Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/144/
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sich nun sehr wohl annehmen, daß sie, wie die besten Güter 
des Landes, so die Herrschaft über das Land selbst von den 
fränkischen Königen erhalten haben. In der Erbfolge wurde 
in diesem Geschlechte folgende bernerkenswenhe Ordnung be> 
folgt: Der älteste Sohn erhielt die politische Gewalt und hieß 
Präses. Waren mehr als zwei Söhne, so wurde der zweite 
Sohn Graf von Bregenz, der jüngste aber erhielt die geistliche 
Gewalt und wurde Bischof von Ehur. So ging es durch alle 
Generationen hindurch bis zum letzten männlichen Sprossen 
des Geschlechtes, Bischof Tello (753—773), der die geistliche 
und weltliche Gewalt in einer Hand vereinigte. 
—" ■■■■ >"> 
Vaduz, 16. Sept. Die Gemeinde Vaduz hat vor einigen 
Tagen für die neue Kirche wieder ein sehr werthvolles Ge- 
schenk erhalten. Es besteht in einer neuen Fahne, die Herr 
Jos Rheinberger, Professor am Conservatorium in München, 
der Gemeinde widmete. Die Fahne ist aus feinster rother Da- 
mastscive und im rein qothischen Style gehalten. Auf der einen 
Fläche ist das sehr gelungene Bildniß der heil. Cacilia nach 
dem berühmten Gemälde von Rafael. Da das Bildniß nicht 
gemalt, sondern mit wirklich bewunderungswürdiger Kunstfertig- 
keit gestickt ist, so gewinnt es hievurch bedeutend an Werth. 
Auf der anderen Fläche ist in großen goldgestickten Lettern die 
Widmung angebracht. Die Randverzierungen find ebenfalls 
gestickt und dem Ganzen entsprechend in gochischer Form durch- 
geführt. Wer diese Fahne und diejenigen vom Paramenten- 
comite bestellten Fahnen zu vergleichen Gelegenheit hatte, dem 
wird der Unterschied zwischen ächter einfacher Kunstarbeit und 
farbenreichem Flitter bald in die Augen falten. 
Schaan, 46. Sept. Bahn verkehr. Schon bei der Er- 
offnung der Vorarlberger Eisenbahn Hörle man hierfeits lame 
Klagen über die hohen Frachtsätze und theuren Fahrtaxen auf 
der Strecke Schaan-Buchs, da man bekanntlich diese halbe 
Wegstunde gleich einer Meile bezahlen muß. 
Als dann zudem noch die Frachten und.Zölle in öfter/ 
reichische Währung Banknoten reduzirt wurden, und'nicht etwa 
zum Tageskurs, sondern 4% stets über dem sei den, so wurde 
dieS von unö Liechtensteinern doppelt schwer empfunden, da 
wir in der Rege! die Banknoten erst kaufen und dann wieder 
1—2% verlieren mußten; zahlten wir mit Silber das sfctahii« 
amt, so hatten wir auch da eine Einbuße von 2%. Also 4% 
Verlust bei der ersten Umrechnung in Banknoten und 2% 
AgiotageManco bei der zweiten Umrechnung der Banknoten 
in Silber macht 6%, vielleicht gerade so viel, als anderswo 
die Fracht auf einer Strecke von einer halben Wegstunde be 
tragen würde. 
Nun kommt eS aber immer besser! Jetzt nimmt man uns 
hier auf der Station Schaan die Zoll- und Frachtgelder weder 
Person nicht von einem weiblicheil Wesen beschämen lassen will/ 
„Jetzt verstehe ich dich erst. Du fürchtest, dich vor ihr zu 
blamiren, weil Du nicht so gut schreiben kannst wie sie." 
„O! mit dem Schreiben geht es noch an, mir fehlt nur 
was man den Styl nennt Auf eine Postkarte versteh' ich mich 
ganz gut; da schreibt man d'rauf, wie Einem der Schnabel ge 
wachsen ist, und kann sich auch kurz fassen, zum Beispiel: ich bin 
gesund und hoffe desgleichen; vergiß mcht, mir Butter und Zigarren 
zu schicken; im Uebrigen verbleibe ich Dein Dich liebender Hans 
Grützner. — Das bringe ich fertig, aber so ein langer Brief 
mit Liebe und Gefühl ist kein Kinderspiel und macht Einem 
Kopfschmerzen, wenn mau keinen Briefsteller oder sonstige Unter- 
terstützuug hat." 
„Du thust mir leid," scherzte der Lieutenant, „und wenn ich 
Dir helfen kann —" 
„Einzigster, bester Herr Lieutenant!" rief der hocherfreute 
Grützner. „Da würden Sie mir einen großen Gefallen thun. 
Mir ist es nur allein von wegen der Blamage." 
