Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/186/
— 180 — 
Verschiedenes. 
* Wie ein Weib als Heldin ihre Pflicht erfüllt hat, er- 
zählen italienische Blätter in folgender Weise. Nachdem die 
Eisenbahn die Station von Riola zurückgelegt hat, gewinnt sie 
zwischen Bologna und Porretta wieder das Ufer des 
Rheins (eines kleinen Flusses dieses Namens in Italien) k. 
Wenn der Himmel lacht und Ihr da vorüber fahret, verehrliche 
Leser, und die schöne Aussicht genießet, so werfet einen Blick 
auf daS WärterhäuSchen Nr. 45. Darin lebt ein Wärter mit 
seinem Weibe und drei Kindern. Er hat den schönen Namen 
Lorenzo Alberti, doch er ist für ihn unnütz, denn man kennt 
ihn nur als Nr. 45. In dortiger Gegend entlud sich Abends 
ein schweres Gewitter und schwollen die Gewässer an und walz- 
len Bäume und Steine in ihren Wellen. Alberti, in der Be- 
sorgniß, die Rüfe zerstöre den Weg und hindere ihn daran, 
das Signal zu geben, schloß die Thüre und eilte den nächsten 
WärterhäuSchen zu. Die drei Kinder schliefen, die Mutter war 
in Unruhe und wachte, und da, wie sie wußte, eS nöthig war, 
den Schaden dem nächsten anfliegenden Zuge zu stgnalisiren, 
trat ihr die Gefahr der Lage vor die Seele. Sie nahm nicht 
die Zeit, sich anzukleiden, zündete die Laterne an, ergriff die 
Signalpetarden und stieg zum Fenster hinaus. Wie ein weißer 
Geist schritt sie zwischen leuchtenden Blitzen dahin und schwankte 
im Sturme. Die arme Rosa Alberti verlor, getroffen von 
einer steinigen Welle, Laterne und Petarden, raffte sich blutend 
wieder auf und setzte muthig den gefährlichen Weg fort, schritt 
über die bereits beschädigte Brücke, begegnete ihrem Manne, 
ließ ihn als Wache für den niedersteigenden Zug zurück und 
eilte auf der Poststraße bis zur Station von Riola, um dem 
Stationschef Kunde von der Zerstörung der Straße zu geben. 
Die Eisenbahnverwaltung hat dem braven Weibe Fr. 1000 
Belohnung zugesprochen und man zweifelt nicht daran, daß vie 
Regierung ihr die Medaille bürgerlicher Tugend ertheilen wird. 
* Die Frauen Kassels haben eine Vereinigung zur Erzwin 
gung billiger Marktpreise gebildet und erlassen einen Aufruf.an 
Deutschlands Frauen worin es heißt: 
„Es hat sich hier ein Verein von Frauen aller Stände 
gebildet, welche für die notwendigsten NahrungSbedürfnisse, 
als Milch, Eier, Butter ac. Zt.. mäßige, aber den Verhältnissen 
angemessene Preise festgesetzt und sich gelobt haben, nicht einen 
Pfennig über den bestimmten Satz zu zahlen, um durch kon- 
fequenteS, einträchtiges Vorfchreiten die Verkäufer zum Zurück- 
gehen zu zwingen. Obgleich der Verein erst einige Wochen 
besteht, hat er doch schon erfreuliche Resultate erzielt. Um 
aber, wahrhaft allgemein nützlich zu werden, müssen gleiche 
Bestrebungen in andern größern Städten mit den unsrigen 
Hand in Hand gehen; dazu rufen wir die Frauen jener Städte 
auf und bMiflfaC einen Uebelstand, der Alle gleich nahe an- 
geht und den häuslichen Frieden zu zerstören droht, mit uns 
muthig zu bekämpfen." 
Kassels Frauen haben Muth, und: „dem Muthigen ge- 
hört die Welt!" 
