Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/53/
750, also nahezu drei Viertel). Die Kirche, wegen ihrer Ge- 
mälde und Paramente zu den reichsten in Böhmen gezählt, 
ist auch ein Raub der Flammen. Beim Flöchnen der massiv 
silbernen Engel wurden vom herabstürzenden Dache 2 fremde 
Feuerwehrmänner erschlagen, andere verwundet. Man spricht 
noch von weitern Opfern an Menschenleben, doch ist Hierüber 
noch nichts offiziell konstatirt. Zoachimsthal ist eine Berqstadt 
mit ca. 10,000 Einwohnern. Die Bevölkerung ist größten- 
theils arm und lebt vom täglichen Verdienste. Ein Silber- 
bergwerk, daS dem Staate gehört, befindet sich da; ebenfalls 
eine k. k. Cigarrenfabrik. Daneben wird Handschuhfabrikation 
getrieben. 
Spanien. Nach den telegraphischen Mittheilungen über 
den Fortgang des Bürgerkriegs in Spanien ist nun auch die 
Stadt Berga, die ÖperationsbasiS im Gebiete des obern 
Llobregat, in die Gewalt deS Feindes gefallen, der sie wie Ri- 
Poll mit Hülse deS Petroleums erobert hat. Dieser Gewinn 
ist für die Carlisten von größerer Bedeutung, als irgend einer 
der Erfolge, die sie bisher errungen haben oder errungen ha- 
ben wollen. Vor einigen Tagen trafen aus Berga auf ver- 
schiedenen Wegen und verkleidet zwei Boten, darunter ein Ser- 
geant, in Barcelona ein, um für die schon langst vom Verkehr 
mit der Außemvelt abgeschnittene Stadt Hülfe zu holen. Seit 
sechs Wochen war keine Truppenabtheilung mehr in die Ge- 
gend gekommen, eine Kompagnie oeS Freiwilligen-Bataillons Ca- 
taluna. die eine Zeit lang dort gewesen, war abgerückt und 
nur die gewöhnliche unzureichende Besatzung zurückgeblieben. 
Auf die eigenen Kräfte angewiesen aber kann kein befestigter 
Ort in dortiger Gegend sich' mehr gegen die Carlisten halten, 
die über mehrere Geschütze verfügen. „Wenn die Carlisten das 
ohne Hülfe gelassene Berga einnähmen, wie es mit Ripoll ge- 
schah," sagte das Diario de Barcelona, „so würde dies einen 
unberechenbaren Eindruck auf daS Land hervorbringen und die 
schlimmsten Folgen haben; denn abgesehen von ver strategischen 
Wichtigkeit des Ortes, der für die Hauptstadt und den Schlüs- 
sel des Gebirges gilt, finden sich in Berga Kriegsvormthe, 
welche die Carlisten sich sehr zu Nutzen machen würden. Was 
das „Diario" befürchtet hat, ist eingetroffen. 
Die Carlisten machen demnach bedenkliche Fortschritte und 
wenn die spanischen Soldaten sich nicht entschließen zu mar- 
schiren, wo und wann es sein muß, so wird ihre Republik bald 
ein Ende haben und Don Carlos wird sie dann schon mar- 
hinter dem andern gerade dem „Palast" des Kapitäns zu, wie 
wenn sie ihm ihre Aufwartung machen wollten, hinter ihnen eine 
dichte Schaar Matrosen. Ohne sich stören zu lassen, setzten sie 
ihre Reise fort, höchstens mit einem Schnabelhiebe einen Zu- 
dringlichen bedenkend. Aber die Schildwache ließ sie nicht ein, 
und als sie sich überzeugt, daß seemännischer Disziplin gegenüber 
nichts zu machen sei, kehrten sie mit stoischem Gleichmuthe um 
und watschelten dem Meere zu. Als früher in jener Hütte Thran 
gekocht wurde, hatten sie vielleicht manchen Leckerbissen erschnappt 
und diese Erinnerung war ihnen geblieben. Em Monat war 
vergangen, seit das Schiff die Insel erreicht und noch war es 
nicht gelungen, einem vorbeifahrenden Schiffe Kunde von ihrer 
Lage zu geben. Manches Segel sahen sie auftauchen, näher kom- 
men und wieder verschwinden in den wogenden Finthen, ehe es 
den Booten möglich geworden, sich ihnen so weit zu nähern, daß 
man sie sah. Lieutenant Lewis Jones mußte immer bereit sein, 
an Bord zu gehen, seine Reisetasche war stets gepackt und die 
Depeschen für ihn lagen immer fertig da. Am 16. Juli näherte 
sich endlich eine holländische Barke; sie war für Java bestimmt 
und der Kapitän war schon früher an St. Pauls-Insel vorbei- 
gefahren. Damals hatte die Insel keinen Baum und jetzt sah er 
einen auf dem höchsten Gipfel (den Flaggenstock); begierig, die 
Wunder zu schauen, fuhr er näher heran. Glücklich erreichte das 
Boot das Schiff. Der Kapitän glaubte nur 20 Leute mitnehmen 
zu können, nur für so viele habe er Wasser und Lebensmittel. 
schiren lehren. In Catalonien will man ein förmliches Treib- 
jagen auf die Carlisten anstellen, wenn sich nämlich genug 
Treiber finden, um nicht die Getriebenen zu werden. 
