Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/39/
Liechtensteinische 
Vaduz, Freitag 
Nr. 10. 
den 28. März 1873. 
Die liechtensteinische Wochenzeitnng erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig t fl. 10 kr. sammt 
Postversendung und Zustellung in's Haus. Mit Postversentung für Oesterreich ganzjährig 2 si. 50 kr., halbjährig i st. 25 kr.; für daS 
übrige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl. 10 kr. ohne Postversendung. — Man abonnirt für das In- uyd Ausland bei der 
Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — Einrückungsgebühr für die 2gespaltene Zeile 5 kr. — Briefe und Gelder 
werden franco erbeten an die Nedaction in Vaduz. 
Zur vaterländischen Boden- und Gebirgskunde. 
Für die meisten Leser unseres Blattes wird eS vorauSsicht- 
lich 'eine neue und interessante Sache sein, Einiges über die 
Schicksale unserer einheimischen Berge wahrend ihrer Entstehung 
mit andern benachbarten Gebirgen und über die Beschaffenheit 
und Ausdehnung des Materials, aus dem sie aufgebaut sind, 
zu erfahren. Zwar bringen wir eine derartige Beschreibung 
nicht aus eigener Anschauung, sondern entnehmen sie der Ar- 
beit eines Fachmannes, deS Herrn BergratheS Dr. Edmund v. 
MojsisovicS, welcher in eingehender, wissenschaftlicher Weise die 
liechtensteinischen Boden- und AebirgSverhältnisse behandelt. 
i. 
Allgemeines über Lage, Bau und Begrenzung des 
liechtensteinischen Gebirgsstockes. 
Jedem Alpenreisenden, welcher nebst einiger auf Selbstbe- 
trachtung beruhender Erfahrung die Fähigkeit besitzt, den Cha 
rakter einer Gebirgslandschaft in sich aufzunehmen, muß. stch 
auf dem Wege aus der östlichen Schweiz, z. B. auS Glarus 
oder St. Gallen nach Liechtenstein die Wahrnehmung auf- 
drängen, daß die Gebirge um GlaruS und den Wallen stätter^ee 
schon in ihrer äußern Ansicht ein Gepräge zur Schau tragen, 
welches völlig verschieden ist von dem Aussehen und der Tracht 
der Gebirge im Osten und Nordosten von Vaduz und im 
Saminathal. Wie ganz anders nach vem allgemeinen Aufbau, 
nach den Absätzen und Gehängen, nach der Grundfärbyng, 
nach der Art der Pflanzen-Ansiedlung verhalten sich z. Ä. der 
GebirgSstock die drei Schwestern, die Säntiskette und der Chur- 
firstenkamm? Und dennoch bestehen sie inSgesammt ihrer Haupt- 
masse nach auS Kalkgesteinen und liegen einander räumlich 
äußerst nahe, Glieder der so genannten nördlichen Kalkalpenzone 
bildend. Einen ganz entgegengesetzten Eindruck dagegen erhält 
der Reisende, welcher auS Nordtirol und Vorarlberg kommend 
sich den liechtensteinischen Gebirgen nähert. Er findet keinen 
anderen Gegensatz, als den schon nur dem geübteren Auge er- 
kennbaren, welcher zwischen den vorarlbergischen Kalkalpen und 
dem tiroler Kalkgebirge östlich vom Mordian von Jmst besteht 
und welcher seinen Grund in dem Fehlen einer im nordöstlichen 
Tirol sehr verbreiteten und für den GebirgSchamkter bestimmen- 
den mächtigen Kalkbildüng (des so genannten Wettersteinkalkcs) 
hat. Diese äußerlich bereits wahrnehmbaren Merkmale theils 
entgegengesetzter, theils gleicher Art beruhen auf der Verschieden- 
heit deS gebirgSbildenven Materiales und seines Aufbaues. 
Sie haben ihre tief innerliche Begründung und Berechtigung 
in der geologischen Geschichte des Landes. 
