Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/136/
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Gesundheitszustandes versichert ist Aber auch im Lande selbst 
müßte der Viehverkehr in so weit beschränkt werden, daß jeder 
Stall, in welchen Thiere eingeführt wurden, acht Tage lang 
für den Viehhandel verschlossen bleibt. 
Die Bundesbehörden sind'überzeugt, daß eine weiter gehende 
Beschränkung des Verkehrs auch sicherer und schneller zur Til- 
gung der Seuche geführt hätte, aber Rücksichten auf die all- 
seitigen Bedürfnisse des Lebens und die Scheu vor jeder Maß- 
regel, welche eine Steigerung der Preise der wichtigsten Lebens- 
mittel zur Folge haben müßte, ließ dieselben bei den allernoth- 
wendigsten Maßregeln stehen bleiben. 
Um so dringlicher ist nun aber eine unnachsichtliche strenge 
Voltziehung aller Vorschriften. Aber die Behörden allein ver- 
mögen diese wichtige Aufgabe nicht zu erfüllen. Der günstige 
Erfolg würde ausbleiben, ohne die ernste und andauernde Mit- 
hülfe aller guten Bürger. Thut aber jeder zur Erreichung des 
gemeinschaftlichen Zweckes, was er an seinem Orte zu thun 
vermag, so ist es nicht unmöglich, daß wir vor Eintritt des 
Frühlings unser Ziel erreichen Die vorübergehenden Er« 
schwerungen des Verkehrs drücken in der Mnterzeit nicht merk- 
lieb. Wenn wir aber bei der Bergfahrt die Seuche wieder auf 
die Alpen verschleppen, so ist die Schädigung für ein ganzes 
Jahr unvermeidlich, und die Zuversicht für neue polizeiliche An- 
strengungen im folgenden Winter geschwächt 
Der Viehbesitzer lasse sich nicht täuschen durch die Anprei- 
sung von Vorbauungskuren; er suche vielmehr seinen Viehstand 
vor Ansteckung zu bewahren, indem er die Berührung fremder 
Personen mit demselben vermeidet, den Einkauf auf daS aller- 
notwendigste beschrankt, und weder selbst noch durch seine Dl- 
gehörigen mit verseuchten Thkeren oder Lokalen in Berührung 
gelangt 
Wer bei seinem Viehstand Spuren der Seuche wahrnimmt, 
vermeide alle Kuren, mache sofort Anzeige und helfe ehrlich 
mit, die Verschleppungen zu verhindern, die auch für ihn wie- 
der zur Gefahr werden können. 
Wenn die Behörden der Gemeinden nnd des Staates, die 
Polizei, die Beamten und Angestellten der Eisenbahn- und 
— Dein Meisterstück bleibt nun liegen." Da lächelte Friedrich 
ganz verklärt vor Wonne und sprach: „Rem, lieber Meister, ist 
es Euch recht, so vollende ich nun mit Lust und Muth mein 
tüchtiges Faß als meine letzte Küperarbeit, und kehre dann zurück 
zum Schmelzofen." „£) Du mein guter, braver Sohn!" rief 
Meister Marin, dem die Augen funkelten vor Freude, „ja, Dein 
Meisterstück fertige, und dann gibts Hochzeit." 
- Friedrich hielt sein Wort; er vollendete sein zweifudriges 
Faß, und Alle erklärten, ein schöneres Stück Arbeit sei nicht leicht 
gefertigt worden, worüber denn Meister Martin gar innig sich 
freute und überhaupt meinte, einen trefflicheren Eidam hätte ihm 
die Fügung des Himmels gar nicht zuführen können. 
Der Hochzeitstag war endlich herangekommen; Friedrichs 
Meisterfaß mit edlem Wein gefüllt und mit Blumen bekränzt, 
stand auf dem Fluy des Hauses aufgerichtet^ die Meister des 
Gewerks, den Rathsyerrn Iakobus Paumgartner an der Spitze, 
fanden sich ein mit ihren Hausfrauen, dßnen vre Meister Gold-- 
schmiede folgten. Eben wollte sich der Zug nach St. Sebaldus- 
kirche begeben, wo das Paar getraut werden sollte, als Trompe- 
tenfchall auf der Straße erklang und vor Martins Haus Pferde 
wieherten und stampften. Meister Martin eilte pn das Erker 
fenster. Da hielt vor dem Hause Herr HeiMch Hvy Spangen- 
berg in glänzenden Festkleidern, und einige Schritte hinter ihm 
auf einem muthigen Rosse ein junger hochherrlicher Ritter, das 
funkelnde Schwert an der Seite, hohe, bunte Federn auf dem mit 
strahlenden Steinen besetzten Baret. Neben dem Ritter erblickte 
Herr Martin eine wunderschöne Dame, ebenfalls herrlich ge- 
kleidet, aus einem Zelter, dessen Farbe frisch gefallener Schnee 
war. Pagen und Diener in bunten und glänzenden Röcken bil 
deten einen Kreis rings umher. Die Trompeten schwiegen und 
Zollverwaltungen, die Thierärzte und Viehinspektoren alle ge- 
wissenhaft ihre Pflicht thun; wenn ibnen die Gerichts- unv 
Verwaltungsbehörden durch Bestrafung der Fehtbaren an die 
Seite stehen; wenn sie bei allen guten Bürgern Unterstützung 
finden, und insbesondere die Viehbesitzer selbst sorgfältig thun, 
was zum Schutz ihres ViehstandeS dient; dann, aber auch nur 
dann — dürfen wir hoffen, von einer mehrjährigen Landes« 
plage wieder befreit zu werden. 
