Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/194/
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keine Gefahr droht. DaS Schlimmste, was eS zu befürchten 
hat, ist, daß die amerikanische Regierung der spanischen bei 
Abschaffung ber Sklaverei auf Euba behilflich sein werde und 
daß der spanische Stolz der Regierung Castelars diese De- 
müthigung verübeln könnte. Die weitere Vermuthung, daß 
Amerika die Znsel Euba an sich ziehen werde, ist eben nur 
Vermuthung 
Asten. Die drohende Hungersnotb in Indien enthüllt 
sich immer furchtbarer. Man hatte bisher für 20—30 Mil> 
lionen Menschen gefürchtet; nun stellt sich heraus, daß 60 Mil- 
lionen bedroht sind, d. h. etwa 40,000 Tonnen Reis werden 
täglich zu beschaffen und zu vertheilen sem. 
Verschiedenes. 
* Die GeldkrisiS dauert in allen Theilen der Vereinigten 
Staaten von Nordamerika fort unv aus allen Theilen der 
Union lausen Berichte über große Bankerotte von Fabrikanten, 
Handelshäusern und Banken ein. Auch die bedeutendsten Eisen- 
bahngesellschaften sind wegen Geldmangels in der Klemme und 
sehen sich genöthigt, Hunderte von Arbeitern zu entlassen, was 
unfehlbar zu großem Elend führen muß, da die Arbeiter wegen 
der höhen Preise der Lebensbedürfnisse sich trotz deS großen 
Lohnes wenig ersparen konnten. Die StrikeS (Arbeitseinstel 
lungen) haben ein Ende und der Arbeiter ist jetzt froh, wenn 
er nur die halbe Woche Beschäftigung hat, und eS ist deshalb 
den Auswanderungslustigen» die sich nicht mit Ackerbau be- 
schäftigen können oder wollen, sehr zu rathen, zu Hause zu 
bleiben, wenn sie sich nicht in'S Elend stürzen wollen. Die 
Ursache dieser Mißstände ist hier wie anderwärts in verjünge- 
zügelten SpekulationSwuth zu suchen, in dem Wstreben, ohne 
ehrliche, anstrengende Arbeit schnell sich zu bereichern durch 
Börsenspiel und schwindelhafte Gründungen. Das amerikanische 
Volk erkennt aber bereits den Grund deS UebelS und rückt 
ihm zu Leibe. Die Ueberzeugung hat sich Bahn gebrochen, 
daß nur durch die Rückkehr zur Ehrlichkeit wieder bessere Zu- 
stände geschaffen werden können. 
* 3n München ist die Cholera wieder bösartiger aufge- 
treten und der Grund dieser traurigen Erscheinung liegt zweifellos 
und in vielen Fällen nachgewiesen im Genuß schlechter und 
Verfälscher Lebensmittel, besonders auch schlechten BierS. Die 
Polizei und der Magistrat hatten im Herbste die dankenSwerthe 
Einrichtung getroffen, daß die Namen jener Gewerbtreibenden 
und Wirthe, welche verdorbene Lebensmittel verkauften, öffentlich 
bekannt gegeben wurden. Es soll diese Maßregel nun wieder 
gehandhabt werden; nur wäre zu wünschen, daß gegen solche 
gewissenlose Wirthe und Geschäftsleute, vie mit dem Leben und 
Familienwobl der Nebenmenschen auS Gewinnsucht solch frevleS 
Spiel treiben, auch noch anderweitig mit aller Strenge einge- 
schritten würve. 
* DaS Chloroform scheint dennoch nicht ganz unge- 
fährlich zu sein, wenn auch seine Freunde eö vielfach mit guten 
Gründen in Schutz nehmen. ES kann viele und große Schmer- 
zen, z. B bei Operationen ersparen und erleichtert das Operiren 
dadurch sehr, daß die Operanden sich ruhig verhalten. Hin- 
Wieder begünstigt eS z. B. das Einrichten von GelenkSauS- 
renkungen sehr, indem eS den Einzurichtenden in einen Schlaf 
versetzt, in welchem die MuSkelspannung nachläßt und eine 
Schlaffheit der Theile eintritt, welche dem Chirurgen seine Ar- 
beit erleichtert. Zur Seltenheit einmal kann allerdings Jemand 
schon auch zu viel Chloroform bekommen. Hievon ein Beispiel. 
