Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/193/
— 187 — 
ließ, verbrachte er seine Zeit mit Gesang und Saitenspiel, oft 
auch mit Schachspiel und Trinkgelagen. 
Mit der Entwicklung des Ritterthums steht der Ursprung 
der Wappen im Zusammenhang. Wappen im eigentlichen 
Sinne gab es vor dem 11. Jahrhundert nicht. Hatte auch 
schon früher dieser oder jener Krieger besondere Zeichen auf 
seinem Schilde angebracht, so wurden solche Zeichen an der 
Waffenrüstung doch erst im 11. Jahrhundert allgemein und 
zugleich Erbgut einer Familie. Die gleichförmige Rüstung, 
welche den ganzen Mann verhüllte, machte Unterscheidungs- 
zeichen nölbig. Diese wurden auf dem Schilde und Helme an- 
gebracht. Die Zeichen des Vaters gingen auf den Sohn über 
So entstanden die Wappen eines Geschlechtes. Die ursprünq- 
lichen Bestandtheile des Wappens sind also Farbe und Bild 
deS Schildes und der Schmuck des Helmes Die Bilder be- 
ziehen sich oft auf ein Ereigniß im Leben des Stammvaters, 
oft auf den Namen deS Geschlechtes und oft sind sie dem Wap- 
Pen des Lehenherrn als Zeichen der Abhängigkeit entnommen. 
Später verwendete man diese Wappenzeichen als Siegel; früher 
trugen die letztern, die übrigens viel frühern Ursprungs sind 
als die Wappen, stets das Bild deS Sieglers und eine In- 
schrift, aber keine sonstigen Zeichen. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Der deutsche Bundesrath hat beschlossen, 
daß sämmtliche vor dem 4 Dezember 1871 geprägten Gold 
münzen vom 1. April 1874 an außer CourS gesetzt werden 
sollen. — Das preußische Abgeordnetenhaus nahm in erster 
und zweiter Berathung den Antrag betreffend die Aufhebung 
de» Zeitungsteuer mit 359 gegen 6 Stimmen an. 
Der „Köln. Ztg." wird von Berlin geschrieben, daß zwi- 
schen dem Feldmarschall Manteuffel und dem General von der 
Gröben ein Pistolenduell stattgefunden habe, wobei letzterer im 
Unterleib schwer verwundet sei. Die Ursache waren persönliche 
Zerwürfnisse, welche bereits im deutsch-französischen Krieg aus- 
gebrochen waren und auch später noch durch Zeitungspolemik 
einen scharfen Charakter angenommen hatten Diese Angele- 
genheit mache peinliches Aufsehen und habe den Kaiser unan- 
genehm berührt. 
Der Herzog Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin ist aus 
dem preußischen Militärdienst ausgeschieden. Ein Stabsoffizier 
in Kassel begegnete dem Generallieutenant Herzog Wilhelm 
von Mecklenburg unter gewissen Umständen (wohl in besonderer 
Gesellschaft) in Anbetracht deren er eS nicht für angemessen 
hielt, den Herzog zu grüßen. Dieser machte ihm Vorwürfe, 
der Offizier erwiederte, er hätte geglaubt, Se Hoheit wünschte 
nicht erkannt zu werden. Herzog Wilhelm verlangte aber un- 
ter allen Umständen gegrüßt zu werden und schickte den Offizier 
„Vier Groschen!" schrie Kalmäuser 
„Bist du verrückt?" raunte ihm sein Freund bestürzt zu, 
während ringsum die ausgelassenste Lustigkeit tobte. 
„Vier Groschen sind geboten!" rief Herr Hillbrecht durch den 
Lärmen. „Vier. Groschen! — Bietet Niemand mehr? . . . 
Vier Groschen zum Ersten!. .. vier Groschen zum Zweiten! ... . 
Vier Groschen! .vier Groschen! vier Groschen!./'. Bietet Nie- 
wand mehr? . . . Vier Groschen zum Ersten! . . . vier Groschen 
zum Zweiten! . . . vier Groschen zum ..." 
Kunstpause. — Niemand bot mehr. 
Der Hammer fiel. 
„Bums, da hast Du den Mops! flüsterte Bucephal entsetzt. 
„Wem gehört das herrliche Thier? fragte der Auktionator. 
„Mir!" schrie Kalmäuser, sein Viergroschenstück hinwerfend 
und den Mops in Empfang nehmend. 
Unter anhaltendem Gelächter'und ironischen Gratulationen 
verließen die Freunde das Lokal. 
