Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/188/
von St. Gallen auf Einschreiten unserer Regierung schon 
Freitag den 2l! Nov. die Sperre wieder aufgehoben habe 
Politische Rundschau. 
Deutschland. In der Sitzung des deutschen Bundes- 
raths vom 25. d. wurde auf Antrag des Reichskanzlers die 
Auslösung des gegenwärtigen Reichstages beschlossen. Der Tag 
der Neuwahl, welchen daS Präsidium bestimmt, wird voraus- 
fichtlich in die zweite Woche veS Januar fallen. 
In der bairischen Kammer wurde der Antrag Herz- 
'Gerster, es möge die StaatSregierung aufgefordert werden beim 
deutschen BundeSrath auf Einführung von Reiseentschädigungen 
für die Reichsiagsmitglieder hinwirken, mit 66 gegen 64 Stimmen 
angenommen Auch in dieser Beziehung ist in Deutschland 
«eck viel Zopf/ Man betrachtet ein ReichStaqsmandat als 
eine Würde, die nicht obendrein der schnöden Bezahlung bedürfe, 
anstatt daß man einen Abgeordneten, der ein parlamentarischer 
Arbeiter ist, für seine Arbeit bezahlt, wie jeden anderen, und 
ihm auch die Kosten der für viele sehr weiten Reise vergütet. 
So kommt es, daß nur diejenigen ein Mandat annehmen 
können, welche Geld genug besitzen, während so mancher brauch- 
barere Mann aus Mangel an Mitteln seine Thätigkeit in dieser 
Richtung dem Lande nicht widmen kann. Die zahlreichen Ab- 
lehnungen von ReichStagSkandidaturen beweisen dies am besten 
Die „Nordd. Allg Ztg." ergänzt die Mittheilungen über 
die Vorfalle von Kartagena dahin: Der in Kartagena wieder 
funktionirende deutsche Konsul Spottorno war angewiesen die 
Beschwerden deutscher Reichsangehörigen wegen deS ihnen weg 
genommenen EigenthumS genau zu prüfen und vor der Junta 
zu vertreten. Die eingegangenen Forderungen beliefen sich auf 
100,000 FrcS. Auf die Meldung deS Konsuls von der Er- 
folgloßgkeit der Vo»stellungen bei der Junta sei die kaiserliche 
Gesandtschaft in Madrid ermächtiget worden zur Unterstützung 
ihrer Forderungen' daS deutsche Geschwader wiederum vor 
Kartagena zu beordern. Der Chef deS Geschwaders war an* 
gewiesen energische Maßregeln zur Durchführung dieser Auf- 
gäbe zu ergreifen. ES war anzunehmen, daß die kaiserliche 
Marine eine eventuelle Unterstützung'vorbereitete. DaS Ge- 
schwader traf am 25 November vor Kartagena ein, nachvem 
eS durch einen Orkan gezwungen worden nochmals ven Hafen 
von Malaga anzulaufen. Unmittelbar nach der Ankunft begann 
der Chef deS Geschwaders die energische Unterstützung der Re 
klamationen. Die weggenommenen deutschen Güter seien groß- 
tentbeils in natura schon 24 Stunden nach dem El scheinen 
deS Geschwaders an Bord deS „Friedrich Karl" gewesen: die 
gemeldete Entschädigung in Goldmünze bedürfe noch der Be- 
ftätigung. 
Kenntnisse verlangen kann, die znr Projektirung und Einleitung 
größerer Bauteil nothwendig sind. 
