Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/139/
Liechtensteinische 
Vaduz, Freitag 
Nr. 34. 
den 12. September 1873. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl.lOfr. fammt 
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werden franco erbeten an die Redaction in Vaduz. 
Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
4. Einführung deS ChristenthumS. 
Die Römer verbreiteten unter den unterjochten Völkern 
Kultur und Bildung, was aber die Religion betrifft, so konnten 
sie den besiegten Barbaren nicht viel Besseres bieten, als diese 
selbst besaßen. Die Ausdehnung des römischen Reiches diente 
jedoch dazu, der wahren Religion, dem Christenthum schnell 
und leicht bei allen Völkern Eingang au verschaffen. Aller 
dings verfolgten die meisten römischen Kaiser die Anhänger der 
christlichen Religion, aber daS hinderte die Ausbreitung derselben 
keineswegs. Der leichte Verkehr durch daS ganze römische Reich 
bewirkte, daß es bald keine Provinz ohne Christen mehr gab. 
Ohne Zweifel zählte auch Ratten sehr bald Christen. Ange 
sehene Kirchenhistoriker halten es für wahrscheinlich, daß bereits 
unter Nero und Domitian einzelne Christen sich vor den Ver- 
folgungen dieser Kaiser nach Rätien flüchteten. Bereits i 18 
n. Chr. mußte Italiens, der ComeS von Rätien, all' seinen 
Eifer aufwenden, um dem überhandnehmen des ChristenthnmS 
Schranken zu setzen. Als eigentlicher Apostel von Churrätien 
wird der heil. Luzius verehrt. Ueber sein Leben sind verschie- 
dene, theilweise sich widersprechende Legenden auf uns gekom- 
men. Wir geben hier die Hauptzüge seines Lebens nach den 
ältesten und zuverläßigsten Quellen. Durch einen Apostelschüler, 
den Römer Timotheus, welcher eine MissionSreise nach Gallien 
und Britanien machte, wurde LuziuS, König von Britanien, 
zum Christenthume bekehrt. Später faßte derselbe selbst den 
Entschluß, das Evangelium zu predigen und erhielt biezu vom 
Papst Eleutherius die nachgesuchte Erlaubniß. Das Ziel seiner 
Reise war Churrätien. In Augsburg hielt er sich einige Zeit 
auf und bekehrte den Patnzier Campester. Darauf begibt sich 
der heil. LuziuS nach Chur, wo er nach längerer und ange- 
strengte? Thätigkett viele bekehrt. Als er sich sodann auf daS 
Land begibt, wird er von den Landbewohnern in eine Grube 
geworfen, von den Christen aber herausgezogen. Nach dieser 
Rettung betet er für seine Feinde und rührt diese dadurch so, 
daß sie sich bekehren und ihn im Triumphe in die Stadt be- 
gleiten, wo er späterhin im Frieden verschied. Sein Tod mag 
etwa in das Jahr 189 n. Chr. fallen. Außer diesen Nachrichten 
über den Landesapostel sind auS der römischen Zeit über daS 
Christenthum in Rätien fast keine Nachrichten auf uns gekom 
men. Man nimmt jedoch mit Recht an, daß schon zu dieser 
Zeit in Chur ein Bisthum bestanden haben muß. Es gilt 
nämlich als Regel, daß nach der Völkerwanderung zuerst da 
wieder Bisthümer zu treffen sind, wo vor derselben ein solches 
beständen hat. Nun treffen wir bereits 452 einen Bischof Asimo 
von Chur. Hatte nicht schon zur Römerzeit ein BiSthum be- 
standen^ in den unruhigen Zeiten der Völkerwanderung hätte 
eS gewiß nicht gegründet werden können. Bestand nun schon 
unter römischer Herrschaft ein BiSthum, so muß auch die Zahl 
der Christen in Churrätien bereits eine große gewesen sein. 
Im Anfang des 4. Jahrhunderts wurde das Christenthum 
statt einer verfolgten zu einer beschützten und bevorzugten Re- 
ligion und von da an mag eS auch in Rätien noch weit mehr 
sich ausgedehnt haben. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Elsaß-Lothringen hat einen blühenden StaatS- 
Haushalt, für Schulen verwendet es % Million jährlich mehr, 
als früher und hat weniger Steuern, als eS seiner Zeit an 
Frankreich zahlte, geschweige jetzt zahlen müßte. 
Feuilleton. 
Durch die Feldpost. 
Humoreske von Max Ring. 
1. 
„Zum Sterben langweilig!" seufzte der Lieutenant v. Hart- 
leben, der schon seit Monaten bei der dritten leichten Feldbatterie 
vor Paris stand. 
„Zu Befehlen, Herr Lieutenant!" antwortete sein getreues 
Echo, der Offiziersbursche Hans Grützner aus Berlin. „Tag für 
Tag dieselbe Suppe mit blauen Bohnen; vom frühen Morgen 
bis zum späten Abend da$ ewige. Geschieße, daß Einem der Kopf 
brummt." 
„Und keine Abwechslung, keine Zerstreuung. Es ist nicht 
zum Aushalten." 
„Soll ich vielleicht einen Kaffee kochen?" 
„Du willst mich wohl mit Deinem höllischen Gebrän ersäufen?" 
„Zu Befehlen, Herr Lieutenant!" erwiederte der Bursche. „Ich 
dachte nur, daß eine Tasse Mokka Sie auf andere Gedanken 
bringen würde." 
„Meinetwegen!" versetzte der Lieutenant, indem er seine zehnte 
Zigarre anzündete, die jedoch zu seinem Aerger keine Luft hatte. 
„Es wird wohl eine von den Liebesgaben sein, die niemals 
nicht brennen wollen!" bemerkte Grützner, der auf dem wackeln- 
den Tisch den Kaffee in der Blechmaschine bereitete. 
„Lass' Deine schnodrigen Berliner Redensarten sein und halte 
deinen ungewaschenen Mund," entgegnete der verdrießliche Offizier. 
Bald darnach herrschte in dem wüsten Zimmer, das dem 
Offizier zum Quartier diente, ein tiefes Stillschweigen, welches 
nur durch das Knistern der Spiritusflamme, durch das Zischen 
des siedenden Wassers und das laute Gähnen des gelangweilten 
Lieutenants unterbrochen wurde. Selbst das Schießeu von dem 
nahen Mont Valerien, oder wie er er im Soldatenmünd hieß, 
von dem „Onkel Baldrian" hatte aufgehört. 
Es war wirklich zum Sterben langweilig und die ungewohnte 
Ruhe wahrhaft drückend, Ä)azu kam noch der aschgraue Winter- 
Himmel, die mit fußhohem Schnee bedeckte, in ein einförmiges
        

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