Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/192/
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anhäufungen hervorgerufen — eintreten, wie ehemals bei Vaduz 
und Schaan. Mit Halbheiten wird man hier für die Dauer 
nicht durchgreifen. Die Gemeinde wird sich daher mehr beeilen 
und sich noch größere Opfer gefallen lassen müssen, wenn 
ste nicht beständig der drohenden Gefahr in'6 Auge schauen 
oder gar unterliegen will. Möchte diese wohlmeinende Mah 
nung bei den in Gefahr erhärteten Bürgern Ruggels endlich 
einmal und ehe es zu spät ist, Eingang finden. 
Aus dem Gesagten erhellt dem mit den örtlichen Verhüll- 
nissen Vertrauten, daß die an die sieben Wuhrgemeinden ge- 
stellte Aufgabe pro 1873/74 wieder eine saure — ja für Ein 
zelne fast unmögliche — Arbeit werden wird. Da aber die 
Vollendung dieses schon weit vorgeschrittenen Korrektionswerkes 
keine Verzögerung gestattet, so möchte die Erörterung der 
Frage in einigen Gemeinden zeitgemäß sein, ob eine Erleich- 
terung der Tragung der Rheinlasten für die jetzt lebende über- 
angestrengte Generation nicht dadurch herbeigeführt werden 
könnte, wenn daS erforderliche Baukapital wohl in 3—4 Jahren 
aufgebracht und damit die Korrektion in der Hauptsache vollen- 
det, die Abzahlung des erforderlichen Betrages aber in 10—20 
JahreSterminen planmäßig geleistet würde. Ii. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
16. Die Stände im Mittelalter. 
b) Der Adel. 
Dieser Stand findet sich in allen zivilisirten monarchischen 
Ländern. Seinen Ursprung verdankt er ausgezeichneter Tapfer- 
keit im Kriege, durch welche ein Mann nicht nur ein höheres 
Ansehen bei seinem Volke, sondern auch größeren Antheil an 
dem eroberten Lande erhielt. Mit der Vererbung des Grund- 
tjückeS vererbte sich dann auch die angesehene Stellung, wie 
nicht selten die persönlichen Vorzüge deS Ahnen. 
Man unterschied einen höhern und niedern Adel. Zum 
letzteren gehörten die Besitzer der einzelnen Frohn- oder Herren- 
Höfe. Ein solcher Hof, auf dem sich der Herr "feine Burg 
erbaute, bildete eine Art selbstständiger Herrschaft. Der Herr 
war nicht nur Eigenthümer des HofeS, sondern auch Inhaber 
der Gerichtsbarkeit über alle dazu gehörigen Leute. Oft besaß 
ein Herr mehrere Höfe oder auch einzelne Güter außer seinem 
Hofe. Dann bildete daS Gefammtbesitzthum eine.Herrschaft. 
Die Höfe außer dem Sitze deS Herrn wurden von Beamten 
(Mayer) verwaltet Oft besaßen im gleichen Orte verschiedene 
Herren Höfe, Eigenleute k. 
Zum höhern Adel gehörten die Grafen und Herzoge. Sie 
trugen ihr Amt und den größten Theil ihrer Besitzungen vom 
Kaiser au Lehen. Früher waren diese Lehen nicht erblich, 
„Gott bewahre! Ich laufe umher um Geld zu finden." 
„Wie lange bist Du schon unterwegs?" 
„Drei Tage." 
„Ich bin seit acht Tagen auf der Jagd nach einem preußi 
schen Thaler, aber heute Morgen erst war ich so glücklich, in 
einer Ecke meines Pultschubfachs ein Viergroschenstück zu finden. 
Die Zeiten sind wahrlich pechlös!" 
Bucephal nickte fchwermüthig. 
„Was ist drinnen los?" fragte er auf die offenstehende Haus- 
thüre des Hauses Nr. 93 deutend, aus der vernehmlich der Auk- 
tivnslärm hervordrang. 
„Auktion wie es scheint," entgegnete Kalmäuser. „Wollen 
wir eintreten und uns laben am Thalerklang?" 
„Vielleicht wäre da mit irgend einem Wucherer ein Geschäft 
zu machen auf Termin", meinte Bucephal hoffnungsvoll. 
„Möglicher Weise wird da billig Tabak verkauft zu vier Gro 
schen das Pfund!" rief Kalmäuser. „Das käme mir gerade 
recht! Komm' schnell! Versäumen wir nicht die kostbare Gele- 
genheit!" — 
giengen aber doch meistens auf die Nachkommen über. Die 
Erblichkeit der Reichslehen wurde erst von Kaiser Konrad II. 
1037 ausgesprochen. Von da an nannten sich die Grafen 
und Herzoge von ihren Lehen. Ihrem Beispiele folgten auch 
die kleineren Herren, indem sie die Namen ihrer Herrschaften 
annahmen. Früher nannten sie nur ihren Taufnamen. 