Frankreich. Der Dampfer „Atlantic", mit 1000 Per- 
sonen an Bord, hat bei der MarS,Insel neben Canada Schiff- 
bruch gelitten. ES sind dabei 560 Personen ertrunken und 
415, darunter der Kapitän, der Arzt und zwei Schiffsoffiziere, 
gerettet worden. Frauen und Kinder sind sämmtlich zu Grunde 
gegangen. Schiff und Ladung sind vollständig verloren. 
Schweiz. Der „St. G. Ztg." entnehmen wir aus den 
RegierungSverhandlungen: 
Berichte der RheinsektionSingenieure über die Bauten vom 
Winter 1872/73. 
Ragaz hat seine Leitwerke auf der ganzen Linie fertig 
Melö hat am Fläschner Berg einen 50 Fuß langen Stol 
len getrieben, um Steine zu bekommen und hat nun letzte 
Woche mit 25 Zentner, sage mit 25 Zentner Pulver auf 
einen einzigen Schuß den Berg derart gesprengt, daß Aengst- 
liche sogar Gefährde für die Luziensteig befürchteten, Anvere 
meinten, eS könnte der Rhein ausgefüllt und nach Wallenstadt 
abgetrieben werden. ES sei aber alleS gehörig abgelaufen. 
Die lange Wartauer st recke erheischt in Folge gewalti- 
ger Anstrengungen und Hochbauten der gegenüberliegenden 
Liechtensteiner (Gemeinde Triefen) unsererseits wieder um so 
vermehrtere Hoch- und Kraftbauten. 
BuchS hat enorme Anstrengungen gemacht. 
Haag hat immer schwere, sehr schwere Arbeit, wehrt sich 
aber männlich; ebenso Salez. 
Rüthi hat sich auch dies Jahr sehr brav gehalten. 
Ober riet mit seinen fünf OrtSgemeinden und Hof-Ober- 
riet haben Vieles geleistet. 
Diepoldsau ist noch zurück, doch wird hoffentlich von 
da an abwärts der Rhein sich manierlicher benehmen. 
Mit der Achkorrektionskommission ist der Bericht nicht zu- 
frieden, dagegen hat die Gemeinde Au tüchtig gedämmt. 
Auf Antrag des Baudepartements wird beschlossen, von 
dem bisherigen Verfahren, daß der Regierungsrath in Strei- 
tigkeiten zwischen dem Departement und Rheinbauakkordanten 
als Schiedsrichter gelte, zu abstrahiren und sowohl Gemeinden 
als Privaten auf dem Zivilrechtsweg, und zwar erst- und letzt- 
instanzlich mit abfchließlicher Beurtheilung an das Kantons- 
gericht zu verweisen. 
Die ganze Nacht arbeitete man auf der Insel, um mit Wasser 
und Proviant bereit zu sein, damit man alle Mann an Bord 
bringe, aber als der Morgen kam, war das Schiff verfchwun- 
den, und nur das minderte die Enttäuschung, daß Lieutenant 
Jones mit fortgegangen war. Neue Schiffe kamen; am 5. August 
nahm eine holländische Barke — nach Sumatra bestimmt — 
wieder einige Offiziere mit, gab auch einiges Mehl her für 
Wasser. Am 7. August kam ein englischer Klipper; der Kapitän 
desselben machte das freundschaftliche Anerbieten, für 36,000 fl. 
die ganze Mannschaft nach Australien zu führen; aber Kapitän 
Thrupp lehnte ab, er wußte, daß die Erlösung nahte. Und sie 
kam; am 26. August kam ein Dampfer herangebraust, man 
sandte ihm ein Boot entgegen, das sogleich wieder zurückkehrte; 
aber welcher Jubel erhob sich am Strande, als man vorne im 
Boot die wohlbekannte Gestalt des Lieutenants Jones stehen sah! 
Er brachte frohe Kunde, von Hongkong sollte der Dampfer 
Malakka kommen, um die Schiffbrüchigen nach Sidney zu bringen. 
Der Kapitän sollte nach England vor das unvermeidliche Kriegs- 
gericht, das er in Ehren bestand. Am 1. September erschien 
die Malakka mit dem Rinaldo. Alles war bereit, sich einzuschiffen, 
aber ein furchtbarer Sturm trieb die Schiffe weit fort; als sie 
der Insel sich wieder näherten, war das Wrack der Megära in 
den Wellen verschwunden. Der Letzte, der von dem gastfreund- 
lichen Eiland Abschied nahm, war der Kapitän Thrupp; er ging 
| erst, als alles, was ihm anvertraut gewesen, sicher an Bord war..
        

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