Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/20/
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Der § 2 des neuen Entwurfs enthält die wesentliche Ab- 
Änderung von dem alten Entwurf, daß sich die fürstl. Regie 
rung zur Handhabung der Medicinalpolizei der im Lande an- 
sässtgen zur Ausübung der Praxis legitimirten Aerzte zu bedienen 
habe. W ist also in dem neuen Entwurf von ständigen La- 
nitätsorganen. von einem Landesphysikus und Landesthierarzt 
keine Rede mehr; die Regierung hat das Recht als Vollzugs 
organe zur Handhabung der Medicinalpolizei die im Lande an- 
.sassigen zur Ausübung der Praxis ermächtigten Aerzte „nach 
Mein JMxHüffen" zu verwenden und dieselben nach Bedarf den 
Merathungen über SanitätSangelegenheiten beizuziehen. Diese 
Bestimmung ist jetzt nothwendig, denn die Regierung kann ohne 
technische Organe die Medicinalpolizei nicht handhaben. 
Die Mehrheit der Mitglieder der Gesetzkommission nahm 
diesen s deS Entwurfs an; die Minderheit (Dr. Schlegel und 
Landrichter Keßler) stimmte dagegen, weil ständige Sanitatsor- 
gane zur richtigen Handhabung der SanitättPolizei nothwen 
dig leim. 
§ 3 und 4 deS Entwurfs enthalten die nähern Bestim 
mungen über Legilimirung und Beeidigung der Medicinal- 
Personen. 
Der § 5 des Entwurfs bestimmt, daß jeder Arzt, welcher 
sich in Liechtenstein niederlassen und die Praxis an Menschen 
oder Thieren ausüben will, bei der Regierung über seine Stu- 
dien und besondere Prüfung sich auszuweisen habe. Die Dok- 
toren der Medizin müssen ein Diplom über den an einer 
österr. Univeisität erworbenen Grad eintö Doktors der Median 
und Chirurgie und die Thierärzte ein Befähigungszeugniß von 
einer öffentlichen Veterinär-Anstalt vorweisen. 
8 6, 7 und 8 des Entwurfs bestimmen die Obliegenheiten 
der Medicinalpersonen. 
§ 9 bis iuci. 18 des Entwurfs enthalten die Bestimmun- 
gen über das Hebammenwesen. 
§ 19 bis üicl. 25 des Entwurfs enthalten die Bestim 
mungen über die Schutzpockenimpfung. 
Nack § 20 deS Entwurfs hat jeder Landesbewohner das 
Recht, sich und feine Angehörigen, von einem beliebigen Arzte 
impfen zu lassen, jedoch muß dieser zur Ausübung der Praxis 
berechtigt und in Liechtenstein wohnhaft fein. Wer sich nicht 
über von einem Arzte gehörig vollzogene Impfung oder darü- 
der auszuweisen vermag, daß er die wahren Blattern gehabt 
habe, Hut sich der öffentlichen Schutzpockenimpfung zu unter- 
ziehen, deren Vornahme die Regierung alljährlich einem hier- 
lanos ansässigen Arzte überläßt.' 
Die § 26 bis mcl. 29 enthalten zweckmäßige Bestimmung 
gen über ärztliche Behandlung und Pflege kranker. Armen 
versteht es, die Leute zu quälen, Signor Vertua! Ich sage Euch, 
nicht hundert — nicht fünfzig — nicht zwanzig — nicht einen 
einzigen Louisd'or erhaltet Ihr von mir. Rasend müßt' ich sein, 
Euch nur im Mindesten Vorschub zu leisten, damit Ihr Euer 
schändliches Gewerbe wieder von Neuem beginnen könntet. Das 
Schicksal hat Euch niedergetreten in den Staub, wie einen giftigen 
Wurm, und es wäre ruchlos, Euch wieder empor zu richten. 
Geht hin und verderbt, wie Ihr es verdient!" 
Beide Hände vor's Gesicht gedrückt, sank mit einem dumpfen 
Seufzer Vertua zusammen. Der Chevalier befahl dem Bedienten, 
die Casette in den Wagen hinab zu bringen, und rief dann mit 
starker Stimme: „Wann übergebt Ihr mir Euer Haus, Euere 
Effekten, Signor Vertua?" 
' Da raffte sich Vertua auf vom Boden und sprach mit star- 
ker Stimme: „Jetzt gleich — in diesem Augenblick, Chevalier, 
kommt mit mir!" 
„Gut," erwiderte der Chevalier, „Ihr könnt mit mir fahren 
nach Euerem Hause, das Ihr dann am Morgen auf immer ver- 
lassen wöget." 
Den ganzen Weg über sprach keiner, weder Vertua, noch der 
Chevalier, ein einziges Wort. — Vor dem Hause in der Straße 
§ 30 bis incl. 40 des Entwurfs handelt von der Tobten- 
beschau und den Friedhöfen. 
