Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/15/
Liechtensteinische 
Vaduz, Freitag 
Nr. 4. 
den 14. Februar 1873. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl. 10 kr. sammt 
Postversendung und Zustellung in's Haus. Für das Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl. 10 kr. ohne Postversendung. — Man 
abonnirt für das Zn- und Ausland bei der Redaktion in Vaduz oder bei der Expedition in Feldkirch. — EinrückungSgebühr für die 
Sgespaltene Zeile S kr. — Briefe und Gelder werden franco erbeten an die Redaction in Vaduz. 
An unsere Leser im Fürstenthume. 
Die zahlreiche Abnahme und Anerkennung, welche unser 
Blatt bei den Landeseinwohnern gesunden, haben unsere ge- 
hegten Erwartungen weit übertroffen und geben ein ehrendes 
Zeugniß für den vaterländischen Sinn der liechtensteinischen 
Bevölkerung Der Fortbestand der liechtensteinischen Wochen- 
zeitung ist gesichert. 
Zur Entgegennahme von Bestellungen auf unser Blatt und 
zur Einziehung der betreffenden AbonnementSgelder sind beauf 
tragt : 
für den Eschnerberg: Briefbot GWHl, 
„ Schaan—Planken—Mühleholz: Briefbot I. Risch, 
„ Vaduz—Triefen—Tnesenberg: Briefbot M. Seeger, 
„ Balzers—Mels: Landweibel Frommelt. 
Ferner ersuchen wir um öftere Einsendung von Neuigkeiten 
aus den einzelnen Gemeinden und Mittheilungen von Wün- 
schen, Meinungen, welche das allgemeine Interesse berühren. 
Namentlich dürfte die wichtige Rhemfrage Anlaß genug bieten, 
verschiedenartige Ansichten zu äußern oder etwaige Mängel zu 
rügen. 
Vaterländisches. 
Landtagsverhandlungen. 
Fortsetzung. Nach Erledigung der eigentlichen Tagesord- 
nung stellt der Abgeordnete Wanger eine Interpellation an 
den fürstl. Regierungskommissar bezüglich der Aufnahme der 
Konstanzer Lehrschwestern, indem er die Befürchtung ausspricht, 
daß die Zulassung eines von Deutschland ausgewiesenen, mit 
der Gesellschaft Jesu affiliirten Ordens allenfalls wieder eine 
Einwendung von Seite der deutschen Reichsregierung veran- 
lassen könnte. 
RegierungSkommissär von Hausen beantwortet diese Jnter- 
pellation zunächst damit, daß er die staatsrechtliche Bedeutung 
dieser Angelegenheit widerlegt, indem er anführt, daß 1. der 
erwähnte Orden mit der Gesellschaft Jesu nicht afsilirt, 2 von 
der großherzoglich badischen, nicht aber von der deutschen 
Reichsregierung ausgewiesen worden fei. Ferner erwähnt er 
der vorzüglichen Anerkennungen, welche diese Gesellschaft durch 
die vieljährige Leitung einer höhern Töchterschule in Konstanz 
allgemein sich erworben habe, und führt zum Beweise dessen 
ein rühmendes Zeugniß an, welches der bekanntlich exkommu- 
nizirte Bürgermeister von Konstanz über die Thätigkeit des er 
wähnten Ordens ausgestellt habe. 
Nach diesen Erklärungen stellt der Vorsitzende den Antrag : 
der Landtag wolle die fürstliche Regierung ersuchen, für die 
kommende Session einen Gesetzentwurf wegen Zulassung geist 
licher Orden vorzubereiten. WkHfMstlmttikg angenommen. 
Hierauf wird die Sitzung mit einem dreimaligen von der 
Versammlung auf Seine Durchlaucht den Landesfürsten aus- 
gebrachten Hoch geschlossen. Mit ihr findet die LanvtagSsession 
von 1872—73 ihren Abschluß. 
Ruggel, 10. Febr. (Eingesandt.) Das Erscheinen der 
liechtensteinischen Woche'nzeitung hat auch bei uns eine freudige 
Begrüßung gefunden und die Zuversicht erweckt, daß die ge- 
genwartige ernste Sachlage am Rhein die Aufmerksamkeit des 
neugegründeten Blattes vor Allem auf sich ziehen werde. In 
dieser Voraussetzung bin ich so frei, Einiges über unsere Rhein- 
Verhältnisse in Ruggel zu berichten. Der 6. Oktober v. Js. 
Feuilleton. 
Spieler-Glück. 
Eine Erzählung von E. T. A. Hoffmann. 
(Fortsetzung.) 
Es gibt zweierlei Arten von Spielern. Manchen gewährt 
ohne Rücksicht auf Gewinn das Spiel selbst als Spiel eine un- 
beschreibliche, geheimnißvolle Lust. Die sonderbaren Verkettun- 
gen des Zufalls wechseln in dem seltsamsten Spiel, das Regi- 
ment der höhern. Macht tritt klarer hervor, und eben dieses ist 
es, was unfern Geist anregt, die Fittige zu rühren und zu ver- 
suchen, ob er sich nicht hinein schwingen kann in das dunkle 
Reich, in die verhängnisvolle Werkstatt jener Macht, um ihre 
Arbeiten zu belauschen. — Ich habe einen Mann gekannt, der 
Tage, Nächte lang einsam in seinem Zimmer Bank machte und 
gegen sich selbst pointirte, ta war meines Bedünkens ein echter 
Spieler. Andere haben nur den Gewinnst vor Augen, und be- 
trachten das Spiel als ein Mittel, sich schnell zu bereichern. 
Zu dieser Klasse schlug sich der Chevalier, und bewährte dadurch 
den Satz, daß der eigentliche tiefere Spielsinn in der individu-- 
ellen Natur liegen, angeboren sein muß. 
Eben daher war ihm der Kreis, in dem sich der Poniteur 
bewegte, bald zu enge. Mit der sehr beträchtlichen Summe, die 
er sich erspielt, etablirte er eine Bank, und auch hier begünstigte 
ihn das Glück dergestalt, daß in kurzer Zeit seine Bank die reichste 
war in ganz Paris. Wie es in der Natur der Sache liegt, 
strömten ihm, dem reichsten glücklichsten Bankier, auch die mehr- 
sten Spieler zu. 
Das wilde, wüste Leben des Spielers vertilgte bald alle die 
geistigen und körperlichen Vorzüge, die dem Chevalier sonst Liebe 
und Achtung erworben hatten. Er hörte auf ein treuer Freund, 
ein unbefangener Verehrer der Damen zu sein. Erloschen war 
sein Sinn für Wissenschaft und Kunst, dahin all sein Streben, 
in tüchtiger Erkenntniß vorzuschreiten. Auf seinem todtbleichen 
Gesicht in seinen düstern, dunkles Feuer sprühenden Augen lag 
der volle Ausdruck der verderblichsten Leidenschaft, die ihn um- 
strickt hielt. — Nicht Spielsucht, nein, der gehässigste Geldgeiz 
war es, den der Satan selbst in seinem Innern entzündet! — 
mit einem Wort, es war der vollendetste Bankier, wie es nur 
einen geben kann!
        

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