So wie sich noch heutzutage Liechtenstein in seiner Lage 
auf das Innigste an die benachbarten Gebiete Vorarlbergs an- 
schießt, was die Geographen durch den beide Theile zusammen- 
fassenden Ausdruck: Rhätikongebirge anerkennen, so sind auch 
die geologischen Geschicke des liechtensteinischen, wie des vor- 
arlbergischen Rhätikon wesentlich dieselben und im gleichen Maße 
verschieden von denen der jenseits des Rheines folgenden 
Schweizergebirge Durch die weithin ausgedehnte Zone der 
nördlichen Kalkalpen von Wien durch Nieder- und Oberöster- 
reich, Steiermark, Salzburg, Baiern, Tirol und Vorarlberg,. 
Liechtenstein bis an den Rhein besteht das gebirgSbildende 
Material vorzugsweise auS den Ablagerungen der gleichen 
BilduttgS» (TriaS) Periode. 
Jenseits des Rheines in der Ostschweiz fehlen diese Be- 
dingungen gänzlich und erst weiter im Gesten der nördlichen 
Schweizeralpen erscheint die alleroberste Stufe derselben, jedoch 
ill viel geringerer- Mächtigkeit und in ganz verschiedener AuS- 
Feuilleton. 
Der Schiffbruch der Megära. 
Dieser Schiffbruch hat seiner Zeit in England großes Auf 
sehen gemacht und das bittere Wort eines englischen Staats- 
mannes bestätigt, daß England eine Armee habe, die nicht mar- 
schiren, und eine Flotte, die nicht schwimmen könne. . Sehr in 
teressant ist aber die wunderbare Errettung der ganzen Schiffs- 
Mannschaft aus der augenscheinlichsten Todesgefahr, eine wahre 
Robinjonade in großartigem Maßstabe. Wir entnehmen das Fol- 
gende der Schilderung eines Augenzeugen. Es war an einem 
Sonntag den 28. Mai 1871, als das eiserne Schiff — die 
Megära — fröhlich aus der Tafelbai hinausdampfte: Sonntags- 
fahrt, sagen die Matrosen, ist ja immer eine glückliche Fahrt, 
und alles schickte sich an, dieses gute Vorzeichen zu bestätigen. 
Das schönste Wetter begünstigte die Reisenden, die freilich einen 
weiten Seeweg vor sich hatten, quer durch den großen Ozean 
nach Sidneh in Australien. Dorthin sollte das Schiff 70 See 
soldaten, dazu Segel, Tauwerk zc. bringen, um die Ausrüstung 
einiger anderer Kriegsschiffe damit zu ergänzen. Bald versank der 
breite Gipfel des Tafelberges in den rollenden Wogen, in raschem 
Flug ging es vorbei an Afrika's Südspitze, vorbei an der kleine!? 
Tafel, wo Bartholomäus Diaz einen Denkstein ausgerichtet hatte, 
zum Zeichen, wie weit er, der erste Europäer, gekommen sei; 
weinend hatte er ihn umfaßt nnd Abschied 'von ihm genommen, 
wie von einem theuren Freunde, denn sein ahnender Geist sagte 
ihm, daß er nie mehr in diese Gegenden gelangen werde und 
diese Ahnung hatte ihn nicht betrogen. Bald schlugen große breite 
Wellen an den Bord der Megära, mächtiger als zuvor, man 
war im großen weiten Ozean> und auch bei der schnellsten Fahrt 
mußte mehr als ein Monat vergehen, bis man wieder Land zu 
sehen hoffte. Aber alles war guter Dinge, man hatte das Schiff 
vorher untersucht, ob es in gutem Stande sei und nichts schad- 
Haftes gefunden. 333 Mann waren au Bord, eine tüchtige Mannschaft 
unter trefflichen Offizieren; rasch durchschnitt der Dampfer öie 
grünen Wogen der unendlichen Wasserwüste. Der gewaltige Ul- 
batroß, die zierliche Seeschwalbe umschwärmten ihn, ein heiterer
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.