§ 4t bis incl. 45 des Entwurfs enthalten die Bestimmun- 
gen über die WaseiipläHe. 
8 47 bis incl. 49 des Entw. normiren den Gebührende« 
zug der Sanitätsorgane. 
Endlich wird der Regierungsantrag zur Annahme empfohlen. 
In veterinärpolizeilichen und gerichtl. Fällen haben sich die 
Behörden des der Zeit angestellten Landesthierarztes als Sach- 
verständigen zu bedienen, welcher für seine Mühewaltung ein 
Wartgeld von jährlichen 200 fl. aus der Landeskasse bezieht, 
wogegen aber auf ihn die Bestimmungen des MedizinalgesetzeS 
über die Gebühren außer Anwendung bleiben. 
Die Gesetzkommission stellt den mit Stimmenmehrheit ge- 
faßten Schlußantrag.- Dem Gesetzentwurf über das Sanitäts- 
Wesen die Zustimmung zu ertheilen. 
Vaduz, den 16. Juli 1872. 
Die Gesetzkommission. 
Vaduz, 17. Febr. Bezüglich der Konstanzer Lehnchwe- 
stern geht seit einigen Tagen das Gerücht durch das Land, 
als ob in Vaduz eine Petition vorbereitet würde, in welcher 
Se. Durchlaucht angegangen werden soll, das der Ordensge- 
sellschaft bereits gewährte Asyl nicht in Gillenberg, sondern im 
Schlosse zu Vaduz anzubieten. Sicherem Vernehmen nach hat 
dieses Gerücht keinen Grund, vielmehr befürchten die Vaduzer, 
daß Klostereinsamkeit und geräuschvolles Leben einer Wirth- 
schaft im Schlosse in Vaduz für die Damr nicht neben ein- 
ander bestehen können und dadurch der alte volkstümlichste 
Gesellsckaftsort von Liechtenstein den Fremdlingen zum Opfer 
fallen müsse. ' 
Vaduz, 13. cbr. (Eingesandt.) Aus dem Schulleben. 
Am 15. d. Mts hielten die Lehrer des benachbarten Bezirkes 
Wertenberg zu Vaduz eine ihrer gemeinsamen Konferenzen, 
wozu sie auch die Lehrer Liechtensteins einluden. Die beider 
seitige Betheiligung war eine zahlreiche; auch aus Vorarlberg 
hatte sich ein Teilnehmer eingesunden. Nach beendeter Wahl 
des Bureaus, einigen Begrüßungsworten des Vorsitzenden, 
Oberlehrer Hinger in Vaduz an die Schweizer Kollegen, Ver- 
lesung und Genehmigung des Protokolls der vorausgegangenen 
Konferenz wurde über das auf die Tagesordnung gesetzte Thema 
verhandelt, lautend: „Zst unsere Volksschule praktisch und volkS- 
thümlich genug, wenn nicht, wie kann der Mangel gehoben 
werden?" Heir Lehrer Keller von Weile (Oberschaan), ge- 
wählter Referent, verlas über beregte Frage ein sehr umsang- 
reiches, wohldurchdachtes, gründliches, ausgezeichnet stylisirteS 
Referat, in welchem der Gegenstand allseitig beleuchtet, die qro- 
St. Honore angekommen, zog Vertua die Schelle. Ein altes 
Mütterchen öffnete und rief, als sie Vertua gewahrte: „O Hei- 
land der Welt, seid Ihr endlich da, Signor Vertua? Halb todt 
hat Angela sich geängstiget Eurethalben!" 
„Schweige," erwiderte Vertua, „gebe der Himmel, daß An- 
gela die unglückliche Glocke nicht gehört hat! Sie soll nicht 
wissen, daß ich gekommen bin." 
Und damit nahm er der ganz versteinerten Alten den Leuchter 
mit den brennenden Kerzen aus der Hand und leuchtete dem 
Chevalier vorauf in's Zimmer. 
„Ich bin," sprach Vertua, „auf Alles gefaßt. Ihr haßt, 
Ihr verachtet mich, Chevalier! Ihr verderbt mich, Euch und 
Andern zur Lust, aber Ihr kennt mich nicht. Vernehmt denn, 
daß ich ehemals ein Spieler war wie Ihr, daß mir das launen- 
hafte Glück eben so günstig war als Euch, daß ich halb Europa 
durchreiste, überall verweilte, wo hohes Spiel, die Hoffnung 
großen Gewinnstes mich anlockte, daß sich das Geld in meiner 
Bank unaufhörlich häufte, wie in der Eurigen. Ich hatte ein 
schönes, treues Weib, die ich vernachlässigte, die elend war mit- 
ten im glänzendsten Reichthnm. Da begab es sich, daß, als ich 
einmal in Genua meine Bank aufgeschlagen, ein junger Römer
        

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