Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/13/
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Abeken ein tüchtiger Mitarbeiter gestorben. Er habe selbst 
Roon gebeten, daS preußische Ministerpräsidium zu übernehmen, 
er habe zu ihm, wie zu wenigen Andern das Vertrauen. Roon 
habe sich sehr schwer herbeigelassen, und nur des Kaisers Wort 
habe den allen Soldaten bestimmt. Er, Bismark, sei keinen 
Jntriguen zum Opfer gefallen und eS bestehe kein Zwiespalt 
zwischen dem Reichskanzleramt und dem preußischen Ministerium. 
Im preußischen Landlage haben die Debatten über die 
neuen Kirchengesetze begonnen, nachdem bereits eine Kommission 
diese Frage vorberathen hatte. Artikel 15 und 18 der preußi 
schen Verfassung sollen künftig folgendermaßen lauten: Art. 
15: „Die evangelische und die römisch-katholische Kirche und 
jede andere Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre 
Angelegenheiten selbständig, bleibt aber den S t a a t S g e- 
setzen und der gesetzlich geordneten Staatsaufsicht un- 
terworfen. Mit gleicher Maßgabe bleibt jede Religions- 
gesellschaft im Besitz und Genuß der für Kultus, Unterrichts- 
und Wohlthatigkeitszwecke bestimmten Anstalten, Stiftungen und 
Fonds." Art. 18: „Das Ernennungs-, Vorschlags-, Wahl- 
und Bestätlgungsrecht bei Besetzung von Kirchen stellen, so weit 
dem Staate zusteht und nicht auf Patronat oder auf be- 
sondern Rechtstiteln beruht, ist aufgehoben. Auf die An- 
stellung von Geistlichen beim Militär und bei öffentlichen An- 
stalten findet diese Bestimmung keine Anwendung. Im Ueb- 
rigen regelt das Gesetz die Befugnisse des Staates hinsichtlich 
der Vorbildung, Anstellung und Entlassung der 
Geistlichen, und stellt die Grenzen der kirchlichen Disziplinar- 
gewalt fest." 
Oesterreich. Von der Wahlreform ist es wieder still 
geworden. Nach einigen Zeitungsberichten soll sogar die Er- 
ledigung dieser Frage noch bedeutend hinausgeschoben werden. 
Dagegen tritt eine andere, anfänglich ganz unschembare Frage 
in den Vordergrund. Es ist dies die Beamtenvorlage. Das 
Kabinet ist im Gegensatze zu der Mehrheit des Finanzaus- 
schussts der Ansicht, daß die Einteilung der Beamten in die 
vom Gesetze lystemisirten neuen Rangklassen im Wege der 
Exekutive zu erfolgen habe, während die Linke das Recht der 
Legislative bierauf gewahrt wissen will. Es steht bei dieser 
Frage die Ledensstellimg von nicht weniger als 23,455 Be- 
Amte» in Diskussion. Zu dieser Anzahl von 23,455 öfter- 
reichischen Beamten sind noch 1379 Mos abjutirre Hilfsar 
beiter (Aspiranten) und 15,507 Diener beizuzählen, um an 
diesem Umfange des österreichischen Beamtenheeres die Größe 
und Tragweite dieser Frage richtig beurtheilen zu können. 
AuS Vorarlberg berichtet die Feldkircher Zeitung, daß die 
Gemeinden HohenemS, Lüsten au, Höchst und Dornbirn wegen 
bedurfte, aushalf, zugleich ihn aber den ärgsten Sonderling schalt, 
den es wohl je gegeben 
Das Schicksal, sprach er, gibt uns Winke, auf welchem Wege 
'wir unser Heil suchen sollen und finden, uur in unserer Indolenz 
liegt es, wenn wir diese Winke «icht beachten, nicht verstehen. 
Dir hat die höhere Macht, die über uns gebietet, sehr deutlich 
in'S Ohr geraunt: Willst du Geld und Gut erwerben, so gehe 
hin und spiele, sonst bleibst du arm, dürftig, abhängig immer- 
dar. 
Nun erst trat der Gedanke, wie wunderbar das Glück ihn 
an der Farobank begünstigt hatte, lebendig vor seine Seele, und 
träumend und wachend sah er Karten, hörte er das eintönige 
— gagne — perdu des Bankiers, das Klirren der Goldstücke! 
Es ist wahr, sprach er zu sich selbst, eine einzige Nacht, wie 
jene, reißt mich ans der Noth, überhebt mich der drückenden 
Verlegenheit, meinen Freunden beschwerlich zu fallen' es ist 
Pflicht, dem Winke des Schicksals zu folgen. 
