Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/125/
der deutschen Angehörigen, Verständigung wo möglich mit den 
englischen und französischen Geschwadern zum Schutz der An- 
geHöngen der drei Länder durch alle Mittel, nötigenfalls selbst 
durch ein Bombardement anempfiehlt — Bismarck ist von sei- 
nen Rheumatismen wieder hergestellt. 
Oesterreich. Der Schah von Persien ist aus seiner euro- 
päischen Rundfahrt nun auch nach ^ien gekommen. Sein Be. 
nehmen soll auch dort sehr orientalisch gewesen sein. So soll 
der Schah die Kaiserin beleidigt haben, indem er ihr bedeuten 
ließ, er werde sie schon wissen lassen, wann er sie zu empfan 
gen gedenke. In Folge dessen ist die Kaiserin dem galanten 
König der Könige aus dem Wege gegangen, und als er sich 
später nach ihr zu erkundigen die Gnade hatte, erfuhr er, sie 
habe zu ihrem Bedauern abreisen müssen. Ferner fiel ihm ein, 
sich auf der Stiege, als er an der Seite des Kaisers in seine 
Gemächer ging, gegen diesen umzudrehen und. ihn durch eine 
Handbewegung zu entlassen. Der Kaiser, dem der Schah eigent- 
lich recht gestel, iqnorirte diese Taktlosigkeit utib soll hinterdrein 
viel darüber gelacht haben. 
Der König der Könige, d. h. der Schah, residirt in Laxen- 
bürg und hat einen Besuch des Kaisers und des Kronprinzen 
in Schönbrunn improvisirt; die Kaiserin ist nicht in Wien, 
sondern hat dem Schab ihr Bedauern aussprechen lassen, daß 
der Zustand ihrer Gesundheit sie zwinge, das Gebirge aufzu- 
suchen. In Laxenburg herrschen furchtbare Zustande, fast noch 
persischer als persisch; ohne mit Insektenpulver bis an die 
Zahne bewaffnet zu sein, möchte man Niemanden rathen, dort 
einzutreten, wo der Sohn der Sonne eigenhändig Hammel 
schlachtet und Hühner absticht und das halbgeröstete Fleisch 
dann mit den Fingern zum Munde führt. Am Abend des 
ersten Tags nach seiner Ankunft brannten in der unmittelbaren 
Nähe von Laxenburg einige Gebäude nieder; der Schah, der 
alle Dinge in der Welt mit seiner Person in Verbindung setzt, 
hielt den Brand für eine pyrotechnische Ueberraschung und bat: 
er sei müde, ihn für heute damit zu verschonen. 
Auch in Genf, heißt es jetzt, habe er im Hotel des Bergues 
sein Logis so zugerichtet, daß es neu meublirt werden müsse. 
England. Wie in Frankreich und in der Schweiz, so ist 
nun auch die Kammer von London leer geworden. Die eng- 
tischen Parlamentsherren sind in die Ferien gegangen. Die 
Thätigkeit deS englischen Parlaments im laufenden Jahre ist 
von weniger großer Bedeutung. Seit 1867 sind jedoch durch 
die Thätigkeit des Ministeriums Gladstone verschiedene nützliche 
Reformen in den inneren Staatsverhältnissen zu Stande ge- 
kommen: so die Entkleidung der anglikanischen Kirche in Ir 
land von verschiedenen ungerechten Vorrechten, welche sie lange 
auf Kosten der armen Jrländer genossen hatte, Herstellung ge- 
schied genommen von der schönen Rosa und dem würdigen 
Meister Martin." „Wie," sprach Friedrich, dem es durch alle 
Glieder fuhr, wie ein elektrischer Strahl, „wie, Du willst fort, 
da Martin Dich zum Eidam haben will und Rosa Dich liebt?" 
— „Das, lieber Bruder," erwiederte Neinhold, „hat Dir Deine 
Eifersucht vorgeblendet. Es liegt am Tage, daß Rosa mich ge- 
nommen hätte zum Mann aus lauter Frömmigkeit und Gehorsam, 
aber kein Funken von Liebe glüht in ihrem eiskalten Herzen. „Ha, 
ha! — ich hätte eine tüchtiger Küper werden können. Wochen- 
tags mit den Jungen Bände geschabt und Dauben gehobelt, Sonn- 
tags mit der ehrbaren Hausfrau nach St. Katharina oder St. 
Sebald, und Abends auf die Allerwiese gewandelt, Jahr aus 
Jahr ein." — „Spotte nicht," unterbrach Friedrich den laut auf- 
lachenden Reinhold, „spotte nicht über das einfache, harmlose 
Leben des tüchtigen Bürgers. Liebt Dich Rosa wirklich nicht so 
ist es ja nicht ihre Schuld, Du bist aber so zornig und wild." — 
„Du hast Recht," sprach Neinhold, „es ist auch eine dumme 
Art, daß ich, fühle ich mich verletzt, lärme wie ein verzogenes 
Kind. Du kannst denken, daß ich mit Rosa von meiner Liebe 
setzlicher Zustände auf der Schwesterinsel Irland, Hebung der 
Volksschulen ic. 