Baduz, 2 Scpt Am Schlüsse der Fremdensaison scheint 
auch das vergessene Vaduz noch etwas an das Tageslicht treten 
zu wollen.' Wie Vielen bekannt sein wird, ist in der „Angsb. 
Allg. Ztg." vor einiger Zeit ein Artikel über Liechtenstein von 
Schletterer erschienen, worin das wenig gekannte, kleine Für- 
stentbum in einer feör schmeichelhaften, fast poetischen Weise 
geschildert wird. Dieser Artikel mag wohl hauptsächlich dazu 
beitragen, daß wir in jüngster Zeit mehr Fremde als gewöhn- 
lich in Vaduz sehen. Unter den Fremden, 7>ie hier waren, er- 
wähnen wir den bekannten deutschen Reichstagsabgeordneten 
Dr. Volk aus Augsburg. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Schon vor geraumer Zeit hatte der würt- 
tembergische Minister v. Mitmacht sich veranlaßt gefunden, 
Beschwerde zu erheben gegen das bisherige Verfahren, wonach 
die Gesetzentwürfe für das deutsche Reich lediglich im preußi- 
schen Ministerium vorbereitet werden, ohne daß die Regierungen 
der übrigen Bundesstaaten Gelegenheit erhalten, sich vorher 
darüber auszusprechen. Wie die „Kölner Ztg." berichtet, soll 
der Bundesrath auf diese Klage weiter gehen, als beabsichtigt, 
indem im Reichskanzleramt eine eigene Äbtheilung für die Ge- 
setzgebung eingerichtet werden soll, , woran die, Mitglieder aus 
sämmtlichen Bundesstaaten Theil nehmen werden. Wäre das 
von Anfang an geschehen, so würden wohl verschiedene Ge- 
setze, u. A. auch das deutsche Münzgesetz, wohl eine etwas 
veränderte Physiognomie erhalten haben. 
der alte Herr von Spangenberg rief herauf: „Hei, hei, Meister 
Martin, nicht Euers Weinkellers, nicht Eurer Goldbatzen halber 
komme ich her, nur weil Rosas Hochzeit ist; wollt ihr mich ein 
lassen, lieber Meister?" — Meister Martin erinnerte sich wohl 
seiner Worte, schämte sich ein wenig und eilte hinab, den Junker 
zu empfangen. Der alte Herr stieg vom Pferde und trat grüßend 
in's Haus. Pagen sprangen herbei, auf deren Armen die Dame 
herabglitt vom Pferde, der Ritter bot ihr die Hand und folgte 
dem alten. Herrn. Aber sowie Meister Martin den jungen Ritter 
anblickte, prallte er drei Schritte zurück, schlug die Hände zusammen 
und rief: „O Herr des Himmels! — Konrad!" — Der Ritter 
sprach lächelnd: „Ja wohl, lieber Meister, bin ich Euer Geselle 
Konrad. Verzeiht mir nur die Wunde die ich Euch beigebracht. 
Eigentlich, lieber Meister, mußt' ich Euch todtschlagen, das werdet 
ihr wohl einsehen, aber nun hat sich ja Alles ganz anders ge- 
fügt." Meister Martin erwiederte ganz verwirrt, es sei doch 
besser, daß er nicht todtgeschlagen worden, aus dem bischen Ritzen 
mit dem Lenkbeil habe er sich gar nichts gemacht. Als Martin 
nun mit den neueren Gästen eintrat in das Zimmer, wo die 
Brautleute mit detz Uebrigen versammelt waren, gerieth alles in 
ein frohes Erstaunen über die schöne Dame, die der holden Braut 
so auf ein Haar glich, als sei es ihre Zwillingsschwefter. Der 
Ritter nahte sich mit edlem Anstände der Braut und sprach: 
„Erlaubt holde Rosa, daß Konrad Enerm Ehrentage beiwohne. 
Nicht wahr, Ihr zürnt nicht mehr dem unbesonnenen Gesellen, 
der Euch beinahe großes Leid bereitet? Als nun aber Braut undBräu- 
tigam und der Meister Martin sich ganz verwundert und verwirrt an- 
schauten, rief der alte Herr von Spangenberg: „Nun, nun ich muß 
Euch wohl aus dem Traume helfen. Das ist mein Sohn Konrad, und 
hier möget Ihr seine liebe Hausfrau, so wie die holde Braut, Rosa
        

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