Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/16/
hat uns, wie bekannt, das Unglück einer Ueberschwemmung 
gebracht, indem der hochfluthende Rhein den Damm unterhalb 
der Gampriner Mühle durchbrochen und seine schlammigen 
Massen über unser Kulturland geradezu auf Ruggel gewälzt 
hat. Alles, waS Beine hatte, mußte vor dem einbrechenden 
Wasser die Flucht auf die benachbarten Höhen ergreifen. Wahr- 
lich ein herber Lohn für die vieljährige, schwere Rheinarbeit! 
Doch kehrte auch uns nach vielen Stunden Der Entmuthigung 
das natürliche Muthgefühl wieder zurück in der Hoffnung auf 
schnelle Hülfe und bessere Zeiten. Zwar ist die Hülfe nicht 
gekommen, aber an ihrer Statt spukte damals die Spielbank- 
geschichte im Lande herum. Alt und Jung erzahlte sich Abends 
bei einer Pfeife Tabak die neue Wundersage von den Millio- 
nenmannern mit den schweren Geldsäcken, die sie im Lande 
niederlegen wollten, und vergaßen dabei Ueberschwemmung und 
Reinnoth. Geräuschlos aber, wie es gekommen, ist es wieder 
verschwunden, dieses trügerische Lustgebilde, man weiß nicht 
wie, warum und wohin, und wir standen wieder auf dem 
Boden der traurigen Wirklichkeit, d. h. in dem Schlamme, den 
uns der Rhein zurückgelassen, und den eine milde Herbstsonne 
mitleidig beschien. Da hieß es wieder den langgewohnten 
Kampf mit dem bösen Bündner auf's Neue aufnehmen, und 
daß wir dieses männiglich gethan, mag die Thatsache beweisen, 
daß Ruggel in diesem Winter bereits 390 Klafter Hochwuhr 
erstellt hat. Trotz diesen Leistungen jedoch kann das Gefühl 
der Beruhigung noch nicht über uns kommen, wenn wir fort- 
während gezwungen sind, unseren Blick ängstlich auf jene ge» 
fahrdrohenden Stellen zu werfen, welche ob uns im Gampriner 
Rheingebiete die letztjährige Ueberschwemmung schon herbeige- 
führt haben und jetzt noch nicht schadlos gemacht worden sind. 
Unter diesen Stellen verstehe ich den Dammbruch beim s. g. 
Krummwuhr, der jetzt noch nicht zugeschlagen ist, und das 
Krummwuhr selbst, welches in seiner jetzigen Höhe und Starke 
einen Widerstand nicht leisten kann und die Gemeinde Rüggel 
der erneuerten Gefahr einer Ueberschwemmung aussetzt. Hier 
kann und muß geholfen werden und zwar dadurch, daß die ge- 
nannte Wuhrstrecke um 5 bis 6' aufgenommen wird. 
Möge dieser Mahnruf nicht ungehört verhallen! 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Die preußischen Bischöfe unter Führung 
der Erzbischöfe von Köln und Posen haben beim Ministerium 
gegen die neuen Falk'schen Kirchengesetze Protest eingelegt. 
Im preußischen Abgeordnetenhause hat am 6. d. eine denk- 
würdige Sitzung stattgefunden. Ein Brief des Minijierpräsi- 
In einer Nacht war dem Chevalier, ohne daß er gerade 
bedeutenden Verlust erlitten, doch das Glück weniger günstig ge- 
Wesen, als sonst. Da trat ein kleiner, alter, dürrer Mann, dürf- 
tig gekleidet, von beinahe garstigem Ansehen, an den Spieltisch, 
nahm mit zitternder Hand eine Karte, und besetzte sie mit einem 
Goldstück. Mehrere von den Spielern blickten den Alten an mit 
tiefem Erstaunen, behandelten ihn aber dann mit auffallender 
Verachtung, ohne daß der Alte auch nur eine Miene verzog, viel 
weniger mit einem Worte sich darüber beschwerte. 
Der Alte verlor — verlor einen Satz nach dem andern, 
aber je höher sein Verlust stieg, desto mehr freuten sich die an-- 
dem Spieler. .Ja, als der Alte seine Sätze immerfort dou- 
plirte, einmal fünf hundert Louisdor au^f eine Karte gesetzt, und 
diese in demselben Augenblick umschlug, rief einer laut lachend, 
Glück zu, SignorVertua, Glück zu, verliert den Muth nicht, setzt 
immerhin weiter fort, Ihr seht mir so aus, als würdet Ihr doch 
noch am Ende die Bank sprengen durch ungeheuer» Gewinnst! 
