Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/5/
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Liechtensteinische 
Amtsblatt des Fürstenthums. 
Vaduz, Freitag 
Nr. 2. 
den 31. Jänner 1873. 
Die liechtensteinische Wochenzeitnng erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl. 10 kr. sammt 
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2gespaltene Zeile 5 kr. — Briefe und Gelder werden franco erbeten an die Redaction in Vaduz. 
Vaterländisches. 
Die LandtagSperiode von 1872—5T3. 
Die gegenwärtige LandtagSsesston, deren Abschluß nahe be< 
vorsteht, ist für unser kleinstaatliches Leben so reich an ernsten 
Dingen und Erfahrungen wie keine andere vorausgegangene 
und bietet Anlaß genug, den Lesern unseres BlatteS die Vor- 
kommnisse derselben in eine zusammenhängende Rückerinnerung 
zu bringen 
DaS bereits stark angehäufte Material der LandtagSver- 
Handlungen läßt zwar eine ausgedehntere Berichterstattung nicht 
mehr zu, doch werden wir bemüht sein, bei den besonders wich' 
tigen Gegenständen etwaS länger zu verweilen. 
Der Zusammentritt deS gegenwärtigen Landtages erfolgte 
den 21. Mai vorigen JahreS unter dem Alterspräsidenten I 
G. Marxer und bezweckte: 
1. Die Prüfung der Wahlakten der neugewählten Abge- 
ordneten: Ehrne (Ruggel), Oebri (Eschen), Rheinberger Haupt- 
mann (Vaduz), Dr. Rud Schädler (Vaduz) Wanger (Schaan), 
Wolfinger Franz (BalzerS) 
2. Die Wahl deS Präsidenten und Sekretärs des Landta- 
geS, sowie der Kommissionen für die Regierungsvorlagen. 
Nach erfolgter Prüfung und Genehmigung der Wahlakten 
nahm der Alterspräsident den VerfassungSeid der neugewählten 
Abgeordneten entgegen und ordnete dte Vornahme der erwähn- 
ten Wahlen an. DaS Resultat derselben ist folgendes: 
1. Präsident: Dr. Schlegel. 
2. Präsident: Ehrne. 
Sekretäre: Dr. Rudolf Schädler, Hauptmann Rhein- 
berger. 
Mitglieder der GefetzgebungSkom Mission: 
Ehrne, Keßler, Marxer, Dr. Schlegel, Wanger. 
Mitglieder der Fin a nzk 0 m mi s si 0 n: Keßler, Kind, 
Marxer, Dr. Schlegel, Wanger. 
Zn der zweiten Sitzung vom 19. Juni genehmigte 
der Landtag zunächst die von der Finanzkommission geprüfte 
StaatSrechnung pro 187i und die FondSrechnungen vom glei 
chen Jahre. Hierauf wurden ihm folgende Gegenstände zur 
Berathung und Beschlußfassung vorgelegt: 
1. Gesetzentwurf über die Regelung deS schulpflichtigen 
Alters der Elementarschüler. 
2. Gesetzentwurf über die Erhöhung der Lehrergehalte. 
3. Jagdgesetzentwurf. 
4 Gesetzentwurf über daS Expropriation§verfahren. 
5. „ „ „ Sanitätswesen. 
Die ersten 3 Entwürfe wurden fast unverändert im Ginne 
der Regierungsvorlagen angenommen und firid bereits im Lan- 
deSgesetzblatte veröffentlicht worden. 
Der Gesetzentwurf über daS ExpropriationSve^fahren er-, 
litt einige Abänderungen und wurde wie folgt, angenommen: 
Auf Grund des 8 14 der VerfassungSurkunde vom 26. 
Sevt. 1862 setzen wir unter Zustimmung deS Landtages fol- 
gendes Expropriationsverfahren fest: 
8 1. Die Expropriation deS Eigenthums oder anderer 
Rechte und Gerechtsamen ist in allen jenen Fällen zulässig, wo 
eS die Zwecke deS Staates oder einer Gemeinde nothwendig 
wachen. 

Feuilleton. 
Spieler-Glück. 
Eine Erzählung von E. T. A. Hoffmann. 
(Fortsetzung.) 
Der Fremde verbeugte sich, schmerzlich lächelnd, und verließ 
ohne ein Wort zu sagen, den Spieltisch und den Saal. 
Und in der folgenden Nacht stand der Fremde wieder dem 
Baron gegenüber, mit dem düster glühenden Blick ihn durchboh- 
rend 
Da fuhr noch zorniger als in der vorigen Nacht der Baron 
auf: „Mein Herr, wenn es Ihnen Spaß macht, mich anzugaffen, 
so bitte ich, eine andere Zeit und einen andern Ort dazu zu 
wählen, in diesem Augenblick aber sich" — 
Eine Bewegung mit der Hand nach der Thüre diente statt 
des harten Worts, das der Baron eben ausstoßen wollte. 
Mftd wie in der vorigen Nacht, mit demselben schmerzlichen 
Lächeln sich verbeugend, verließ der Fremde den Saal. 
Vom Spiel, vom Wein, den er genossen, ja selbst von dem 
Auftritt mit dem Fremden aufgeregt, konnte Siegfned nicht 
schlafen. Der Mond dämmerte schon herauf, als die ganze Ge- 
ftalt des Fremden vor seine Augen trat. Er erblickte das be- 
deutende, scharf gezeichnete, gramverstörte Gesicht, die tiefliegen- 
den düstern Augen, die ihn anstarrten, er bemerkte, wie trotz der 
ärmlichen Kleidung der edle Anstand den Mann von feiner Er- 
ziehung verrieth. — Und nun die Art, wie der Fremde mit 
schmerzhafter Resignation die harten Worte aufnahm, und sich, 
das bitterste Gefühl mit Gewalt niederkämpfend, aus dem Saal 
entfernte! — Nein, rief Siegfried, ich that ihm Unrecht! — 
Liegt es denn in meinem Wesen, wie ein rauher Bursche in ge- 
meiner Unart aufzubrausen, Menschen zu beleidigen, ohne den 
mindesten Anlaß? — Der Baron, kam dahin, sich zu überzeu- 
gen, daß der Mann ihn so angestarrt habe, in dem Augen- 
blick, als er vielleicht mit der bittersten Noch kämpfte, während 
er, der Baron, im übermüthigen Spiel Gold über Gold aufge- 
häuft. — Er beschloß, gleich den andern Morgen den Fremdeü 
aufzusuchen und die Sache auszugleichen. 
* 
Der Zufall fügte es, daß gerade die erste Person, der der
        

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