Darum läßt sich auch nur selten der Stammbaum eines Ge- 
schlechtes über das 11. Jahrhundert zurückführen. Die Erb- 
lichkeit der Lehen hatte die weitere Folge, daß ein Geschlecht 
viele Güter in einer Hand vereinigen konnte. Darum schwin- 
gen sich von nun an manche edle Geschlechter zu Dynasten 
von einflußreicher Gewalt empor. 
Eine Veränderung im Adelswesen trat durch die Bedeutung 
ein, welche die Neiterel im Kriegsdienste erhielt. Besonders seit 
den Ungarkriegen unter Kaiser Heinrich I. (918—936) nahm 
der Werth des Fußvolkes ab, dagegen der des Reiters zu. Da- 
durch bildete sich das Ritlerthum. Jeder Edle mußte nun den 
Ritterdienst erlernen und alle ritterfähigen Männer vom Kaiser 
bis zum letzten freien Krieger zu Roß bildeten den edeln Stand 
der Ritterschaft. Dieser war zwar erblich, wie der Adel, seine 
Würde mußte aber dennoch besonders übertragen werden, was 
durch den Ritterschlag geschah. Abstammung von freiem Ge- 
schlechte, eheliche Geburt und Uebung im Ritterdienste waren 
die unerläßlichen Bedingungen, den Ritterschlag zu erhalten. 
Die Ertheilung der Ritterwürde war mit einer religiösen Cere- 
monte verbunden, bei welcher der Kandidat versprechen mußte, 
seine Waffen zum Schutze der unterdrückten Wittwen und 
Waisen und zut Verteidigung des Glaubens, nie aber für 
ungerechte Kriege zu gebrauchen. Ueberhaupt übernahm er ihre 
ritterlichen Pflichten: Großmuth, Reinheit von niederer Gesin- 
nung uud Handlung, Treue gegen den Lehenherren und (seit 
den Kreuzzügen) Kampf gegen die Ungläubigen. Seinen Ruhm 
setzte er von nun an darin, die Gepflogenheiten des Ritter- 
thumS zu beachten und die Ritterehre zu bewahren Kamerad- 
schalt verband ihn nun mit allen europäischen Rittern und 
sicherte ihm überall staudesgemäße Behandlung. 
Jeder Freie konnte sich durch Tapferkeit zur Ritterwürde 
emporschwingen. Ritter ohne Herrschaften bildeten die unterste 
Stufe deS AdelS. Meistens erhielt aber derjenige, welcher 
Ritter wurde, auch ein kaiserliches oder sonstiges herrschaftliches 
Leden. So konnten Freie Stammväter einer Adelsfamilie wer- 
den. Jagd und Krieg bildeten die Hauptbeschäftigungen der 
Ritter und des Adels und man zählte daher zu ihren Standes- 
Lügenden: Reiten, Schießen, Schwimmen, Ringen, Beizen 
und Jagen. Um Gelegenheit zu geben, die kriegerischen Fertig- 
keiten zeigen zu können, wurden öffentliche Wettkampfe und 
Waffenübungen (Turniere) veranstaltet, bei denen oft Hunderte 
von Rittern erschienen. Wenn der Ritter seine Waffen ruhen 
Die Freunde traten in das Haus und gelangten bald in den 
Auktionssaal, in welchem ein großes Gewühl war. Sie dräng- 
ten sich durch bis an den Tisch, wo gerade vor dem erhöhten 
Sitz des Auktionators ein sonderbarer Gegenstand zur Schau aus- 
gestellt war, der eine große Heiterkeit hervorzurufen schien unter 
dem versammelten Publikum. Bevor noch die beiden jungen Medi- 
ziuer genau sehen konnten, worum es sich eigentlich handelte, 
schrie die heisere Stimme des Auktionators: „Ein a u s g e st o p f- 
t e r Mops! Wer bietet?" 
Allgemeines Gelächter. Niemand schien Lust zu haben, auf 
den merkwürdigen Kunst- und Naturgegenstand zu bieten. Herr 
Hillbrecht, der Auktionator, sah ein, daß er ein Uebriges thun müsse. 
„Wer bietet? wer bietet? wer bietet?" rief er. „Ein Herr- 
licher Mops, meine Herrschaften, ein süperber Schmuck für jeden 
Salon! Es ist bekannt wie viel die selige Verstorbene von dem 
gleichfalls seligen Mops gehalten har! Wer erinnert sich nickt, 
ihn gesehen zu haben, als er noch vor einem halben Jahre, mit 
einem blauseidenen Jäckchen angethan, in der Hausthüre dieses 
Hauses saß? Ein herrlicher Mops! Wer bietet?"
        

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