Der Alte warf einen Basiliskenblick auf den Spötter, und rannte 
schnell von dannen, aber nur, um in einer halben Stunde wie- 
derzukehren, die Taschen mit Gold gefüllt. In der letzten Taille 
denten Roon klagte Lasker an, er habe den Geheimrath Wa- 
qener und die Fürsten Putbus und Biron fälschlich des Eisen- 
bahnschachers beschuldigt, während er selbst Syndikus einer 
Berliner Firma sei. Lasker ergriff nun das Wort und wider- 
legte in einer 21/2 stündigen, vom Hause in gespannter Stille 
angehörten Rede nicht nur letztere Anlastung, sondern bewies 
den Eisenbahnschacher der genannten hohen Herren so schlagend, 
daß Roon sowohl die erwähnte Anschuldigung, Lasker gehöre 
einer Berliner Firma an, sofort zurücknahm, als auch erklärte, 
er habe noch nie in einer widerwärtigen Sache mit solchem 
Interesse zugehört. Wenn er das gewußt, hätte er seinen Brief 
nicht oder anders geschrieben. Er behalte sich eine Untersuchung 
vor. LaSker feierte einen Ehrentag, alle Blätter verlangen die 
Untersuchung In Oesterreich wären solche Untersuchungen 
auch sehr oft angezeigt 
Oesterreich. Die Arlbergfrage ist noch nicht in das rich- 
tige Fahrwasser gekommen. Seit fast einem Jahre sind der 
Erörterung des Reichsrathes zwei Bahnen: die Predil-Bahn 
nach Trieft und die Arlbergbahn unterbreitet worden, 2 Bah- 
nen, welche sowohl aus militärpolitischen, als aus Verkehrs- 
rücksichten ein eminentes Reichsinteresse repräsentiren. Die Er- 
ledignng dieser Vorlagen wurde bisher in einer geradezu un- 
qualifizirbaren Weife verschleppt, während ein volles Dutzend 
kleiner Lokalbahnen, deren Werth über ein eng begrenztes Ge- 
biet hinaus schwerlich nachzuweisen sein dürfte, votirt wurde, 
darunter altem 8 böhmische Bahnen. Nach solchen Vorgängen 
braucht man sich daher nicht zu wundern, wenn der Stand 
der Arlbergsrage sich nicht verändern will. 
In der Sitzung vom 4 d. M. hat das österreichische 
Abgeordnetenhaus das wichtige Gesetz über die Befreiung der 
Arbeitslöhne von der Beschlagnahme angenommen. 
Vorarlberg. Das Projekt der Achthalbahn scheint nach 
dem neuesten Berichte der Feldkircher Zeitung nunmehr geschei- 
tert. Die Gemeinde Bregenz hatte bekanntlich hiem die nam- 
hafte Summe von 60,00(1 fl. a fond perdu bewilligt. 
In Bregenz herrschen seit mehr als 3 Monaten die Blat- 
tern.. Die Gesammterkrankungen bis Ende Januar belaufen 
sich nach dem amtlichen Ausweis aus etwa 200. Der Stand 
der Blatternkranken am 6. Februar belief sich auf 10. 
Schweiz. Die Abgeordneten der Diözesanstände des Bis- 
thumö Basel haben am 29. Januar eine Proklamation an die 
katholische Bevölkerung ihrer Kantone ergehen lassen, worin sie 
ihre Beschlüsse gegen den h. Bischof Lachat motiviren. Am 
3. unv 4. Februar hat dann das Domkapitel in Solothurn 
drei Sitzungen gehalten, um über die Einladung der Diözefan- 
konferenz, einen BiSthumSverweser an die Stelle des abgesetzten 
mußte indessen der Alte aufhören, da er wiederum alles Geld 
verspielt, daß er zur Stelle gebracht 
Dem Chevalier, der aller Verruchtheit seines Treibens uner- 
achtet, doch aus einen gewissen Anstand hielt, der bei seiner 
Bank beobachtet werden mußte, hatte der Hohn, die Verachtung, 
womit man den Alten behandelt, im höchsten Grad mißfallen. 
Grund genug, nach beendetem Spiel, als der Alte sich entfernt 
hatte, darüber jene Spieler, deren verächtliches Betragen gegen 
den Alten am mehrsten aufgefallen, und die, vom Chevalier dazu 
aufgefordert, noch da geblieben, sehr ernstlich znr Rede zu 
stellen. 
Ei, rief der Eine, Ihr kennt den alten Francesco Vertua 
nicht, Chevalier, 'sonst würdet. Ihr Euch über uns und unser Be- 
tragen gar nicht beklagen, vielmehr es ganz und gar gutheißen. 
Erfahrt, daß dieser Vertua, ein Neapolitaner von Geburt, seit 
fünfzehn Iahren in Paris der niedrigste, schmutzigste, bösartigste 
Geizhals und Wucherer ist, den es geben mag. Jedes mensch- 
liche Gefühl ist ihm fremd, er könnte seinen eigenen Bruder im 
Todeskampf sich zu seinen Füßen krümmen sehen, und vergebens 
würde es bleiben, ihm, wenn auch dadurch der Bruder gerettet
        

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