* Ein junger Mann von Sierenz kaufte sich unlängst 
einen neuen Revolver, an welchem, er großes Vergnügen zu 
haben schien, denn überall hin nahm er ihn mit, zeigte ihn in 
jeder Gesellschaft und suchte seinen Kameraden zu beweisen, wie 
er verstehe, mit demselben umzugehen. Kürzlich that er dies 
wieder in einer Wirthschaft, wo er seiner Gesellschaft die Un- 
gefährlichkeit deS Revolvers zu erklären suchte und behauptete, 
wenn die Sicherheitsvorrichtung vorgeschoben sei, könne man 
den Lauf in den Mund nehmen und losdrücken. Dies probirte 
er auch sofort, aber die Probe fiel schrecklich aus. Der Schuß 
ging trotz der Vorrichtung los und dem jungen Manne in den' 
Mund. Die verursachten Verletzungen sollen, obwohl sehr er- 
heblich, doch nicht lebensgefährlich sein. 
* D)er letzte Wille. liegt im Sterben und diktirt 
dem Notar seinen letzten Willen: „Nach meinem Tod soll 
mein ganzes Vermögen auf Zinsen gelegt werden." Notar: 
„Und dann?" L.: „Dann sollen die ZinseSzinsen wieder dazu 
geschlagen werden." Notar: „Und dann?" 3P „Dann sollen 
die Zmsen wieder zum Kapital geschlagen werden." Notar 
(aufgebracht): „Herr! wollen Sie mich zum Besten habend 
X. (ernst): „Glauben Sie an Auferstehung?" Notar: „Ja 
wohl!" 3£.: „Nun, also meinen Sie, daß ich am jüngsten 
Tage als Bettler wieder auferstehe?? will?" 
* Man erzählt sich von einem englischen Staatsmanns, 
daß er den Ausspruch gethan: „Am besten bezahlen wir dieje- 
nigen, die uns morden, die Generäle; dann diejenigen, die 
uns betrügen, die Politiker und Marktschreier; dann die, welche 
uns die Zeit vertreiben, Sänger und Tänzer, Musiker und' 
Schauspieler; am schlechteste» die. welche uns im Schweiße 
ihres Angesichts unterrichten. 
* Pietät und Geschäft. Auf einem Kirchhof in 
Amerika hat ein Grabsteinverfertiger seiner gestorbenen Frau 
ein Denkmal mit folgender Inschrift setzen lassen: „Ein Tribut 
zu ihrem Gedächtniß und ein Muster seiner Arbeit. Monu- 
mente im gleichen Styl für 250 Dollars " 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Bei Unterzeichnetem ist guter rother Dalmatiuer-Weiw 
per Maaß zu 44 kr. Silber ö. W. bei Abnahme von wenig- 
stens 4 Eimern zu haben. Ferner verkauft derselbe guten 
Tiroler Rothwein, ächten Weintrester- und gewöhnlichen Brannt- 
wein zu den billigsten Preisen. Weiße und rothe Oesttrreicher- 
und Ungar-Weine werden durch denselben bei der Weingroff- 
Handlung B. Salz er auö Döbling stets bestens besorgt. 
Um geneigten Zuspruch bittet 
Feldkirch, am 24. November 1873 
Eduard Lingg. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 21. Nov. 
Der halbe Wetzen 
beste 
mittlere 
; geringe 
fl 
kr. fl. 
kr. 
I fl- 
kr. 
Korn 
4 
50 
4 
40 
1 4 
30 
Roggen .... 
3 
50 
3 
40 
3 
30 
Gerste 
2 
90 
2 
80 
2 
70 
Türken .... 
3 
— 
2 
90 
2 
80 
Hafer | 
1 
80 
1 
70 
1 
HO 
Thermometerstand nach Reanmnr in Baduz. 
Monat 
Morgens! Mittags 
7 Uhr 1 12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterun g. 
Nov. 
19 
- 2% 
- % 
- 2% 
hell. 
u 
20. 
- 4% 
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— 2 

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+ 5 
+ 3 % 
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fast trüb; Föhnst.^ 
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trüb; etw. Reg. 
n 
25. 
+ 5 
+ 8% 
+ 6% 
halb hell. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
26. November tl)0 fl. Silber . 109.20 
20-Frankenstücke 9.09 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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