Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/54/
m* 
48 — 
Zürich Letzten Montag Abend wollte der Maler Bie- 
tenholz die Kirche in Fl untern mit Petroleum anzünden, — 
diese brannte schon. Der Mann wurde verhaftet. Gestern Mor- 
gen vor'S Statthalteramt in's Verhör geführt, ergriff er ein 
auf dem Tische deS Adjunkten liegendes Messer und versetzte 
damit Herrn Jlly mehrere Stiche in den Unterleid. Polizeisoldat 
Dahl, der den Bieten holz vorgeführt hatte, kam dem Adjunk 
ten zu Hülfe und wurde noch schwerer alö dieser verwundet. 
Hinten im HalS deS armen Polizeisoldaten blieb die Klinge 
des Messers stecken. Der Sekretär Landwehr flüchtete aus dem 
Fenster. Der Gefangenwart Müller kam herbei, — Kampf 
mit Stühlen erfolgte, — Bietenholz wird mit einem Streich 
des Schirmgestells niedergestreckt und gefesselt. Die Verwun- 
deten befinden slch im Spital. Bieten holz soll wahnsinnig sein. 
Verschiedenes. 
Butterfabrikation. Die bei uns und in der Schweiz 
fabrizirte Bulter hält bekanntlich an Feinheit und Dauerhaftig- 
Feit den Vergleich mit der norddeutschen, dänischen und fchwe« 
dischen nicht aus. 
Das kommt daher, weil man bei uns die Milch oft sauer 
werden läßt, ehe man sie abrahmt, unv überhaupt das Geschäft 
des AbrahmenS nicht recht versteht. 
Bei der Butter- sowohl, als Ziegerfadrikation liegt die 
Hauptsache in zwei Punkten: 
1) Daß die Milch den Rahm schnell, und 
2) daß sie' ihn vollständig ausscheide. 
Um dies zu bewirken, wird im Norden ein ganz einfaches 
Verfahren angewendet: 
Man stellt die frisch gemolkene kuhwarme Milch (nicht in 
flachen Holzgefässen, sondern) in tiefern Metallgefässen oder 
Kesseln möglichst rasch in einen Trog, durch welchen möglichst 
kaltes Wasser fließt. Die Gefäffe dürfen hier nicht, wie in 
unfern Milchkellern so geschieht, auf einander geschichtet wer- 
den, sondern sind neben einander zu stellen, damit der Milch 
dampf rasch abziehen kann. 
So kühlt sich die Milch sehr rasch ab und wird die Ab- 
sonderung des RahmS außerordentlich befördert. Nach 24, 
höchstens 30 Stunden hat er sich rein und völlig abgeschieden 
und kann nun leicht rein abgeschöpft werden. So bleibt der 
Rahm süß und liefert eine weit feinere und hallbarere Butter. 
Aber auch die Milch bleibt süß und eignet sich besser zu jeder 
weitern Verwendung, letzteres ist namentlich wichtig für die 
Ziegerfadrikation, zu welcher säuerliche Milch nichts taugt. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Kundmachung. 
Mittwoch den 16. April d. I werden im Schlosse Guten- 
berg bei BalzerS verschiedene Zimmermöbel und sonstige Ein- 
richtungsgegenstande gegen gleich baare Bezahlung öffentlich 
versteigert, woui Kauflustige eingeladen werden. 
Fürstl. Liechtensteinische Domänenverwaltuna. 
Äöarum ist Canada unfern auswandernden Landsleuten 
ganz besonders als Ziel ihrer Reise anzuempfehlen? 
1) Weil das Klima Canada's den Schweizern und Deutschen 
am meisten entspricht, sehr gesund ist und frei von den gefähr- 
lichen Fieberkrankheiten und andern Epidemieen, welche das 
Auswandern nach warmem Ländern so bedenklich macht. 
2) Weil die Regierung Canada's eine freie, liberale und 
solide ist; weil sie die Auswanderung ganz besonders beschützt, 
ihre Garantieen zuverlässig sind und sie (Smnniiidereni sehr 
freundlich entgegenkömmt, denselben während ihrer Reise und 
bei ihrer Ankunft den nöthigen Schily gewährt, einmal in 
Canada angekommen, frei verköstigt und logirt. bis ein Unter- 
kommen für sie gefunden ist. 
3) Weil der canadifche Bund 11,000 Ouadratmeifrn mehr 
Flächenraum in sich schließt, als die Vereinigten Staaten von 
Amerika, wovon kaum der fünfzigste Theil bevölkert ist, waS 
die Regierung in den Stand setzt, liberale Schenkungen von 
ausgezeichneten Ländereien zu machen: 200 Morgen Land für 
jeden Familienvater und 100 Morgen für Jeden, der über 
18 Jahre alt ist. Unter gewissen Bedingungen hilft sie Ein- 
Wanderern beim Bau ihrer Häuser, gibt ihnen die ersten 
Sämereien zc. :c. 
Canada produzirt den besten Weizen in reichlichen Ernten, 
hat die größten Wälver der Welt, har zahllose Flüsse und^ 
Seen, welche wimmeln von den besten Fischgattungen; Jndu- 
strie und Handelsbetrieb sind in stetem Wachsen begriffen und 
bieten Arbeit für Hunderttaufende; es hat ausgezeichnete Wei- 
den für Hornvieh, wovon es fchon jetzt bedeutend exportirt. 
4) Sind die Canadier im Allgemeinen gutmüthige, gast- 
freundliche Leute, welche den Neuankommenden gerne unter die 
Arme greifen und ihnen mit Rath und That an die Hand 
gehen. 
Es find bloö wenige Punkte, die in's Auge zu fassen sind, 
aber genügend, um die Vortheile, die das Land bietet und die 
Vortrefflichkeit seiner Einrichtungen in Bezug auf Einwanderer 
hervorzuheben. H 1 . H 759 
Für Auswanderer und Reifende. 
Regelmäßige, solide und billige Spedition mittelst 
Post-, DaMPf- und Segelschiffen 
nach allen Theilen von 
Norf- & Südamerika & Australien 
durch die konzessionirte Generalagentur von Zwilchenbart in 
Basel, Zentralbahnhofplatz Nr 12. 
Agent für Tirol und Vorarlberg I. Schauer, Inhaber 
der Expreß-.Compagnie in Feldkirch. m. 1 10 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 4. April. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 

fl 
kr. 
fl 
kr. 
fl. 
kr. 
Korn 
4 
10 
4 
— 
3 
90 
Roggen .... 
3 
— 
2 
90 
2 
80 
Gerste 
2 
90 
2 
80 
2 
70 
Türken .... 
2 
80 
2 
70 
2 
60 
1 Hafer ..... 
1 
60 
1 
50 
1 
40 
Thermometerstand nach Reanmnr in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
April 
2. 
+ 5 
+ 14 
+ 11 
schön hell. 
n 
3. 
+ 5% 
.+13% 
+ 11 
halbhell.Ncht.Reg. 

4. 
+ 6 Vi 
+ 9>/t 
+ 8 
bedeckt. 
// 
5. 
+ 6y 2 
+ 9 
+ 6% 
„ Neg.i.Gbg sch. 
tf 
6 
+ 3 
+ 7 
+ 5 
trüb. 

7. 
+ 2% 
+ 6 
+ 3 Vi 

>, 
8. 
4~ 2 Vi 
+ 6 Vi 
+ 4 
i 
9. April 100 st. Silber . 
20-Frankenstücke 

107.60 
8.70 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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