Eben der Freund, der ihm zum Spiel gerathen, begleitete 
ihn in's Spielhaus, gab ihm, damit er sorglos das Spiel be- 
ginnen könne, noch zwanzig Louisdor. 
der in Altenstadt konstanten Lungrnseuche gegen das Oberland 
(von HohenemS aufwärts) absolute Viehsperre angeordnet haben. 
Ein Telegramm desselben BlatteS konstatirt auch, daß die 
Lungenseuche in HittiSau (Vregenzerwald) ausgebrochen sei. 
Frankreich. Die französische Nationalversammlung be- 
schäftigl sich gegenwärtig mit weniger hochpolitischen Gegen- 
ständen. So wurde ein Gesetz gegen die Trunksucht ansgear- 
beitet ; es ist nach demselben, wenn es streng gehandhabt wird, 
in Frankreich nicht mehr zu rathen, zu tief in's Glas zu gu- 
cken. Wichtiger und wohl auch unentbehrlicher ist das Gesetz 
über die Kinderarbeit in den Fabriken, welches eben behandelt 
und angenommen wird. Die Kinder sollen nach demselben vor 
dem erfüllten 19. Jahre nicht zur Fabrikarbeit verwendet wer- 
den. In Deutschland, der Schweiz und Nordamerika gilt die 
diesbezügliche Gesetzesverordnung bis zum 12. Jahre. 
Der kaiserliche Prinz „Napoleon IV." hat den Namen 
Graf Pierrefonds angenommen und ist in die Kriegsschule von 
Woolwich zurückgekehrt. 
Der „Ordre" bringt ein ans London vom 23. Januar 
datirtes Schreiben von Klemmt Duvernois, das man allge- 
mein als ein Manifest der Bonapartisten betrachtet. In dem- 
selben werden Chambord, die Orleans und die Republik für 
unmöglich erklärt und der kleine Louis als der Einzige darge- 
stellt, welcher Frankreich retten könne. 
Schweiz. Nach einem Telegramme des „freien Rhätiers" 
hat der Bundesrath die Vorlagen von Graubünden über An- 
forstungen und Verbauungen im Hochgebirge genehmigt und 
die Beitragsverhältnisse aus der Bundeskasse, wie aus der 
Hilssmillion festgesetzt. 
Das finanzielle Ergebniß des letztjährigen Eidgenössischen 
Schützenfestes in Zürich war ein günstiges; die vom Konnte 
festgesetzte Dividende beträgt 20% und es kann möglicherweise 
noch eine Nachzahlung an die Aktionäre geleistet werden, da 
die Rechnung noch nicht endgiltig abgeschlossen ist. 
Verschiedenes. 
Gewitter und Sturm am 19. v. M. Das plötzliche 
und ungewöhnlich tiefe Sinken des Barometers, dem bei uns 
das sturmartige Schneegestöber lsolgte und Manchen zuerst zu 
der Vermuthung brachte, sein Barometer wäre nicht mehr in 
gutem Zustande, scheint noch anderwärts beobachtet worden zu 
sein. In Paris fand zu dieser Zeit ein Gewitter von einer 
ganz ungewöhnlichen Heftigkeit statt. Während einer halben 
Stunde erfolgte Blitz auf Blitz und ein mit Hagel vermischter 
wolkenbruchartiger Regen verwandelte alle Straßen in einem 
Hatte der Chevalier damals, als er für - den alten Obri- 
sten pointirte, glänzend gespielt, so war dies jetzt doppelt der 
Fall. Blindlings, ohne Wahl zog er die Karten, die er setzte; 
aber nicht er, die unsichtbare Hand der höhern Macht, die mit 
dem Zufall vertraut oder-.vielmehr das selbst ist, was wir Zu- 
fall nennen, schien sein Spiel, zu ordnen. Als das Spiel geen- 
det, hatte er tausend Loyisdoh gewonnen. 
In einer Art von Betätigung erwachte er am andern Mor- 
gen. Die gewonnenen Goldstücke lagen aufgeschüttet neben ihm 
auf dem Tische. Er glaubte im ersten Augenblick zu träumen, 
er rieb sich die Augen, er erfaßte den Tisch, rückte ihn näher 
heran, als er in den Goldstücken wühlte, als er sie wohlgefällig 
zählte und wieder durchzählte, da ging zum ersten Mal wie ein 
verderblicher Gifthauch die Lust an dem schnöden Mammon 
durch sein ganzes Wesen, da war es geschehen um die Reinheit 
der Gesinnung, die er so lange bewahrt! — 
Er konnte kaum die Nacht erwarten, um an den Spieltisch 
zu kommen. Sein Glück blieb sich gleich, so daß er in wenigen 
Wochen/ während welchen er beinahe jede Nacht gespielt, eine 
bedeutende Summe gewonnen hatte. (Forts, folgt.)
        

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