In -der Praxis wird sich die Sache nach und nach in sol- 
gender Weise machen: Einem mit derartigen Muten aus eigener 
Erfahrung vertrauten Ingenieur wird nmn die Projektirung der 
größeren Bauten (Thalsperren, Schalen, Stützmauern, Dämme:c.), 
die Ausführung der Zeichnuugen für diefelRn und die Anferti- 
gung der Kostenvorschläge übertragen. Ein Forstmann wird die 
Entwässerungsarbeiten, die Aufforstungen, die Bauten in den 
kleinern Bächen, die Arbeiten für die Bindung des Bodens, so- 
weit diese nicht mit größereu Bauten im Zusammenhange stehen, 
Projektiren und veranschlagen, wobej er sich mit dem Ingenieur 
in's Einvernehmen zu setzen hat. Die vereinigten Projekte werden 
dem Forstmann zur Ausführung übertragen, zu welchem Zwecke 
sachverständige Gehülfen ihm beigeordnet sind. Durch eine der- 
artige Kombination werden diejenigen Arbeiten, welche die meiste 
Zeit in Anspruch nehmen, in den Händen derjenigen Beamten 
vereinigt, in deren Wirkungskreis die Baustellen liegen rgrd denen 
am meisten am Gelingen sammLiicher Arbeiten liegen muß. Durch 
Oesterreich. Der Reichstag hat das Staat?hilfegesetz 
mit bedeutender Majorität angenommen und sich hierauf 
r für eine kurze Zeit vertagt. — Am 26. sind sämmtliche Land 
tage mit Ausnahme des dalmatinischen eröffnet worden. Da 
der Wiederzusammentritt des Reichstages in kurzem bevorsteht, 
wird die Dauer der LandtagSsession nur eine sehr kurze sein Im 
Vorarlberger Landtage wurde in der Eröffnungssitzung durch 
den k. k. Kommissär, Statthallereirath v. Schwerting, die Ent- 
Hebung des bisherigen Landeshauptmanns v. Froschauer von 
seinem Posten und die Ernennung des Advokaten Dr. Jussel 
an dessen Stelle verkündet. Sodann wurde ein Dringlichkeits- 
antrag „die würdige Begehung des KaiserjubiläumS" gestellt 
und einstimmig angenommen. 
Die Feier deS KaiserjubiläumS hat in Pest bereits begonnen : 
in Wien wird sie die Tage des 1. und 2. Dezember füllen. 
Die Glückwunsch-Deputationen sind so zahlreich, daß es kaum 
möglich sein wird sie alle einzeln zu empfangen. Die Belench- 
tung der Stadt, zu welcher die umfassendsten Vorbereitungen 
getroffen werden, findet am 5. Dezember statt; der Kaiser wird 
während derselben eine Rundfahrt durch die belebtesten Stadt- 
theile machen; auf allen öffentlichen Plätzen sind Mufikbanden 
aufgestellt. Am 2 Dezember ist überall Freitheater. Den 
Schluß der Feier bildet am 2 Dez. eine Gala-Soiree in den 
Redoutensälen, zu welcher auf besonderen Befehl des Kaisers 
der Bürgermeister von Wien nicht bloß mit den Mitgliedern 
der Glückwunschdeputation, sondern mit dem gesammten Ge- 
meinderath geladen wurde. 
Frankreich. Das „Journal offiziell" veröffentlicht die 
neue' Mlnisterliste. Broglier ist Minister des Znne.rn, DekazeS 
Minister deS Aeußern: alle andern Minister behalten ihre Porte- 
feuilleS mit Ausnahme von Beule, welcher allein zurücktritt. 
Baragnon ist UnterftaatSsekretär des Innern. Somit ist die 
Krisis, auf die Europa so lange gespannt war, augenblicklich 
beseitigt. Vorläufig kann man sich über den Verlauf der Dinge 
in Frankreich einer ruhigen Beschaulichkeit hingeben und der 
Zeichen harren, die da weiter folgen werden Und solche werden 
folgen, dafür bietet die Geschichte und der Charakter der Fran- 
zosen sichere Gewähr. 
Italien. Das italienische Parlament ist noch immer schwach 
besucht. D gibt eine Menge von Deputaten, welche ruhig zu 
Hause bleiben oder ihren sonstigen Geschäften nachgehen, anstatt 
ihre Sitze in der Kammer einzunehmen. Mit Recht tadeln da- 
her die Zeitungen diese Nachlässigkeit und Pflichtvergesseicheil, 
welche kein anderes Resultat haben kann, als die Auflösung 
der Kammer und Anordnung von Neuwahlen. 
DaS Expose des italienischen Finanzministers beziffert daS 
Defizit pro 1874 mit 130 Millionen und die außerordentlichen 
Ausgaben mit 118 Millionen, wovon 50 Millionen für den 
ein derartiges Zusammenwirken schützt man sich vor Mißgriffen, 
vermeldet unnöthige Kosten und fördert das Geschäft in wirk- 
samster Weise. 
Möge das Gefühl, daß tie Verbauuug der Wildbäche und 
die Aufforstung ihres Regengebietes zu den dringendsten und 
nothwend igsten Verbesserungsarbeiten im Hochge- 
birge gehören, recht bald das.Volk und die Behörden durchdringen 
und möge dann rüstig die Hand an's Werk gelegt werden. Die 
dazu nöthigen Mittel werden sich finden, sobald die Dringlichkeit 
und der Nutzen dieser Arbeiten allgemein anerkannt wird.
        

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