Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/174/
— 168 — 
Gesellschaft wiederherzustellen, energisch die Herrschast deS % 
fetzeS zu sichern, die Wohlfahrt im Innern wiederherstellen zu 
lassen, dauerhafte Bündnisse abzuschließen, und vor allem sich 
nicht zu fürchten die „Gewalt im" Dienste der Ordnung und 
Gerechtigkeit anzuwenden." Graf Chambord bemerkt: der Graf 
von Paris habe ihm keine Bedingungen gemacht, man habe 
von Mac Mahon keine Bürgschaft verlangt. „Ich habe vaS 
Recht auf dasselbe Vertrauen zu zählen und muß dieselbe Sicher 
feit einflößen; meine Person ist nichts, das Prinzip alles. Sle, 
mein Herr, Sie vermögen viele Mißverständnisse zu zerstreuen, 
Schwächen, zu beseitigen. Frankreich kann nicht untergehen, 
ChrjstuS liebt noch die Franzosen, und wenn Gott beschlossen 
hat ein Volk zu retten, so macht er, daß daS Scepter der Ge 
rechtigkeit nur in die Hände komme, welche, fest genug, eS zu 
führen verstehen." 
Darüber herrscht natürlich in Frankreich die größte Ver 
wirrung. Außer sich sind daS rechte Zentrum, die Orleanisten. 
Die Orleans könnten zwar aus dieser Entwicklung Vortheil 
ziehen, aber sie lehnen ausdrücklich jede Prätendentschaft ab, 
um nicht den Verdacht einer Jntrigue zu bewirken. Die Rechte 
ist getheilt, eine Hälfte ist im höchsten Grade erzürnt, nennt 
Chambord einen Narren und will nichts mehr von ihm wissen. 
DaS Linke Zentrum will die konservative Republik proklamiren, 
die Linke steuert auf die Auflösung der Nationalversammlung 
loS. Die Bonapartisten lachen inS Fäustchen. 
Italien. Eine römische Korrespondenz der Londoner „Times" 
schattirt die Aussichten Italiens auf den nächsten Winter sehr 
trübe und ist dabei zu bemerken, daß italienische Blätter diese 
düstere Schilderung als richtig und der Wahrheit entsprechend 
betrachten. 
DaS Elend — sagt jener Korrespondent — tritt an daS 
Volk und an die Regierung heran, und es muß das Haupt- 
sächliche Bestreben Aller sein, die Größe des UebelS genau 
zu erkennen und die Mittel zu suchen, um ihm Schranken zu 
setzen Das Land seufzt noch unter der Last vielfacher Plagen, 
von welchen eS in der letzten Zeit heimgesucht wurde, Haupt- 
sächlich der Ueberschwemmungen, die nach und nach periodisch 
wiederkehrend geworden stnd (Folge der AbHolzungen). Die 
Preise der gemeinsten Lebensbedürfnisse haben eine fast fabel- 
hafte Hohe , erreicht und drohen noch höher zu steigen. Die 
Mne haben seit langer Zeit nicht mehr Schritt gehalten mit 
den Dedürfnissen der Arbeiter, und die in 'Aussicht gDÄme 
Löhne deö Heeres von 90,000 öffentlicher» Krp 
MtzW D, erst hie ersten Stadien der dilatorisch^. 
.AHivven. ES- ist unabweisbar eine NDpendigket^ 
-W^DttW^Theil der Bevölkerung im heranrückenden Winter 
DaS Volk fordert Bryd; man muß Hm hel- 
ftz^Wem may ihm Arbeit gibt. Man muß Arbeit M^en f^r 
bk^m«ffen->- «etche -leide«, mag der Anlaß dazu gegeben fein 
oder nicht. In fünf oder fechS Monaten wird daS Land, um 
mich deS Ausdruckes zu bedienen, in ein nationales AMitS- 
hüuS verwandelt sein. 
^ Der Korrespondent würde, wenn daS Geld ausreichte llnd 
MÄN einer betriebsamen und verständigen Verwendung sicher 
wäre, die Theuerung selbst, wie viele andere Uebel, als'-etwas 
GuteS betrachten können. Es wäre in Italien, sagt er, viel zu 
arbeiten, und die'Roth erwecke möglicherweise däS Volk und 
seine Regenten auS dem Schlafe, der viele Theile Italiens 
hinter der heutigen'Kultur Europa'S habe zurückbleiben lassen. 
ES seien Straßen tfi bauen; für große und kleine Städte 
seien Kloakek und Kanäle eine Anforderung der Zeit; große 
Lebensmittelpunkte, z. B. wie Floren^ und Neapel, feien mit 
gesundem und genügendem Trinkwasser zu versehen ; vWeichen 
Stadttheilen, besonders in Neapel, fehlen Luft und Acht. Wenn 
ihrer 75 Millionen Italiener wären, wie e6 nur 25 feien, unv 
wenn alle Sommer und Winter arbeiten würden mehrere Jahre 
lang mit dem größten Fleiße, wären sie nicht im Stande, ihr 
Land aus dem Schiffbruch und dem Ruin zu heben, in welchen 
es eine hundertjährige Sorglosigkeit gestürzt habe. 
Verschiedenes. 
Ein Apfelbaum zu Stolpe auf der Insel Usedom (Pom- 
mern) hat nicht weniger als 47 Scheffel (MäS) Aepfel, gute 
SommerbirSdorfer, gebracht. Freilich ist der Baum von solcher 
Größe, daß jeder einzelne Hauptzweig einen stattlichen Baum 
bilden würde; selbst Alexander von Humboldt hielt ihn seiner 
besonderen Beachtung und einer Zeichnung werth. DaS Alter 
deS BaumeS, der noch vollständig gesund ist, läßt sich nicht an- 
geben, doch beträgt eS jedenfalls über 200 Jahre, ein Alter, 
das bei Obstbäumen selten ist. 
Berichtigung. In dem Lettartikel über „Steuerkataster" 
(in der vorigen Nummer) lieS: 
b) Weinberge 
1 
2 Klasse 
120 90 Krzr. 
anstatt 
1 
2 Klasse 
150 100 Krz. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. 
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Kornpreise vom Fruchtmarkt t'n Bregenz vom 31. Okt. 
Der halbe Metzen 
beste 
r mittlere 
geringe 
st. 
kr. 
Ist 
kr. 
st. 
kr. 
Korn ..... ! 
1 4 
50 
1 4 
40 
1 4 
30 
Roggen . . . . 
3 
50 
I 3 
40 
1 3 
30 
Gerste . . . . . 
2 
90 
2 
80 
1 2 
70 
Tüxken . . . . 
3 
— 
2 
W 
2 
90 
Hafer . . . . . | 
1 
80 
i 
70 
; 1 
HO 
Thermometerstand nach Reaumur in Bäduz. 
Monat 
Morgens! Mittags 
7 Uhr | 12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witter ung 
i.. . ■ ■ 0 - '." ■ 
! Okt. 
29 
*+ IVi 
+ 
+ 4 
halb hell. 
V 
30 
+ 3 
+ s 
+ 4 
trüb ; Nebel. 
w 
31. 
+ 4 
+ 7 
+ 4% 
trüb; etw. Reg. 
Rov. 
1. 
+ 4 
+ 63/ 4 
+ 354 
fast hell. 
-■* 
2 
+ 4 
+ H 
+ 10 
fast trüb; Föhnw. 
' b 
3 
+ 4 
+ 101/ 2 
+ 9 
fast hell; Föhnw. 
1 rf 
4. 
+ 8 

■4f- 
halb bell; do 
i. tt 
3. November 100 fl. Sil ber . 
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