Unglücksmensch! was willst Du mit der Bestie?" fragte Bu 
cephal, als sie auf der Gasse waren. 
in Arrest. Der Offizier wandte sich an den' kommandirenden 
General v. Bose. 
Dieser, ein tüchtiger Militär, der nicht fackelt, entließ den 
Offizier und schickte Herzog Wilhelm in Arrest. 
Der Herzog reiste darauf plötzlich nach Berlin und ver- 
ursachte hier Weiterungen, durch die General v. Bose sich ver- 
letzt fühlte. Da aber Herzog Wilhelm eine Persönlichkeit ist, 
die für die Armee leichter entbehrt werden kann, als General 
v. Bose, so ist Se. Hoheit, „auf dessen Ansuchen", entlassen 
worden. 
Mit den „schönen Reitergefechten" deS Herzogs ist'S also 
vorbei. 
In Oesterreich sind die Festtage des Kaiserjubiläums vor- 
bei und haben ein großartiges Zeugniß abgelegt für die Sym- 
pathien, mit welchen das österr Volk an seinem Kaiser hängt. 
Ein Korrespondent der A. Allg Ztg. schreibt auS Wien: „Ein 
solches Fest und so gefeiert, wie wir eS gestern und heute ge- 
sehen, spottet jeder Beschreibung. Man kann die Menschen- 
»nassen, die den Kaiser bei seiner Umfahrt durch Wien umdräng- 
ten, und man kann die Flammen zählen, die Tageshelle auf 
seinen Weg warfen, die Fahnen, die zu Tausenden hernieder- 
rauschten, und das Laub und die Blumen, die ihren würzigen 
Duft in die kalte Dezembernacht aushauchten; nicht aber die 
jubelnde, die stolze Begeisterung malen, die jeder Mund und 
jedes Auge sprühte, nicht die Segenswünsche, die, duftender als 
Laub und Blumen, leuchtender als alle Kerzen, ein ganzes Volk 
in Treue und Dankbarkeit dkm Monarchen entgegentrug. 
Wahrlich, solche Tage mögen ihn manche berbe und bittere 
Täuschung und Prüfung vergessen machen, und ihm die Bürg- 
schast bieten, daß, ob auch die Zeit der ernsten und schweren 
Arbeit noch nicht vorüber, am Ende dieser Arbeit das Glück 
des Volkes und die Macht des Reiches liegt." 
Frankreich. Am 3. Dezember verlas der Regierungs- 
kommissär Pourcet bei gedrängt vollen Tribünen seine Anklage- 
schrift gegen B a z a i n e. Sämmtliche Anklagepunkte deS Unter- 
suchungsrichterö General Riviere werden von ihm aufrecht ge- 
halten und er stellt den Antrag auf Verurteilung deS Mar 
schalls zum Tode, wegen der Kapitulation von Metz und der 
Uebergabe seiner Armee in offenem Felde an den-Feind. 
Die Mehrheit der französischen Nationalversammlung, welche 
am 19. November die siebenjährige Diktatur beschlossen hat, 
ist nicht mehr, weil die äußerste Rechte sich mit der RegierungS- 
partei überworfen hat und gegenwärtig mit der äußersten Linken 
stimmt. 
Amerika. Die Präsidentenbotschaft Grants, welche am 
2. d. im Kongreß der Vereinigten Staaten verlesen 
wurde, äußert sich über den Konflikt mit Spanien wegen Euba 
in einer sehr ruhigen Weise, so daß Spanien von dieser Seite 
„Laß die Narren drinnen lachen!" versetzte Kalmäuser ver« 
ächtlich. „Der Weise lacht zuletzt. — Ich sage Dir, Bucephal, 
als der Mops ausgerufen wurde, durchblitzte mich gleich eine 
herrliche Idee. Nicht umsonst habe ich ein Semester bei einem 
Thierausstopfer gewohnt und gesehen, daß er Vögel und andere 
Bälge mit Tabak ausstopfte. Dieser Mops enthält sicherlich vier 
bis fünf Pfund Tabak. ' Da habe ich also, wie mir scheint, 
ein sehr hübsches Quantum für einen sehr billigen Preis ge- 
kaust." 
„Aber wenn er nun Seegras enthielte?" versetzte Bucephal 
skeptisch. 
„Ich hoffe nicht, daß das liebe Vieh mir diesen Tort an- 
thun wird," sprachKalmäuser, zärtlich den Mops streichelnd. „Es 
wäre zu pechiös! Wenn es aber doch nicht anders sein kann, 
so ergebe ich mich in das unerbittliche Schicksal und rauche See- 
gras." — 
(Fortsetzung folgt.) 
        

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