Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/182/
- 176 — 
Blatte wörtlich mittheilen: „Am gestrigen Tage wurde bei Be 
erdigimg todter Cholerakörper eine unbekannte Bettlerin von 
unS festgenommen und lebendig, mit den Tobten zusammen be- 
graben, und jetzt hat, gottlob, die Cholera gänzlich aufgehört, 
waS ich Ew. Hockwohlgeboren zu berichten die Ehre habe. 
* Köln, 6. Nov. Der zweite Guß der großen 500 Ztr. 
schweren, für den Kölner Dom bestimmten Kaiserglocke soll am 
11. d. MtS. im Gießhause des Herrn Hamm zu Frankenthal 
vorgenommen werden. Der erste Guß ist deßhalb mißlungen, 
weil auf die große Kraft der durch eine gewaltige Hitze ex- 
pandirten eingezwängten Luft nicht die erforderliche Rücksicht ge 
nommen war. Weil für die Ableitung deS in dem Kern der 
. Glockenform befindlichen bedeutenden Quantums Luft, welches 
durch die ungeheure Hitze des in die Mantelform sich ergießen 
den flüssigen Metalls bedeutend über sein gewöhnliches Volumen 
expandirte, nicht die erforderlichen Abzugsröhren angebracht 
waren, mußte die den Kern umschließende Wand der Mantel 
form gesprengt werden und daS fließende Metall mußte so 
einen andern alS den für dasselbe bestimmten Weg suchen. So 
konnte die Form deS Mantels nur von einem Theil des flüfsi- 
gen Metalls gefüllt werden. Der Guß dieses Theiles war in 
jeder Beziehung ganz tadellos, der Bauch rein und ohne alle 
Blasen; ebenso waren die Inschriften und alle Ornamente auf 
daS Schönste ausgeprägt. Die neue Form ist vollendet mnv 
AlleS ist zum Guß bereit. Der Meister lebt der festen Zuver- 
ficht) daß der Guß jetzt recht gut gelingen wird und daß noch 
vor Beginn deS Winters die Glocke an ihren Bestimmungsort 
gebracht werden kann. 
* Amerika. Wie auS Omaha (Nebraska) am 16. Otto- 
der geschrieben worden ist, hat ein Feldbrand in einer Ausdehn- 
ung von 25 englischen Meilen (zu 20 Minuten) in dortiger 
Umgegend und längS der Südwestbahn in den Bezirken Saline 
und Jeffersoy gewüthet. Eine große Zahl Häuser find ein 
Raub der Flammen und große Kornvorräthe zerstört worden. 
In Wilbvr wurden etwa zehn Kinder, die auS der Schule 
kamen, vom Feuer überrascht, das sich mit unglaublicher Schnellig- 
7eit verbreitete. Drei von ihnen find an Ort und Stelle, wo 
daS Feuer sie erreichte, verbrannt; drei andere starben sofort, 
als sie zu Hause angekommen waren; die vier übrigen haben 
ebenfalls Brandwunden erlitten, nicht aber lebensgefährliche. 
Auch die Mutter der drei erlegenen Kinder, welche sie zu retten 
suchte, ist schwer verletzt. 
Vom Salzsee kommt die Kunde, daß der Mormonenfürst 
Brigham Zoung sich seit mehreren Tagen im Zustande der 
höchsten Erschöpfung befindet, was Diejenigen, die an der lün- 
gern Dauer seines LebenS ein Interesse haben, in lebhafte Un- 
ruhe versetzt. Er ist auf einem Tragsessel in eine Versammlung 
der Direktoren der Mormonenbank von Dexret tranSportirt 
worden. Er zeigt sich sehr empfindlich, wenn er sieht, daß man 
seine Reise zu den Vätern alS nahe bevorstehend betrachtet. 
Sein Leben ist die Säule, auf welcher die Sache der Mormonen 
ruht. Wenn nun aber der Tod ihn dennoch zupft und sein 
Testament machen heißt, kann er sagen: ich habe geliebt und 
gelebt. Ein ganzes Peloton zum Theil noch junge und schöne 
Krauen zurücklassen zu müssen, darf einem daS Herz zerreißen. 
Der Abschied wäre vielleicht weniger schmerzhaft, wenn er sie 
vorschicken und langsam mit einem Regiments nachrücken könnte. 
* Vor Kurzem wurde in San Francisco eine „Baby"- 
Aus Kellung abgehalten, die großes Interesse erregte. Preise 
wurden ausgesetzt für das größte, das schönste, daS häßlichste, 
daS kleinste Kind, die. schönste Mutter ic., und es fanden sich 
eine Menge Mütter, die eitel und geldgierig genug waren, sich 
oder ihre Kinder auszustellen. Der Fremdling machte eine 
schöne Einnahme durch daS Eintrittsgeld, welches er einsteckte; 
zuletzt wurden die Preise zuerkannt und sollten am andern 
Morgen ausbezahlt werden; da aber war der Fremdling ver- 
schwunden und ward nicht mehr gesehen. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Kundmachung. 
Die Bauunternehmung der Vorarlberger-Bahn verkauft 
Samstag, den 22. November alle, in Folge deS BahnbayeS 
zeitlich eingelösten d. i. außerhalb der Bahnmarken gelegenen 
Parzellenreste und Materialgraben in den Gemeinden Vaduz, 
Schaan und Eschen. 
Der Verkauf derselben findet für jene in den Gemeinden 
Vaduz und Schaan Vormittags von 8^/2 bis 1t Uhr im 
Bahnhofgebaude Schaan —Vaduz, für jene in der Gemeinde 
Eschen Nachmittag von 1 bis 3 Uhr im Bahnhof in Nendeln 
statt. 
Feldkirch, im November 1373. 
Spinnerei Weingarten 
in Ravensburg 
verarbeitet fortwährend gegen billigen Lohn 
Flachs, Hanf und Abwerg 
zu vortrefflichem Garne und vorzüglicher Leinwand. 
Nähere Auskunft ertheilen und besorgen Sendungen an 
diese Spinnerei: 
I Viedermann zum deutschen Rhein in Bendern. 
Ferdinand Walser, Allvorsteher in Schaan. 
I M. Kindle zur Sonne in Triefen. 
Johannes Foser, Forstmann in BalzerS. 
Heinrich Rohrer, Kaufmann an der Bahnhofstraße 
in BuchS. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 14. Nov. 
| Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 

fl 
fr. 
1 fl- 
kr. 
fl. 
kr 
Korn . . . . . 
4 
50 
4 
40 
4 
30 
Roggen . . . . ' 
3 
50 
3 
40 
3 
30 
Gerste ..... 
2 
90 
1 2 
80 
2 
70 
Türken .... 
3 
— 
2 
90 
2 
80 
Hafer | 
1 
80 
: 1 , 
70 
1 
60 
Thermometerstaud nach Reaumur in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
AbendS 
6 Uhr 
Witterung. 
Nov. 
12 
+ 1 
+ 4% 
+ % 
fast hell. 
tt 
13. 
- iy 2 
+ 3>/ 4 

„ „ ; Reif,EiS. 
tt 
14. 
+ 2'/4 
+ 2V 4 
+ 2 
halb hell; Nebel. 
tt 
15. 
+ S /4 
+ 2% 
+ l 3 /4 
trüb; Nwd. 
V 
16 
4" 1 Vi 
+ 2% 
+ 1 
halb hell. 
n 
17. 
- 3 Vi 
+ 1 
— 2 
hell; Reif, EiS. 
tt 
18. 
— 1% 
0 
- % 
trüb. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
19. November 100 fl. Silber 108.75 
20-Frankenstücke ....... 9.08 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.