Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/23/
Liechtensteinische 
Vaduz, Freitag 
Nr. 6. 
den 28. Februar 1873. 
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an die Redaction in Vaduz. 
Vaterländisches. 
Die Landtagsperiode von 1873— JT3. 
in. 
Die Berathung über die einzelnen Artikel deS vorgelegten 
Sanitätsgesetzmtwurfes erzielte deren Annahme mit verschiedenen 
nicht wesentlichen Abänderungen und Zusätzen. Die Annahme 
des Gesetzentwurfes im Ganzen erfolgte bei namentlicher Ab- 
stimmung mit Ii gegen 3 Stimmen. 
Der letzte Gegenstand, welcher in der Landtagssitzung vom 
31. Juli zur Verathung und Beschlußfassung gelangte, bezog 
sich auf die Regierungsvorlage über die Rheinschutzbauten und 
die anschließenden Kommissionsanträge. Die bezügliche Re 
gierungsvorlage heißt wörtlich: 
„Im Nachhange zu dem Gesetze vom 3t. Oktober 1871, 
welches die Verstärkung der Binnendämme in einer den schwei- 
zerischen Rheinschutzbauten entsprechenden Art anordnet, bestimme 
Ich über Antrag des Landtages: 
Artikel 1. 
In den Fällen, wo die Dammverstärkungsarbeiten um den 
von der Regierung genehmigten Kostenvoranschlag weder im 
Akkord, noch im Versteigerungswege an Mann gebracht werden 
können, ist jene Gemeinde, in deren Wuhrbezirk die betreffende 
Dammstrecke liegt, gehalten, die Ausführung der Arbeit um 
den AnfchlugspreiS zu bewerkstelligen, und soll die Flüssigmach- 
ung der entfallenden Summe bei der LandeSkasse erfolgen, so 
bald über die ordentliche Erstellung der Arbeiten die Bestätigung 
deS Landestechnikers vorliegt. 
Artikel 2 
Mit der Durchführung dieses Gesetzes wird Meine Re- 
gierung beauftragt." 
Das bezügliche Begleitschreiben erwähnt der vielen Schwierig- 
keiten, welche der fürstlichen Regierung durch die zur Verfügung 
gestandene geringe Arbeitskraft bereitet worden feien, um die 
Dammverstärkung bis auf das ausgeworfene Maß von 3 
Fünftheilen durchzuführen; w.ue eS z. B. in Triefen nicht ge 
lungen, fährt das Schreiben fort, die Gemeinde als solche zur 
Uebernahme der Dammarbeiten innerhalb ihres Bezirkes im 
Akkord zu vermögen, so würde sicher ein großer Theil dieser 
gefährlichen Rheinstrecke sich noch in der alten Höhe und Stärke 
befinden. 
Um daher die als nothwendig sich herausstellenden Damm- 
verstärkungSarbeiten durchführen zu können, ohne fürchten zu 
müssen, daß durch eine eigennützige Verabredung der Arbeiter 
entweder die Löhne zum Nachtheile der Landeskasse auf eine 
künstliche Weife in die Höhe getrieben oder die Arbeiten gar 
nicht ausgeführt werden, erlaube sich die fürstliche Regierung, 
dem löblichen Landtag den beiliegenden Gesetzentwurf zur ver- 
fassungsmäßigen Behandlung mitzuiheilen. 
Nach kurzer Debatte wurde der vorliegende Gesetzentwurf 
im Einzelnen und Ganzen einstimmig angenommen. 
Zur weitern Berathung kamen hierauf 2 Anträge, welche 
die Rheinschutzbaukommission dem Landtage zur Annahme em- 
pfohlen hatte. Sie lauten: 
1. „Außer den mit dem Gesetze vom 30. Oktober 1871, 
§ 4 bewilligten landschäftlichen Subventionen von 5000 fl, 
zur Ausführung der Korrektionslinie werden jenen Gemeinden, 
Feuilleton. 
Spieler-Glück. 
Eine Erzählung von E. T. A. Hoffmann. 
(Fortsetzung.) 
Es ist wahr, ich lieh Geld aus auf hohe Zinsen, schänd- 
liche Verlaumdung ist es aber, wenn man mich des betrügerischen 
Wuchers anklagt. Und wer sind diese Ankläger? Leichtsinnige 
Leute, die mich rastlos quälen, bis ich ihnen Geld borge, das 
sie wie ein Ding ohne Werth verprassen, und dann außer sich 
gerathen wollen, wenn ich das Geld, welches nicht mir, nein, 
meiner Tochter gehört, für deren Vermögensverwalter ich mich 
nur ansehe, mit unerbittlicher Strenge eintreibe. Nicht lange ist 
es her, als ich einen jungen Menschen der Schande, dem Ver- 
derben entriß, dadurch, daß ich ihm eine bedeutende Summe vor- 
streckte. Nicht mit einer Silbe gedachte ich, da er, wie ich wußte, 
blutarm war, der Forderung, bis er eine sehr reiche Erbschaft 
gemacht. Da trat ich ihn an wegen der Schuld. — Glaubt 
Ohr wohl, Chevalier, daß der leichtsinnige Bösewicht, der mir 
seine Existenz zu verdanken hatte, die Schuld ableugnen wollte, 
daß er mich einen niederträchtigen Geizhals schalt, als er mir, 
durch die Gerichte dazu angehalten, die Schuld bezahlen mußte? 
— Ich könnte Euch mehr dergleichen Borfälle erzählen, die mich 
hart gemacht haben und gefühllos da, wo mir der Leichtsinn und 
die Schlechtigkeit entgegen tritt. Noch mehr! — Ich könnte 
Euch sagen, daß ich schon manche bittere Thräne trocknete, daß 
manches Gebet für mich und meine Angela zum Himmel stieg; 
doch Ihr würdet das für falsche Prahlerei halten und ohnedem 
nichts darauf geben, da Ihr e>n Spieler seid! Ich glaubte, daß 
die ewige Macht gesühnt sei — es war nur Wahn, denn frei- 
gegeben wurde es dem Satan, mich zu verblenden auf entsetz- 
lichere Weise, als jemals. — Ich hörte von Euerem Glück, Che- 
valier! Jeden Tag vernahm ich, daß dieser, jener an Euerer 
Bank sich zum Bettler herab pomtirt; da kam mir der Gedanke, 
daß ich bestimmt sei, mein Spielerglück, das mich noch niemals 
verlassen, gegen das Euere zu setzen, daß es in meine Hand ge- 
legt sei, Euerem Treiben ein Ende zu machen, und dieser Ge- 
danke, den nur ein seltsamer Wahnsinn erzeugen konnte, ließ mir 
fürder keine Ruhe, keine Rast, So gerieth ich an Euere Bank, 
so verließ mich nicht eher meine entsetzliche Bethörung, bis meine
        

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