Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/149/
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den kräftigen Maßregeln der Regierung. Ein großer Theil 
der Reserve soll schon versammelt sein, und nach dem von den 
Kortes genehmigten Gesetze zur Einberufung der 2 Reserve 
werden 330,000 Mann für die aktive Armee verfügbar. Der 
Oberbefehl der Nordarmee ist dem General Zabala, einem aus 
früheren Kriegen bewahrten Feldherrn anvertraut. Herr Caste- 
lar scheint hierin sich doch nicht in der verzweifelten Lage zu 
befinden, sich der ominösen Hilfe eines Serrano bedienen zu 
müssen, wie es noch vor Kurzem hieß. Ein Telegramm be- 
richtet von einem bedeutenden Sieg des republikanischen Gene- 
rals Santa Pau über die vereinigten karlistischen Banden unter 
höchst eigener Anführung des Don Carlos selbst. Diese Nach- 
richt, wenn sie sich bestätigt, würde daö Ansehen und Ver- 
trauen der neuen Regierung befestigen und zur Wiederherstellung 
der Disziplin in der Armee viel beitragen. 
Amerika. Wenn die Nordamerikaner etwas im Schilde 
führen, dann lassen sie sich bei der Ausführung kein Gras 
unter den Füßen wachsen. So ist denn auch die künstige 
Weltausstellung in Philadelphia und die damit verbundene 
100jährige Geburtsfeier der Republik im Jahre 1676 bereits 
Thema der Presse und der Gegenstand vorsorglicher Thätigkeit. 
Es besteht bereits eine Kommission aus je einem Vertreter jedes 
Staates und Territoriums der Verein. Staaten. Daneben 
besteht ein besonderes zahlreiches Komite der Stadt Philadelphia, 
welche eine Kommission nach Wien entsendet hat, um dort Er- 
fahrungen zu sammeln. Zum HauptauSstellungSpalast sind 
bereits 45 Pläne und Zeichnungen eingereicht, daraus 10 als 
die besten mit je 1000 Dollars honorm und zu einer engeren 
Konkurrenz verwiesen worden. Der AusftellungSplatz umfaßt 
ein Areal von 2700 Ackern, ist zwei englische Meilen von der 
Stadt Philadelphia entfernt, in dem prächtigen gairmont-Park 
gelegen und wird durch besondere Eisenbahnlinien mit allen 
Eisenbahndepots der Stadt m unmittelbare Verbindung ge- 
bracht. Außer der besondern Approbation Seitens deS Kon- 
gresses wird jeder Staat bestimmte Beiträge liefern, die Haupt- 
summe jedoch durch freiwillige Beiträge aufgebracht werden. 
Die amerikanische Weltausstellung und 100jährige Feier der 
Repubkik bildet jedenfalls einen Markstein der Geschichte 
Nordamerikas. 
Verschiedenes. 
* Wir haben schon einmal in einer der letzten Nummern 
auf die schweizerische landwirthschaftl. Ausstellung in Weinfelden 
aufmerksam gemacht. Das Festprogramm ist erschienen. Da 
vielleicht der eine oder andere unserer Leser vorhat, die AuS- 
stellung zu besuchen, was bei der geringen örtlichen Entfernung 
wechselten Liebesversicherungen und poetische Herzensergüsse. 
Diesmal war nicht nur der Bursche sondern auch sein Herr 
selbst mir dem Briese zufrieden, der wieder aus die Feldpost 
wanderte und schon nach einigen Tagen in solcher Weise beant- 
wortet wurde, daß der Lieutenant in der That nicht wußte, was 
er davon denken und sagen sollte. 
Mit jedem Briefe, den er empfing und beantwortete, wuchs 
seine Bewunderung und Theilnahme an der räthselhaften Schrei- 
berin. Die unerwartete Korrespondenz gewährte ihm außerdem 
einen eigenthümlichen Genuß und eine willkommene Zerstreuung 
in seinem einförmigen Leben. Mit Ungeduld erwartete er die 
Ankunft der Feldpost und nur mit Herzklopfen sah er dem Augen- 
blick entgegen, wo sie ihm die- ersehnten Zeilen brachte. 
