Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/33/
Am 20. Mai 1854 erhielt Vaduz von den Herren Ge- 
brüder Graßmair in Feldkirch drei Glocken im Gewichte von 
21 Zentner 13 Pfund altes Gewicht. Ihr Akkord ist Ks. 
So viel zum freundlichen Andenken. F. 
Baduz, den 11. März. Die Gemeindewahlen im Ober- 
lande haben folgendes Ergebniß erzielt: 
Balzers. Vorsteher: Johann Frick. Kassier: Johann Frick 
in Mels. 
Triefen. Vorsteher: Anton Bargätzi. Kassier: Josef Anton 
Kindle. 
Triesenberg. Vorsteher: Andreas Nagele. Kassier: 
Andreas Beck. 
Vaduz. Vorsteher: Felix Real. Kassier: Jakob Staib. 
Schaan. Vorsteher: Jakob Wanger. Kassier: Jakob 
Quaderer, jun. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Die Unterhandlungen zwischen Frankreich 
und Deutschland über die Kriegssteuerzahlung und Gebiets- 
räumung sind auf dem besten Wege. Belfort wird jedoch vor 
Bezahlung der 5. Milliarde nicht geräumt werden. 
Das preußische Abgeordnetenhaus hat die, die Falk- 
'scheu Kirchengesetze einleitende Verfassungsänderung zu Art. 
15 und 18 in dritter und letzter Berathung mit 223 gegen 
108 Stimmen endgültig angenommen. Nun hat daS Herren- 
haus zu beschließen. 
Aus der weltberühmten Kruppschen Gußstahlfabrik 
in Essen soll die Wiener Welt-Ausstellung mit zwei Produc- 
ten beschickt werden, die alles, was aus diesem Etablissement 
schon hervorgegangen, bei weitem übertreffen sollen. Es sind 
dieß l) eine Riesenkanone von Gußstahl, deren Rohr 21 Fuß 
lang ist, £5 Fuß im Durchmesser hat und 760 Ctr. wiegt; 
2) ein Gußstahl-Block, 13 Fuß lang und 5 Fuß im Durch- 
messer. Das Gewicht desselben beträgt gerade 1000 Ctr. Mitte 
dieses Monats sollen diese beiden Kolosse, Wunderwerke deut- 
scher Industrie, mittelst eines Extrazugs über Gießen, Nürn- 
berg, Passau nach Wien transportirt werden, und zwar auf 
zwei dem Krupp'schen Etablissement gehörigen Wagen mit je 
6 Achsen und 1000 Ctr. Tragkraft. 
Oesterreich. Das Hauptgesetz zur Wahlreform wurde 
in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 6. März mit 
120 gegen 2 Stimmen, also mit Zweidrittelmehrheit aller Mit 
glieder des Abgeordnetenhauses angenommen. 
Spanien. Die neuesten Berichte aus Spanien bestäti- 
gen leider die Ahnung, daß die Republik in Madrid bereits 
ein gährender Vulkan ist, der sich bald in heftigen Ausbrüchen 
gehärtetsten Spieler waren indignirt von des Chevaliers beispiel- 
losem Betragen. Alles regte sich wider ihn. Die Polizei hob 
die Bank des Chevaliers auf. Man beschuldigte ihn überdem 
des falschen Spiels, sein unerhörtes Glück sprach für die Wahr- 
heit der Anklage. Er konnte sich nicht reinigen; die Geldstrafe, 
die er erlegen mußte, raubte ihm einen bedeutenden Theil seines 
Reichthums. Er sah sich beschimpft, verachtet — da kehrte er 
zurück in die Arme seines Weibes, das er mißhandelt und das 
ihn, den Reuigen, gern aufnahm, da das Andenken an den Vater, 
der auch noch zurück kam von dem wirren Spielerleben, ihr einen 
Schimmer von Hoffnung aufdämmern ließ, daß des Chevaliers 
Aendernng nun, da er älter geworden, wirklich von Bestand sein 
könne. 
Der Chevalier verließ mit seiner Gattin Paris, und begab 
sich nach Genua, Angelas Geburtsort. 
