Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/150/
— 144 — 
Rest nicht hinreichte, den Mantel zu füllen. Es ist ein Miß- 
geschick, aber eines, das beim Glockenguß nicht selten vorkommt. 
* Genf. Was das Geld nicht macht! Sonst hieß eS, 
die Tugend der Frauen und die Rechrschaffenheit der Männer 
Wird nur nach der Größe der Summe bemessen, um die sie 
verkäuflich sind: der Satz kann aber auch modifizirt auf ganze 
Gemeinwesen ausgedehnt werden Weil der Herzog von Braun- 
schweig die Stadt Genf auS Haß gegen feine Verwandten 
zum Erbey seiner Millionen eingesetzt hat, wurde seinem Ver- 
langen gemäß seine Bestattung mit einer Feierlichkeit begangen, 
wie sie kaum in monarchischen Staaten feierlicher sein könnte, 
die biedern republikanischen Staatsmänner Genfs hielten über- 
schwengliche Lobreden auf den Verstorbenen und daS ganze re 
publikanische Volk von Genf heuchelte auf Bestellung hm eine 
Trauer und eine Verehrung wie für den edelsten Menschen, 
für den Mann, der, Alles in Allem erwogen, am Ende doch 
ein bis zum Wahnsinn eigensinniger Despot war. Nicht un- 
verdient aber wäre eS doch, wenn sie für ihre Verherrlichung 
deS fürstlichen Narren damit gestraft würden, daß sie nicht ein- 
mal die Millionen bekämen, um die sie fo eifrig sich bemühen. 
DaS sagt die Zürcher Freitagszeitung und hat gewiß einiger- 
maßen Recht. 
* Die großen Gasthöfe in Amerika sind längst mit Auf- 
zügen versehen, welche die Reisenden von einem Stockwerk ins 
andere befördern. Die Engländer haben diese Einrichtung 
gleichfalls und nun findet sich dieselbe auch im Hotel „Beau- 
rivage" in Genf. Sie wird durch Wasserkraft in Bewegung 
gesetzt. Der Gast tritt in einen eleganten kleinen Salon. Vier 
Knöpfe markiren die vier Stockwerke, man braucht blos einen 
zu berühren, so setzt sich das hübsche Closet in Bewegung. 
Die Maschine arbeitet den ganzen Tag. Die Einrichtung kostet 
den Gasthofhalter wöchentlich 200—250 Fr. 
* Kaninchenzucht. Mit Rücksicht darauf, daß die in 
der Residenzstadt Berlin stattfindenden Preise für Lebensmittel 
und hauptsächlich für Fleisch, namentlich für die weniger be 
mittelte Klasse fast unerschwinglich geworden sind, und daß sich 
bereits in anderen Ländern, besonders in Frankreich, Belgien 
und England die Kaninchenzucht als ein Mittel bewährt hat, 
auch der weniger bemittelten Klasse eine gesunde, nahrhafte und 
zugleich schmackhafte Fleischspeise zu verschaffen, hat der Archi 
tekt Adolf Bantau (Mitglied des volkswirtschaftlichen Vereins 
in Berlin) den Entschluß gefaßt, in der Nähe Berlins ein 
größeres Grundstück zu erwerben, um aus demselben die Kaninchen- 
zucht im großen Maßstabe zu betreiben, wodurch sich das Pfund 
gesunden, kräftigen Fleisches für etwa 30 Rp. herstellen lassen 
wixd. Die Mittel zu der beabsichtigten Anlage — wozu ein 
Kapital von zirka 15,000 Thalern erforderlich fein wird — 
hofft Herr Bantau, im Hinblick auf den nützlichen Zweck mit 
Hilfe wohlwollender Männer aufzubringen. 
* Amerika. Der älteste Mann in Amerika ist nach 
einer Korrespondenz deS „LouiSville Courier Journal" ein Neger, 
NamenS Fortune Snow, welcher das 124. Jahr erreicht haben 
soll. Er lebt auf einer Farm, nahe bei Milan, Gibson County, 
Teneffee. Er war nie in seinem Leben krank und nahm nie 
Medizin. Auch litt er nie an Zahnweh und hat keinen unge- 
sunden Zahn, denn er ist ganz zahnlos. Er ist 5 Fuß 6 Zoll 
groß, wiegt ungefähr 115 Pfund und ist sehr schwarz. Fortune 
Snow liest jetzt noch in der Bibel. Er ist der Vater von 13 
Kindern, von denen das älteste über 100 Jahre alt sein würde, 
wenn eS noch lebte. Sein jüngstes Kind, bei dem er lebt, ist 
53 Jahre alt. Er lebte zuerst in Süd-Earolina, wanderte 
dann nach Alabama und zuletzt nach Tenessee. Der Korre 
spondent bemerkt, daß der älteste Mann in Amerika von Hun- 
derten besucht wird und daß er sich sehr gern mit den Leuten 
unterhält. 
* Zu Prescott in Arziona stand im Januar ein notorischer 
Dieb vor Gericht. Sein Advokat machte geltend, daß die Ge- 
schwornen den Mann freisprechen müßten, derselbe leide an 
Kleptomanie, sei also von Mutter Natur auf das Stehlen an 
gewiesen, das er gar nicht lassen könne. Der Mann habe 
sogar ihm, dem Advokaten, der ihn vertheidigte, die Uhr auS 
der Tasche gestohlen, während er mit ihm Berathung hielt. 
Der Dieb wurde von der Jury — freigesprochen. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Kalkausfchreibmlg» 
Donnerstag den 25. Herbstmonat und folgende Tage wird 
bei der Ziegelhütte am Hohlweg ein so eben frisch gebrannter 
guter Wetterkalk auSgemessen — ebenso können jeder Art 
Stock- und Kammziegel bezogen werden. 
Sevelen, den 20. Sept. 1873. 
Nikolaus Hagmann 
z. Traube. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 19. Sept. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 
fl. 
kr. 
fl 
kr. 
1 fl. 
kr. 
I Korn 
4 
50 
4 
40 
1 4 
30 
Roggen .... 
3 
50 
3 
40 
1 3 
30 
Gerste 
2 
90 
2 
80 
1 2 
70 
Türken .... 
3 
— 
2 
90 
2 
80 
Hafer 
! I 
80 
1 
70 
| 1 
HO 
Thermometerstand nach Reannnw in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Sept. 17 
4- 8 
+ 13% 
+ 11 
trüb; i.d.H.geschn. 
18. 
+10
    

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