorzüge und Nachtheile noch in kurzen Zügen zu beleuch- 
ten suchen. Niemand wird den großen Einfluß der Industrie- 
auSstellungen auf die Wohlfahrt der Völker in materieller, 
wie in geistiger, in merkantilifcher, wie in rein gewerblicher 
Hinsicht leugnen können. Sie sind die Meilenzeiger des Fort- 
sch^itteS, Gradmesser der Höhe und deS NmfangeS der ge- 
werblichen Thätigkett eines Landes. Für den Produzenten ha- 
ben sie den großen Werth, daß sie das Bedürfniß wecken und 
es unterstützen; den Kaufmann lehren sie den Markt kennen; 
er wird durch sie befähigt, das Beste der Produktion auszu- 
wählen, zugleich aber auch den Geschmack in seinen verschieb 
denen Richtungen kennen zu lernen. Der Käufer erhält den 
Vortheil einer Auswahl, wie sie ihm anderweitig nicht gebo- 
ten werden kann. Er lernt aber auch gleichzeitig Neues ken- 
nen, was ihm nutzbar oder annehmlich erscheint. Auf die 
ökonomische und technische Entwicklung der Gewerbe sind die 
Industrieausstellungen unzweifelhaft von besonders mächtiger 
Einwirkung; jeder Handwerker, jeder Fabrikant bringt auS 
ihnen etwas Neues, und sei eS auch nur eine Idee, mit nach 
Hause, dessen Verarbeitung ihm und dem Ganzen Vortheil 
Feuilleton. 
Meister Martin, der Kiifner, und seine Gesellen. 
Novelle von E. T. A. Hoffmann. 
Wohl mag Dir auch, geliebter Leser, das Herz aufgehen in 
ahnungsloser Wehmuth, wenn Du über eine Stätte wandelst, wo 
die herrlichen Denkmäler altdeutscher Kunst, wie beredte Zeugen, 
den'Glanz, den frommen Fleiß, die Wahrhaftigkeit einer schönen 
vergangenen Zeit verkünden. Ist es nicht so, als tretest Du in 
ein verlassenes Haus? — Noch liegt ausgeschlagen auf dem 
Tische das fromme Buch, in dem der Hausvater gelesen, noch 
ist das reiche, bunte Gewebe aufgehängt, das die Hausfrau ge- 
fertigt, allerlei köstliche Gaben des Kunstfleißes an Ehrentagen 
bescheert, stehen umher in säubern Schränken. Es ist, als werde 
nun gleich einer von den Hausgenossen eintreten und mit treu- 
herziger Gastlichkeit Dich empfangen. Aber vergebens wartest Du 
auf die, welche das ewig rollende Rad der Zeit fortriß; Du 
magst Dich dann überlassen dem süßen Traume, der Dir die 
alten Meister zuführt, der zu Dir recht durch Mark und Bein 
dringt. Und nun verstehst Du erst den tiefen Sinn ihrer Werke, 
denn Du lebst in ihrer Zeit und hast die Zeit begriffen, welche 
Meister und Werk erzeugen konnte. Doch ach! Geschieht es nicht, 
daß die holde Traumgestalt, eben als Du sie zu umfangen ge- 
dachtest mit liebenden Armen, aus lichten Morgenwolken scheu 
entflieht vor dem polternden Treiben des Tages und Du, bren- 
nende Thränen im Auge, dem immer mehr verbleichenden Schim- 
mer nachschauest? So erwachst Du auch plötzlich, hart berührt 
von dem um Dich wogenden Leben, aus dem schönen Traum, 
und nichts bleibt Dir zurück, als die tiefe Sehnsucht, welche mit 
süßen Schauern Deine Brust durchbebt. 
Solche Empfindungen erfüllten den, der für Dich, geliebter 
Leser, diese Blätter schreibt, jedes Mal, wenn ihn sein Weg durch 
die weitberühmte Stadt Nürnberg führte. Bald vor dem ivun- 
dervollen Bau des Brunnens am Markte verweilend, bald das 
Grabmal in St. Sebald, das Sakramenthäuslein in St. Laurenz, 
bald auf der Burg, auf dem Rathhause Albrecht Dürers tief- 
sinnige Meisterwerke betrachtend, gab er sich ganz hin der süßen
        

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