Eine Dame in Lille (Frankreich) hatte einen faulen Zahn und 
erklärte, die Schmerzen nicht länger ertragen zu können. Herr 
Caron, ihr Gemahl, führte sie zu einem Zahnarzte, der sie vor 
seinen Äugen chloroformirte. Sie schlief rasch ein, um nicht 
wieder zu erwachen. Daö Gericht in Lille verurtheilte den Zahn- 
arzt zu einem Monat Gesängniß und Fr. 500 Buße wegen 
Tödtung auS Unvorsichtigkeit. Der Apellhos strich die Gefäng- 
nißstrafe. Herr Caron, obfchon er durch seine Anwesenheit die 
Verwendung deS Chloroforms bei seiner Frau, welche schon 
öfter ohne Nachtheil chloroformirt worden war, gebilligt hatte, 
glaubte auf diese richterlichen Beschlüsse hin sowohl für sich 
als seinen minderjährigen Sohn Schadenersatz fordern zu können 
und bezifferte denselben mit Fr. 20,000. Das Gericht zog in 
Erwägung , daß sowohl das Gericht in Lille als der Apellhof 
in Douai in der Sache eine Todtung aus Fahrlässigkeit zu 
Lasten des Zahnarztes erkannt haben, und verurtheilte diesen 
zu einem Schadenersatze von Fr. 4000, nämlich Fr. 1000 für 
Hrn. Caron und Fr. 3000 in Staatsrentenscheinen, um dem 
Sohne Caron ausgezahlt zu werden, sobald er volljährig ist. 
* Die Getreidepreise sind nicht wieder eigentlich in die 
Höhe gegangen; in England kein Aufschlag; in Frankreich an 
mehr Märkten Abschlag als Aufschlag; in Berlin Neigung zum 
Sinken, in Wien und Pesth mattes Geschäft (Türkenkorn ge- 
stiegen); in Schwaben eher Ab- als Aufschlag. 
In allen Häfen der Union sei Vorrath an Kaffee. (Wie 
wird aber die Milch aufgestellt, wenn alle Häfen mit Kaffee 
versetzt sind?) 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Die 
Färberei und Druckerei 
von 
Christian Beusch in Buchs 
empfiehlt sich im Färben und Drucken aller Arten seidener, 
wollene? und baumwollener Stoffe, als: Kleider, Tücher, Bän- 
der, Möbelstoffe, Gardinen, Plüsche u. s. w. in Seide, Wolle 
oder gemischtem Stoffe. Dieselben werden so haltbar als mög- 
lich gefärbt und schnellstens besorgt. Herrenkleider, Röcke, 
Hosen, GiletS ;c werden unzertrennt entweder gewaschen oder 
gefärbt. 21 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 5. Dez. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
fl. fr. 
fl kr. 
geringe 
st. kr 
Korn 
4 
50 
4 
40 
4 
30 
Roggen .... 
3 
50 
3 
40 
3 
30 
Gerste 
2 
90 
2 
80 
2 
70 
Türken .... 
3 
■— 
2 
90 
2 
80 
Hafer 
1 
80 
1 
70 
1 
60 
Thermometerstand nach Reaumur in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
MilragS 
12 Uhr 
AbendS 
6 Uhr 
Witterung. 
Dez. 
3 
— 4 3 /4 
- 1V 4 
- 2% 
hell. 
« 
n 
4 
2 
0 
- l'/4 
trüb; Nebel. 
if 
5. 
- l 3 /4 
— 1 
- 1% 
n n 
» 
6. 
- 
- % 
— 2 
halbhell;Abd.Sch 
V 
7. 
0 
+ '% 
- 2% 
hell. 
n 
8. 
— 6 
—■ 3 
- 4% 
V 
H 
9. 
— 7 
— 3 
- 3% 
n 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
10. Dezember 100 fl. Silber 108.75 
20-Franken stücke 9.10 
Druck von Heinrich Graff in Feldtirch.
        

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