Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/21/
ßen Schwierigkeiten, mit denen die Volksschule zu kämpfen hat, 
hervorgehoben, ungegründete Klagen abgewiesen und auf die 
Mittel zum weitern Ausbau dieser so wichtigen Anstalt zivili- 
sirter Staaten hingewiesen wurde. An der darauf folgenden 
diesbezüglichen Diskussion betheiligten sich die meisten Mitglieder 
recht lebhaft, und nur zu bald rückte der Abend heran, der 
die Gäste an den nahen Aufbruch gemahnte. Nachdem auf 
allseitigen Wunsch noch für künftighin die Abhaltung mehrerer 
solcher gemeinsamen Konferenzen, wenn möglich auch mit Be 
theiligung der Lehrer Vorarlbergs beschlossen und nachdem zur 
Ordnung dieser Angelegenheit eine Kommission gewählt worden, 
trennte sich die Versammlung, wobei wohl jeder Teilnehmer 
sich sagen mochte: „Wir haben einen schönen, anregenden Tag 
verlebt! Auf baldiges Wiedersehen!" 
Die aufmerksame Bedienung und gute Bewirthung im 
Gasthause bei Kirchthaler stellte wohl sämmtliche Gäste zufrieden. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Das Hauptinteresse nehmen noch immer 
die Lasker'schen Enthüllungen über den Eisenbahnschacher des 
geheimen Raths Wagener und Kompagnie in Anspruch. Die 
ganze Angelegenheit gewinnt besonders dadurch den Reiz der 
Neuheit, weil Wagener der erste Beamte deS Staatsministeriums 
und der erste Nach des Ministerpräsidenten Roon ist. Das 
öffentliche Gewissen des Volkes fordert eine strenge Untersuch- 
ung im Interesse der öffentlichen Sittlichkeit und im Interesse 
des ganzen preußischen Beamtenthums. Durch königliche Bot- 
schaft wird nun eine Untersuchungskommission bestellt, die den 
Sachverhalt genau zu prüfen hat. Diese Kommission besteht 
aus Seehandlungsdirektor Günther als Präsident, 2 Justiz 
beamten und je 2 Mitgliedern deS Landtages und des Herren- 
hauseS. Die königliche'Botschaft sichert sorgfältige, unparteiische 
Untersuchung von Verhältnissen und Personen und Mittheil- 
ung der Kommissionöberichte an den Landtag zu. 
Aus einer Mittheilung des preußischen Finanzministers er- 
gibt sich, daß Frankreich bis jetzt 3350 Millionen Kriegsent- 
schädigung gezahlt hat. Von diesem Betrage sind bereits 2700 
Millionen für allgemeine Reichszwecke verwendet, und zirka 
956 Millionen zur Gründung des Invaliden-Fonds und zum 
Umbau deutscher Festungen bestimmt. Weitere Verwendung 
für Reichszwecke sei in Auesicht, und so dürften vdn der gan- 
zen Kriegsentschädigung nebst Zinsen nur etwa 200 Millionen 
Thaler zur Verkeilung an die einzelnen Staaten gelangen. 
DaS deutsche Heer unter den Fahnen beträgt auf 41 Mil 
lionen Bevölkerung 402,000 Mann, das französische auf 36 
sein ganzes reiches Erbe ^au meine Bank verspielte. So wie ich 
heute Euch, bat er mich, ihm Geld zu leihen, um wenigstens 
nach Rom zurückreisen zu können. Ich schlug es ihm mit Hohn- 
gelächter ab, und er stieß mir in der wahnsinnigen Wuth der 
Verzweiflung das Stilet, welches er bei sich trug, tief in die 
Brust. Mit Mühe gelang es den Aerzten, mich zu retten, aber 
mein Krankenlager war langwierig und schmerzhast. Da pflegte 
mich mein Weib, tröstete mich, hielt mich aufrecht, wenn ich er- 
liegen wollte der Qual, und mit der' Genesung dämmerte ein 
Gefühl in mir auf und wurde mächtiger und mächtiger, das ich 
noch nie gekannt. Aller menschlichen Regung wird entfremdet 
der Spieler; so kam es, daß ich nicht wußte, was ,Liebe, treue 
Anhänglichkeit eines Weibes heißt. Tief in der Seele brannte 
es mir, was mein undankbares Herz gegen die Gattin verschuldet 
und welchem frevlichen Beginnen ich sie geopfert. Wie quälende 
Geister der Rache erschienen mir alle die, deren Lebensglück, de- 
ren ganze Existenz ich mit verruchter Gleichgiltigkeit gemordet, und 
ich hörte ihre dumpfen, Helfern Grabesstimmen, die mir vorwar- 
fen alle Schuld, alle Verbrechen, deren Keim ich gepflanzt! Nur 
mein Weib vermochte den namenlosen Jammer, das Entsetzen zu 
bannen, das mich dann erfaßte! — Ein Gelübde that ich, nie 
Millionen 428,000 Mann. Die Dienstzeit ist im deutschen 
Heere 12 Jahre, 3 aktiv, 4 Reserve, 5 Landwehr, im fran- 
zösischen 20 Jahre, worunter 4 aktiv. 