„Wenn ich aber an deiner Stelle antworten soll, so muß ich 
1 in österreichischer Währung Silber, noch in Banknoten ent- 
gegen — Franken müssen es sein, ob man solche hat oder 
nicht; — zum großen Gefallen kann der österreichische Silber- 
gülden noch zu 2 Fr. 35 Rp. angebracht werden; so lautet 
die Instruktion und liegen auch Belege vor. 
Da steigt doch gewiß jedem Phlegmatiker das Blut in den 
Kopf! Also k. k. österreichisches Silbergeld soll von österreichi- 
schen Bahnämtern nicht mehr'oder mit diesem hohen Verluste 
Mos angenommen werden, und auf den schweizerischen Bahn- 
ämtern gelte der Silbergulven heutzutage noch 2 Fr. 45 Rp. 
Das klingt doch zu spanisch! — 
Welche Sympathien werden solche Maßregeln für die zu» 
künftige Zollvertmgserneuerung erregen, wenn jetzt selbst öster- 
reichischer Seils ihr eigenes Silbergeld entwerthet wird? Was 
werden wir dann einstens von der Zollentschadigungösumme 
ziehen, die zum Theile blos in Banknoten bezahlt wird? Solche 
Gedanken müssen nolens volens jedem Liechtensteinischen Patrio 
ten aussteigen. 
Es ist übrigens noch beizufügen, daß dieser Vorwurf nicht 
etwa auf untergeordnete Bahnbeamte gemünzt ist, denn diese 
haben ihre Instruktionen so; — woher aber diese verhaßten, 
unpraktischen Anordnungen kommen, worüber alles schimpft, 
wer mit der Vorarlbergs Bahn veikehren muß, dies kann sich 
jeder selbst herausbividiren. F. W 
(Anmerk. d. Red. Wenn es wirklich seine Richtigkeit hat, 
daß die schweizerischen Bahnämter den österreichischen Gulden 
heutzutage uoch zu 2 Fr. 45 Rp. nahmen, hingegen die vor- 
arlbergischen Bahnämter im Verkehre mit der Schweis zu nur 
2 Fr. 35 Rp., so müssen wir der Kritik des geehrten Einsen« 
ders beipflichte» Wir möchten jedoch dies noch bezweifeln, da 
es doch wahrhaftig zu arg wäre, wenn eine k. k. österreichische 
Bahngeselljchaft das eigene Geld im Verkehre mit.der Schweiz 
geringer taxiren würde als die Schweiz selbst. Daß die Direktion 
der Vorarlberger Bahn die Frachten von uud nach dem Aus- 
lande in den betreffenden ausländischen. Wahrungen gezahlt 
haben will, kann ihv nicht zur Last gelegt werden, da sie hiezu 
im Verkehre mit dem Auslände nothwendig gezwungen ist, 
wenn ste nicht selbst Schaden leiden will. Hiefür ist nicht die 
Direktion der Vorarlberger Bahn, sondern das Vorgehen Deutsch- 
lands und der Schweiz, von wo die Entwmhung des öster 
reichischen SilberguldenS ausging, verantwortlich zu machen 
Wir bemerken übrigens noch, daß im inneren Verkehr obige 
Verordnung der Vorarlberger Bahndirektion natürlich keine 
Giltigkeit hat, sondern nur für den Frachtverkehr mit dem Aus- 
lande gilt.) 
mm „'I III ■■Hill III | «Ii ■ —U|_____ 
doch zuvor den Brief Deines Schatzes lesen. — Es stehen doch 
keine Geheimnisse darin?" 
„Gott behüte! Die Louise ist ein anständiges Mädchen, 
was wir uns zu schreiben Haben, kann jedes Kind wissen." 
Mit diesen Worten reichte der Bursche seinem Herrn den 
so gepriesenen Brief, den dieser mit boshaftem Lächeln entgegen- 
nahm. Bald jedoch verwandelte sich der Spott des Offiziers 
in ein unverkennbares Erstaunen, das von Satz zu Satz sich 
steigerte. In jeder Zeile, aus jedem Wort der Schreiberin ath- 
mete eine natürliche Aumuth, eine Innigkeit des Gefühls, eine 
Zartheit der Empfindung und eine weibliche Feinheit, die um so 
inehr überraschen mußte va sich alle diese Eigenschaften ver- 
eint in dem Briefe eines gewöhnlichen Dienstmädchens fanden, 
so daß der Lieutenant seinen eigenen Augen nicht trauen wollte. 
„Das geht mcht mit rechten Dingen zu," sagte er nachdenk- 
kich, nachdem er bis zu Ende gelesen. „Unbegreiflich! Weißt 
Du sicher, daß das Mädchen den Brief geschrieben hat?" 
„Das steht bombenfest!" versetzte der ehrliche Grützner „Ich 
werde doch ihre Handschrift kennen?"
        

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