Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/27/
Liechtensteinische 
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Nr. 7. 

den 7. März 1873. 
Vaduz, Freitag 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie koW'fü^M^ZyW ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl.iofr. sammt 
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an die Redaction in Vaduz. . 
Vaterländisches. 
Rheinkorrektion. 
Die bedeutenden Rheinüberschwemmungen, welche im Jahre 
1868 hauptsächlich auf der schweizerischen Seite statthatten, 
zwangen auch die liechtensteinischen Rheingemeinden zu neuen 
Anstrengungen, um dem Verderben drohenden Elemente festere 
Schranken zu stellen. Demzufolge wurde rüstig an den Rhein- 
korreklionswuhren fortgearbeitet und wurden neue Grundbauten 
angestreckt, mit der frohen Aussicht, in wenigen Jahren wenig- 
stenS die Korrektionsvorbauten zum Schlüsse zu bringen. Die 
Binnendämme selbst wurden im darauf folgenden Jahre mit 
erheblichen Kosten bereits durchschnittlich auf eine Höhe von 
10 bis 12% ' über den Winterwasserstand gebracht und auch 
entsprechend verstärkt. 
Damals hatten die schweizerischen Korrektionsbauten noch 
nicht so weit Platz gegriffen, ihre Dämme waren n*4> ni^^ 0 , 
die Korrektionewuyre erhoben sich an wenigen besonders kri- 
tischen Stellen auf eine Höhe von 12'. Wir hatten noch keine 
Ahnung, daß diese Wuhre in kurzer Zeit noch bereits einmal 
so große Dimensionen annehmen und uns so unsägliche Schwie- 
rigkeiten bereiten müssen. 
Unsern Hauptschutz erblickten wir noch immer in unsern 
Binnendämmen, welche wir sorgfältig pflegten. Mit 12^ Höhe 
fühlten wir uns in einer gewissen Sicherheit. 
Aber schon im Sommer 1871 — durch das am 19. Juni 
eingetretene Hochwasser — wurden wir eines Andern belehrt. 
Die vermerkten 12 ' Dammhöhe hatten unS wirklich vom Ber- 
derben gerettet. Die schweizerischen Wuhrkolosse in Buchs und 
Sevelen, welche einige Zoll niedriger, als unsere Erd- und 
Kiesdämme waren, brachen — vermöge der Ueberfluthung, 
welche sie erlitten — rückwärts zusammen, um dem gewaltigen 
Andränge des Stromes freien Einlaß in das hinterliegende 
Thalgelände zu lassen. 
DaS hierauf erfolgte plötzliche Sinken des Wassers im 
Flußbette bewahrte uns vor einer ähnlichen vernichtenden Kata- 
strophe. Wir erkannten aber auch das Unzulängliche unserer 
Bauten Wir sahen, daß unsere Dämme noch viel zu niedrig 
seien, denn auch an Stellen, wo früher keine Ueberfluchungs- 
gefahr war, drohte der Rhein die Dämme zu übertreten. 
Unsere Nachbarn hatten aber nicht nur offene Augen, um 
den Abgrund zu sehen, dem sie entgegen gingen, sondern sie 
hatten auch das Mittel, nämlich Geld, und zwar so viel Geld, 
um bit radikalsten und wirksamsten Vorkehrungen anwenden 
zu können, um solchen furchtbaren Katastrophen einen sichern 
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bewährt, wo sie nicht vom Hochwasser übertreten wurden, so 
lag der Gedanke nahe, die ganze Wuhrlinie in eine Höhe auf- 
zubauen, welche kein Hochwasser mehr erreichen soll. 
Der Gedanke, die 10 bis 12' hohen Korrektionswuhre 
(Mittelhochwuhre) auf 20' Höhe (Hochwuhre) zu bringen, 
wurde sowohl von den schweizerischen Technikern, als auch 
vom Volke rasch aufgegriffen und lebhaft erörtert. Eine eid- 
genössische Expertenkommission, auS den ersten Fachmännern 
zusammengesetzt, entschied sich noch im Winter 1871 in einem 
eingehenden Gutachten für AuSbau der Hochwuhre. Wir in 
Liechtenstein hätten gegen dieses radikale Vorgehen nichts einzu- 
Feuilleton. 
Spieler-Glück. 
Eine Erzählung von E. T. A. Hoffmann. 
(Fortsetzung.) 
„Ja," rief der Chevalier ganz außer sich mit wildem Blick, 
mit entsetzlicher Stimme, „ja, verflucht — verflucht will ich sein, 
hinabgeschleudert in die tiefste Hölle, wenn jemals wieder diese 
Hand eine Karte berührt! — Und wenn Ihr mich dann von 
Euch stoßt, Angela, so seid Ihr es, die rettungsloses Verderben 
über mich bringt — 0 Ihr wißt nicht — Ihr versteht mich 
nicht — wahnsinnig müßt Ihr mich nennen — aber Ihr werdet 
es fühlen, Alles wissen, wenn ich vor Euch liege mit zerschmetter- 
tem Gehirn — Angela, Tod oder Leben gilt es! — Lebt 
wohl!" — 
Damit stürzte der Chevalier fort in voller Verzweiflung. 
Vertua durchblickte ihn ganz, er wußte, was in ihm vorgegangen, 
und suchte der holden Angela begreiflich zu machen, daß gewisse 
Verhältnisse eintreten könnten, die die Notwendigkeit herbeiführen 
müßten, des Chevaliers Geschenk anzunehmen. Angela. entsetzte 
sich, den Vater zu verstehen. Sie sah nicht ein, wie es mög 
lich sein könnte, dem Chevalier jemals anders als mit Verachtung 
zu begegnen. Das Verhängniß, welches sich oft aus der tiefsten 
Tiefe des menschlichen Herzens, ihm selbst unbewußt, gestaltet, 
ließ das nicht Gedachte, das nicht Geahnte geschehen. 
Dem Chevalier war es, als sei er Plötzlich aus einem fürch- 
terlichen Traum erwacht; er erblickte sich nun am Rande des 
Höllenabgrundes und streckte vergebens die Arme aus nach der 
glänzenden Lichtgestalt, die ihm erschienen, nicht ihn zu retten — 
nein! ihn zu mahnen an seine Verdammniß. 
Zum Erstaunen von ganz Paris verschwand die Bank des 
Chevalier Menars aus dem Spielhause; man sah ihn selbst nicht 
mehr, und so kam es, daß sich die verschiedensten abenteuerlichsten 
Gerüchte verbreiteten, von denen eines lügenhafter war, als das 
Ädere. Der Chevalier vermied alle Gesellschaft, seine Liebe 
sprach sich aus in dem tiefsten, unüberwindlichsten Gram. Da 
geschah es, daß ihm in den einsamen finstern Gängen des Gar- 
tens von Malmaison plötzlich der alte Vertua in den Weg trat 
mit seiner Tochter. 
Angela, welche geglaubt, den Chevalier nicht anders anblicken
        

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