Unwillkürlich beschäftigte sich seine Phantasie mit dem Bilde des 
seltsamen Mädchens, das ihm mit der Zeit ein fast leidenschaft- 
liches Interesse einflößte. Er wurde nicht müde, seinen Burschen 
nach ihr und ihren näheren Verhältnissen zu fragen, obgleich die Aus- 
kunft, welche er von diesem erhielt, ihm keineswegs genügte, um den 
Widerspruch zwischen ihrer Bildung und Lebensstellung zu lösen. 
und bei dem sehr großen Interesse das die Ausstellung bietet, 
nur anzuempfehlen ist, so theilen wir das Festprogramm mit: 
Am 5. Oktober versammeln sich die Festgäste um halb 9 
Uhr auf dem Rathhausplatze, um 9*/ 2 Uhr beginnt der Fest- 
zug; voran 6 Reiter, dann eine Gruppe Schulkinder, die vier 
Jahreszeiten vorstellend, hierauf die Abgeordneten der Behörden, 
der Komites it., die Zöglinge der landwirtschaftlichen Abtheil 
ung des Polytechnikums, sowie der landwirtschaftlichen Schu 
len der Kantone Zürich und Bern. Sechs Reiter schließen den 
Zug. Das Militär bildet Spalier. Auf dem Festplatze Bor- 
trag des Gesangvereins Weinfelden, Musik, Festrede von Herrn 
Dekan Wirth von Romanshorn. Allgemeiner Gesang mit 
Musikbegleitung. Nachmittags 3 Uhr Versammlung deS schweiz. 
landwirthschaftlichen Vereins in der Kirche. Abends Beleuch- 
tung deS Festplatzes. Am 6. Oktober, Vormittags 9 Uhr Ver- 
sammlung deS schweizerischen Fachvereins im Schulhause. Nach 
mittags 3 Uhr Sitzungen der Preisgerichte und des Zentralko- 
mites ebenda. Am 7. Oktober Nachmittags Sitzungen der 
Preisgerichte für die Produktenabtheilungen, Abends bengalische 
Beleuchtung des FestplatzeS. Am 8 Oktober Proben mit den 
Geräthen. Um 9 Uhr Preisvertheilung für die ViehauSstellung 
und Umzug mit den ausgestellten Thieren durch den Festort. 
Am 10. Oktober Besuch der Ausstellung durch die Schulen zu 
ermäßigten Billets ä 20 Ct., Lehrer und Lehrerinnen sind frei. 
Mittagessen zu 80 Ct. per Schüler. Am 12. Oktober Nachmit- 
tags 2 Uhr Preisvertheilung. Abends bengalische Beleuchtung. 
* Vom Weinhandel wird geschrieben, im Veltlin nach unge- 
fähr einem Monat Stillstand sei Nachfrage lebhafter geworden 
und seien mehrere Fässer Tisch- und mittlerer Wein in Son- 
drio znm Preise von 40 bis 50 Fr. verkauft worden. Weniger 
gesucht seien die guten und feinen Weine, und man habe sechs 
Fässer größtentheils feinen Wein zu Fr. 53 in Gold verkauft. 
Die Aussichten im Veltlin sind gut. Der Wein kann vor- 
treffisch werden, wenn der Herbst nicht zuviel Äasser bringt. 
In der Menge erwartet man immerhin ein mittleres Jahr. 
Die Wein-Aussichten im Südtirol sollen auch gut sein. 
* Werth der Arbeit. Ein Stück gewöhnliches Eisen, 
welches 1 Thal er (Fr. 3 . 75) kostet, gibt zu Hufeisen verar- 
beitet einen Ertrag von 3 Thlr., zu Handwerks-Geräthen 4 
Thlr., zu gußeisernen Geräthen und Zierrathen 45 Thlr., zu 
Steck- und Nähnadeln 75 Thlr., zu Tischmesser-Klingen 90 
Thlr., zu Federmesser-Klingen 700 Thlr., zu Stahlschnallen u. 
feinen Knöpfen 900 Thlr., zu Stahlichmucksachen 2000 Thlr., 
zu Hemdenknöpfen 6000 Thlr., zu Uhren federn 50,000 Thlr. 
* Frankenthal. Es ist jetzt außer Zweifel, daß der erste 
Guß der Kaiserglocke mißlungen ist. Eine durch eine GaS- 
explosion und durch das Ausstoßen eines ZapfenS entstandene 
Oeffnung in der Form ließ soviel Metall ausströmen daß der 
Er selbst erschöpfte sich in den verschiedensten Vermuthungen 
über die Briesstellerin, um das wunderbare Räthsel zu erklären. 
Je mehr er aber darüber nachsann, desto mehr fühlte er sich zu 
zu ihr hingezogen, desto mehr reizte ihn das sonderbare Aben- 
teuer, desto sehnlicher wünschte er, die Unbekannte zu sehen und 
kennen zu lernen. 
Zuweilen konnte er sich jedoch des Gedankens nicht erwehren, 
daß vielleicht eine Mystifikation im Spiele sei, daß sich die Louise 
ebenso wie sein Bursche mit fremde« Federn schmücke. Aber die 
wiederholten Versicherungen des Letzteren und das enthusiastische 
Lob, das derselbe dem Geist der Geliebten ertheilte, ließen dm 
Verdacht einer absichtlichen Täuschung nicht aufkommen, noch dazu, 
da Grützner auf die Fragen des Lieutenants jede Hilfe und Ein» 
Mischung eines Dritten hartnäckig in Abrede stellte. 
(Fortsetzung solgt.)
        

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