Oesterreich. Die Wahlreformvorlage über Einführung 
direkter Reichsrathswahlen hat am 11. d. Mts. die kaiserliche 
Sanktion erhalten und ist am 15. d. Mts. im Abgeordneten- 
hause eingebracht worden 
Die Wiener Blätter werden demnächst fämmtlich — die 
„Presse," die „Neue freie Presse," das „Tagblatt" und die 
„Vorstadt-Zeitung" sind es längst — in den Händen der 
Banken oder anderer geschäftlicher Unternehmungen sein. Vor 
einigen Wochen ist die „TageSpresse" des viel gewandelten 
Herrn HanS für 135,000 fl an die VereinSbank, in der letz- 
ten Zeit das „ Fremdenblatt" für 1,300,000 fl. an die Industrie- 
und Bodenkreditbank verkauft worden, und der Verkauf der 
„Morgenpost" dürfte jetzt bereits auch abgeschlossen sein. — 
Schöne Aussichten für die „unabhängige" und „uninteressirte" 
Haltung der Wiener Blätter! 
Spanien. König Amadeo von Spanien bat abgedankt. 
Beide Häuser der Kortes haben sich in gemeinsamer Sitzung 
als souveräne Kortes konstitnirt und die Abdankungsbotschaft 
deS Königs einstimmig angenommen. Die Botschaft sagt: 
Spanien lebe beständig in Kämpfen; wären dieselben gegen 
einen äußeren Feind gerichtet, dann würde der König nicht ab- 
gedankt haben; aber die Spanier bekämpfen einander selbst. 
Er wolle nicht König einer Partei sein und nicht gesetzwidrig 
regieren. Er halte alle seine Anstrengungen für unfruchtbar, 
und entsage daher der Krone für sich und seine Nachkommen. 
Am 4. Dezember 1870 hat Amadeo den spanischen Thron 
angenommen und hat somit seine Herrschaft nur etwas über 
2 Jahre gedauert. Für ruhig urtheilende Kenner des spanischen 
Volkes und des zerfahrenen Parteiverhältnisses mußte dieses 
Ende seines Reiches vom Anfang an als unabwendbar er- 
scheinen. König Amadeo ging zu Grunde, mußte zu Grunde 
gehen, weil er ein Fremder in Spanien war, und weil nie 
ein Fremder eine Partei finden wird, welche mächtig genug 
wäre, ihn gegen die verschiedenen feindlichen Parteien zu schützen. 
Der König versuchte eS zunächst mit der Partei, welche 
die Revolution von 1868 gemacht, welche ihm die Krone ver 
schafft hatte; bald aber hatte diese Regierung sich unmöglich 
gemacht. Nun versuchte er es mit den Radikalen, die unter 
Zorilla's Führung den König zu halten im Stande schienen. 
Jetzt hat sich auch diese Hoffnung als trügerisch erwiesen. Der 
König hat weder eine starke Partei für sich zu bilden vermocht, 
noch konnte er mit eiserner Hand sämmtliche Parteien nieder- 
halten, was allein seiner Herrschaft Dauer hätte qeben können, 
mehr eine Karte zu berühren. Ich zog mich zurück, ich riß mich 
los von den Banden, die mich festhielten, ich widerstand den 
Lockungen meiner Croupiers, die mich und mein Glück nicht ent- 
behren wollten. Ein kleines Landhans bei Rom, das ich erstand, 
war der Ort, wohin ich, als ich vollkommen genesen, Hinslüchtete 
mit meinem Weibe. Ach, nur ein einziges Jahr wurde mir eine 
Ruhe, ein Glück, eine Zufriedenheit zu Theil, die ich nie geahnt! 
Mein Weib gebar mir eine Tochter und starb wenige Wochen 
darauf. Ich war in Verzweiflung, klagte den Himmel an, und 
verwünschte dann wieder mich selbst, mein verruchtes Leben, das 
die ewige Macht rächte, da sie mir mein Weib nahm, das mich 
vom Verderben gerettet; das einzige Wesen, das mir Trost gab 
und Hoffnung. Wie den Verbrecher, der das Grauen der Ein- 
samkeit fürchtet, trieb es mich fort von meinem Landhause hieher 
nach Paris. Angela blühte auf, das holde Ebenbild ihrer Mut- 
ter; an ihr hing mein ganzes Herz, für sie ließ ich es mir an- 
gelegen- sein, ein bedeutendes Vermögen nicht nur zu erhalten, 
sondern zu vermehre». 
(Fortsetzung folgt.)
        

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