Hier lebte der Chevalier in der ersten Zeit ziemlich zurück- 
gezogen. Vergebens blieb es aber, jenes Verhältnis; der ruhigen 
Häuslichkeit mit Angela, das sein böser Dämon zerstört hatte, 
wieder herzustellen. Nicht lange dauerte es, so erwachte sein in- 
nerer Umnuth und trieb ihn fort aus dem Hause in rastloser 
Unstätigkeit. Sein böser Ruf war ihm gefolgt von Paris nach 
kundgeben wird. Der Kongreß ist der Schauplatz eines Kampfes 
um die Dictatur. Der radikale Präsident MartoS streckt die 
Hand nach derselben aus. ES beginnen schon viele Familien 
zu flüchten. Es ist zu befürchten, daß die spanische Republik 
im Begriffe steht, wie Saturn ihre eigenen Kinder nacheinan- 
der zu verschlingen. Dazu noch das gefährliche Treiben der 
Carlistenbanden, die mit Gewalt ihren Don Carlos auf den 
Thron heben wollen. Wäre die junge Republik vollständig 
einig, so müßte sie zuerst mit den Waffen in den Händen mit 
dieser gefährlichen Horde aufräumen. 
Nord-Amerika. Die Botschaft, mit welcher Grant seine 
zweite Präsidentenschaft eröffnete, spricht die Ueberzeugung aus, 
daß die ganze gebildete Welt, unter der Leitung der amerika- 
Nischen Republik, der republikanischen Staatsform zusteure. Er 
will die Armee noch mehr vermindern und hofft, daß die Ge- 
bietserweiterung diese Reduktion gerade erleichtere. Da unge- 
achtet der Emancipan'on noch nicht alle bisherigen Sklaven bür- 
gerliche Rechte besitzen, muß noch das Nöthige hiefür gethan 
werden. Er wird sich auch bemühen, der Union noch verschie- 
dene Gebiete einzuverleiben, den Werth des Papiergeldes zu 
erhöhen, Industrie, Handel und Landarbeit zu heben und, wenn 
immer möglich, die Jndianerfrage auf friedlichem Wege zu lö- 
sen. Theoretisch ist Grant der Annexion von St. Domingo 
günstig, kann aber Territorialerwerbungen überhaupt nur dann 
zustimmen, wenn sie durch Volksbeschlüsse erfolgen. Schließlich 
verherrlicht er die Entwicklung der modernen Eivilifation und 
spricht die feste Ueberzeugung aus, daß durch den Witten Got- 
tes die Völker der Welt einst zu einer einzigen Nation werden, 
die nur eine Sprache spricht, und keine Armeen und Flotten 
mehr nöthig haben wird. 
Das tausendjährige Reich, welches die Grant'sche Bot- 
schaft ankündigt, würde wohl ein Evangelium sein, wenn eS 
nicht ein Phantasiegebilde, eine Schwärmerei wäre. Der Hoff- 
nung auf die Zukunft republikanischer Selbstregierung und der 
Fähigkeit der Völker zu derselben hätte der Träger deS Ster 
nenbanners wirkungsvollen Ausdruck geben können, aber in 
seiner seltsamen phantastischen Einkleidung verliert der Posau- 
nenstoß viel von seiner Wirkung. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Di*. Rudolf Schädler. 
Amtliche Anzeigen. 
C d i k t. 
Von dem fürstl. Landgerichte wird hiemit bekannt gemacht, 
daß auf Ansuchen der Erben nach I. Gg. Rheinberger in Va- 
Genuaer durfte es nicht wagen, eine Bank zu etabliren, un- 
geachtet es ihn dazu antrieb mit unwiderstehlicher Gewalt. 
Zu der Zeit hielt ein französischer Obrist, durch bedeutende 
Wunden -zum Kriegsdienst untauglich geworden, die reichste Bank 
in Genua. Mit Neid und tiefem Haß im Herzen trat der Che- 
valier an diese Bank, gedenkend, daß sein gewohntes Glück ihm 
bald beistehen werde, den Nebenbuhler zu verderben. Der Obrist 
rief dem Chevalier mit einem lustigen Humor, der ihm sonst gar 
nicht eigen, zu, daß nun erst das Spiel was Werth, da der Che- 
valier Menars mit seinem Glück hinangetreten, denn jetzt gelte 
es den Kampf, der allein das Spiel interessant mache. 
In der That schlugen dem Chevalier in den ersten Taillen 
die Karten zu wie sonst. Als er aber vertrauend auf sein un- 
bezwingbares Glück endlich V» banjque rief, hatte er mit einem 
Schlage eine bedeutende Summe verloren. 
Der Obrist, sonst sich im Glück und Unglück gleich, strich 
das Geld ein mit allen lebhaften Zeichen der äußersten Freude. 
Von diesem Augenblick an hatte sich >das Glück von dem Che- 
valier abgewendet ganz und gar. 
(Schluß, folgt.)
        

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