Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/190/
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Frau oder dem Frauenverein, welche dahin wirken, daß eine 
kleidsame, einfache Tracht Mode werde, die nicht alle 4 W o- 
chen wechselt; das wahrhaft Schöne in Natur und Kunst 
ist stets einfach. 
Auf diesem Felde sind noch Lorbeeren zu erobern"; also 
frisch an's Werk! 
* An der Ostküste Afrikas bei Port Natal hat man jüngst 
in den Zweigen eines BaumeS eine formlose Masse ^entdeckt, 
die sich bei näherer Untersuchung als die Ueberreste eines von 
Paris während der Belagerung abgegangenen Ballons 
herausstellte. Die in demselben enthaltenen Depeschen waren 
noch, aber in unleserlichem Zustande vorhanden. 
* In Illinois (einem Staate in Nordamerika) entgleiste 
vor einiger Zeit ein Eisenbahnzug und zwei Mitreisende kamen 
dabei zu Schaden; der eine fand seinen Tod, der andere ver- 
lor ein Bein. Dieser sowohl, wie die Witlwe des ersteren 
klagten gegen die Eisenbahngesellschast auf Schadenersatz. Das 
Gericht sprach der Wittwe 5000, dem Einbeinigen 15,000 
Dollar zu. DaS war der Wittwe nicht recht, und sie fragte 
den Richter, weshalb denn ein Bein dreimal so viel werth tei, 
als ein ganzer Mann. Der Richter antwortete: „Die Sache 
ist ganz in der Ordnung. Der Mann, dem jetzt sein Bein 
fehlt, bekommt selbst für 15,Q1)0 Dollar kein neues wieder; 
aber eine Wittwe mit 5000 Dollar findet sehr leicht wieder 
einen Mann, der nicht nur so gut wie ne^ ist, sondern viel- 
leicht sogar noch besser als der andere." 
* Der Dampf, welcher rücksichtslos überall sich hindrängt, 
ist auf dem besten Wege, ein neues Gebiet für seine Dienst- 
leistungen zu erobern. Montag, den 24. November, in der 
Nacht ging die mit einem Dampf-Tr a mwagen in London 
angestellte Probefahrt vorzüglich von statten. Der einem ge- 
wohnlichen Tramwagen ähnliche, wenn auch etwas massenhaf- 
tere Dampswagen ist leicht lenkbar, die Paffagiere empfinden 
nichts voN dem Maschinengerassel, und was wichtiger, die 
Pferde scheuten nicht, da daS Dampffahrzeug weder Dampf 
entsendet noch irgend einen gellen Laut hören läßt. Die Pferde 
der vielen auS Neugier herbeigekommenen Droschkenkutjcher 
folgten ruhig dem neuen Wagen, der eine beinahe dreistündige 
Probe ablegte. Die Fahrkosten würden sich bei Annahme deö 
Dampfsystems um die Hälfte verringern. 
* Die Bestrebungen der Kasseler Frauen weisen schön Er- 
folge auf. Die Milchproduzenten wollen nicht mehr Dulden, 
daß -die Zwischenhändler ihnen gegenüber die Preise.ebenso 
heräbdrücken, wie sie. dieselben den Konsumenten (Verzchrern) 
gegenüber steigern. 
* 3» TexaS lebt vielleicht der größte Viehzüchter der 
Erde. Er heißt Samuel und hält 225,000 Stück Schlachtvieh 
und für dieselben 400 Hirten und Bedienstete. Er zieht jähr» 
lich 60,000 Kälber. Der Werth seines BieheS ohne die Län 
dereien übersteigt 5% Million. Er ist der Hauptlieferant für 
den Fleischmarkt in ReworleanS :c. 
* Uri Ein Telegramm der ^St. Gall Ztg." weldet aus 
Göfchenen vom 21. November: Gestern AbendS um 6 Uhr 
ist die Dynamit-Wärmehütte beim Gotthärd-Tunnel in die Luft 
geflogen. ES gab drei Todte und einige leicht Verwundete. 
Vorgestern ereignete sich der gleiche Fall zu Airolo, jedoch ohne 
Verlust von Menschenleben. 
* Die Saarbrückener Steinkohlen werden vom> 
1. Dezember an einen Aufschlag von 15 Fr. per Waggon k 
200 Zentner erleiden. Der Doppelzentner kostet demnach Fr. 
2 95, in den Jahren 1869 und 1870 bloS Fr. 1.25. In 
Folge dieser Vertheuerung befürchtet man, daß mancher Industrie- 
zweig eingestellt werden müsse. 
* Diesen Sommer war der Bodensee ungewöhnlich lang« 
gleich hoch geblieben, und die Wasserhöhe hielt bis Anfangs 
dieses MonatS an, was nur sehr selten der Fall ist. Die Folge 
davon war, daß im Früh-Herbste der größte Theil der so kost- 
baren Seeforellen in der Bregenzer Ach aufwärts ging, 
um dort zu laichen. Plötzlich nun fiel der See und die Laich- 
fische befanden sich in einem Kessel der Ach, der wegen deS 
niedrigen SeestandeS keinen Abfluß mehr hat; Auf dieser etwa 
4 bis 5 Stunden langen Strecke werden Hunderte von Zentnern 
dieser Forellen gefangen und, da die ganze Gegend durch die 
mit diesen Opanken Fischen hausirenden Leute überlaufen wird, 
um- 10 bis 20 kr. per Pfund ver schleudert. Wenn in den 
übrigen an Hey Bodensee angrenzenden Ländern so verfahre« 
würde, so müßte in einem Dezennium der Fischreichthum im 
Bodensee auf ein Minimum herabsinlen. Während Baden z. B. 
eine künstliche Fischzucht errichtet hat, um den Reichthum zu 
heben, scheint die österreichische Behörde im Bregenzer Walde 
dem eben gerügten Unfug zuzusehen. Da nun die Laichzeit 
bis Ende Dezember fortdauert, so könnte dem Uebelstande durch 
ein sofortiges Eingreifen nocv in diesem Jahre wirksam ge- 
steuert werden. Im Interesse derFischzucht wäre dieS dringend 
geboten. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. 
Kortlpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 28. Nov. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 
* 
kr. 
1 st 
kr. 
1 fl j 
kr 
Korn ... . . . 
4 
50 
1 4 
40 
1 4 
30 
Roggen . . . . 1 
1 3 
50 
I 3 
40 | 
3 
30 
Gerste I 
2 
90 
2 
80 
2 
; 70 
Türken . . . . 
[ 3 
— 
2 
90 
2 
80 
Hafer .... . | 
t t 
80 
1 
70 1 1 
60 
Thermometerstand nach Reaumur in Baduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
W itter ung. 
Roy. 
26 
-f- 3% 
+ 83/ 4 
+ 3^2 
hell. 
n 
27 
+ 3 
+ 5 . 
+ 4% 
fast bedeckt. 
• 
28. 
+ 3^ 
+ 3% 
-J- 6 
trüb; Reg. Wd. 
w 
29. 
+ 3% 
+ 5% 
+ 3% 
halb hell; Reg. 
* 
30 
-f- 4 
+ 6 
+ 3 
trüb; Reg. 
Dez. 
1 
+ 2 
+ 2 
+ 1 
trüb;Peg.i.dHSch 
« 
2. 
— 3 
+■% 
- 1% 
hell. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien« 
3. Dezember iOüfl. Silber . 
20-Frankenstücke 
108.30 
9.08 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch. 
\
        

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