Bezüglich der äußern Politik ist England seit einer Reihe 
von Jahren sehr zurückgezogen geworden, Aus Klugheit glaubt 
eS besser zu thun, sich so wenig als möglich in die europäische 
Diplomatie zu mischen. Darum wird auch von England weni 
ger gesprochen und zwar zu seinem Vortheil, denn daS Sprüch- 
wort sagt ja: Glücklich das Land, von dem wenig gesprochen 
wird. — Auch ein Trost für unser kleines Vaterländchen. 
Frankreich. Von Frankreich hingegen wird gegenwärtig 
wie schon seit langen Zeiten sehr viel, ja am meisten gesprochen 
und geschrieben, es lebt aber auch in nichts weniger als be- 
neidenswerthen Verhältnissen. Die Nationalversammlung ist 
zwar, wie wir in der letzten Nummer schon meldeten, in die 
Ferien gegangen, aber dessenungeachtet rumorirt es gegenwartig 
wie nur einmal. Bald besteht die Republik drej Ja,h.rx, fjlr 
die Franzosen eine lange Zeit, sie wollen zur Abwechslung nuy 
wieder einen König. Die Ferien werden als günstiger Zeit- 
Punkt zur ausgedehntesten Agitation in diesem Sinne verwendet. 
Die Einen wollen zunächst Mae Mahon auf 5 Jahre konfoli- 
diren, Andere geradezu die Monarchie proklamiren. 2^6 KMpi- 
baten stehen da: Die beiden Bourbonenlinien (Graf von Paris 
und Graf von Chambord) und der junge Napoleon. Nach 
vielen Berichten ist eine Fusion der beiden Bourbonenlinien be- 
reits zu Stande gekommen. Wer schließlich den Thron er- 
obern wird, läßt sich noch nicht voraussehen. Macht auch 
nicht viel zur Sache, wenn die Franzosen zur Abwechslung nur 
bald wieder einen König haben. 
Daß die Franzosen übrigens große Zukunftspläne hegen, 
mag folgende Prophezeiung beweisen, die in einer französischen 
Zeitschrift veröffentlicht wurde und jetzt in der Presse die Runde 
macht. In dieser Prophezeiung heißt es: „Ein neuer Krieg 
wird bald zwischen Frankreich und Preußen ausbrechen, Ein 
fürchterliches Kriegswerkzeug wird von einem Franzosen er- 
funden werden." 
Dann folgt die Beschreibung der ersten Kriegsbegebenheiten 
und endlich die der entscheidenden Schlacht und ihrer Folgen: 
„Am Vorabend der großen Schlacht fordern die Italiener Nizza 
zurück und dringen schon in der Richtung auf Lyon vor, abex 
so bald sie die allgemeine Niederlage der Preußen erfahren, 
gehen sie über die Grenze zurück. Entscheidende Schlacht zwischen 
den Franzosen und den Deutschen. Große Eile der Bewaff- 
nung; vollständiges Schweigen in dem französischen Heere; 
es ist aufgestellt auf einer unbewaldeten Höhe, hat zu seiner 
Rechten eine Ebene und vor sich einen Kanal, einen Wald und 
die Preußen in furchtbarer Anzahl. Der französische General 
verzweifelt an dem Erfolg, aber man beruhigt ihn." 
„Das Gefecht beginnt, die Niederlage der Preußen ist voll- 
und von dem guten Willen des Vaters sprach. Da stürzten ihr 
Thränen aus den Augen, ihre Hand zitterte in der meinigen. Mit 
abgewandten Gesicht lispelte sie: „ich muß mich ja in des Vaters 
Willen fügen!" Ich hatte genug. — Mein seltsamer Aerger muß 
Dich, lieber Friedrich, recht in mein Innerstes blicken lassen, Du 
mußt gewahren, daß das Ringen nach Rosa's Besitz eine Täusch- 
ung war, die mein irrer Sinn sich bereitet. Als ich Rosa's Bild 
vollendet, ward es in meinem Innern ruhig, und oft war freilich 
auf ganz wunderliche Art mir zu Muthe, als sei Rosa nun das 
Bild, das Bild aber die wirkliche Rosa geworden. Das! schnöde 
Handwerk wurde mir abscheulich, und wie mir das gemeine Leben 
so recht auf den Hals trat, mit Meister werden und Heirath, da 
kam es mir vor, als solle ich in's Gefängniß gesperrt und an 
den Block festgekettet werden. Wie kann auch nur HKs Himmels- 
kind, wie ich es im Herzen trage, mein Weib werden? Nein, 
in ewiger Jugend, Anmuth und Schönheit soll sie in Meister- 
werken prangen, die mein reger Geist schaffen wird. Ha, wie 
sehne ich mich darnach! Wie konnte ich auch nur der göttlichen 
Kunst abtrünnig werden! (Fortsetzung folgt.) 
r
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.