Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/123/
-W*i: 
S~iU~ 
Vaduz, Freitag 
Nr. 30. 
den 15. August 1873. 
Die liechtensteinische Wochenzeitnng erscheint jeden Freitag. Sie foflet*-für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl.10 kr. sammt 
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Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — Einrückungsgebühr für die gespaltene Zeile s kr. — Briefe und Gelder 
werden franco erbeten an die Redaction in Vaduz. 
Die geehrten Leser der „Liechtensteinischen Wochenzeitun^" 
werden darauf aufmerksam gemacht, daß wir das Material 
einer jeden neuen ZeitungSnummer regelmäßig Dienstag Abend 
in die Druckerei nach Feldkirch senden. Deßhalb mögen Inserate 
und Einsendungen, welche noch in der neuen Wochenausgabe 
berücksichtigt werden sollen, vor Dienstag Abend an die Redaktion 
gerichtet werden. 
Die Redaktion. 
Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
^Fortsetzung. ] 
So hörten bald alle Eigenthümlichkeiten der eroberten Pro- 
vinz aus, aber Gewerbe und Anbau des Landes nahmen einen 
bedeutenden Aufschwung. Kaiser sagt hierüber: „Ackerbau, 
Weinbau, Obst- und Gartenpflanzungen kamen überall in Auf- 
nähme, wo es die Beschaffenheit des Bodens erlaubte. Denn 
die Römer waren gute Landwirthe und zogen auch in den 
Zeiten, da die alte Zucht und Sitte verfiel und großes Ver- 
derben in die Gesellschaft einschlich und dieselbe vergiftete, den 
Aufenthalt auf dem Lande demjenigen in den Städten vor. 
Ein guter Landwirth zu sein, galt sonst bei ihneu für den 
größten Lobspruch; seinen Acker nicht wohl bestellen, war ein 
Vergehen, das der Censor oder Sittenrichter strafte. Einen 
Landwirth, der etwas kaufte, was ihm sein Gut liefern konnte, 
achteten sie für einen Schurken. Nicht großen Besitz, sondern 
ein mäßiges Gut hielten die alten Römer für einen Vortheil, 
weil man dieses besser besorgen könne; aber ihre Nachkommen 
dachten anders; daher kam es, daß die großen Landgüter, 
welche sich in den Händen Weniger anhäuften, Italien und 
Feuilleton. 
Meister Martin, der Kiifner, und seine Gesellen. 
Novelle von E. T. A. Hoffmann. 
(Fortsetzung.) 
Damals wollte ich nichts wissen von deutscher Kunst, und 
schwatzte, ohne Eure Bilder gesehen zu haben, viel von der 
Trockenheit, von der schlechten Zeichnung, viel von der Härte 
Eurer Dürer, Eurer Cranache. Da brachte aber einst ein Bilver- 
Händler ein Madonnenbildchen von dem alten Albrecht in die 
Galerie des Herzogs, welches auf wunderbare Weise mein Innerstes 
durchdrang, so daß ich meinen Sinn ganz abwandte von der 
Ueppigkeit der italischen Bilder, und zur Stelle beschloß, in dem 
heimatlichen Deutschland selbst die Meisterwerke zu schauen, auf 
die nun mein ganzes Trachten ging. Ich kam hieher nach Nürn- 
berg, und als ich Rosa erblickte, war es mir, als wandelte jene 
Maria, die so wunderbar in mein Innerstes geleuchtet, leibhaftig 
auf Erden. Mir ging es so wie Dir, lieber Friedrich, mein 
dHe Provinzen zu'Grunde richteten. In Rätien waren- Dom- 
leschg, die Grift, das Rheinthal. von Reichenau bis GötziS 
und das Jllthal fus Blud'enz auf dieser Seite der Alpen am 
besten'angebaut." Auch der Weinbau wurde in unseren Ge- 
genden 'betrieben und der ratische Wein stand bei den Römern 
in Ansehen. 
Neben diesem Aufschwünge der Kultur verbreitete sich, auch 
römischer Luxus und die Ausgrabungen zeigen an allen Etat- 
ten römischer Ansiedlung, daß eS selbst in unsern Bergthälern 
an römischer Ueberfeinerung nicht fehlte. 
Ein in Augsburg residirender Statthalter, der vom Kaiser 
ernannt wurde, regierte' Rätien und Vindelizien. Unter Kon 
stantin wurde Rätien dem Vikariate von Norditalien unterwor^ 
fen und zugleich die Civilgewalt von der militärischen getrennt. 
Für Rä(M wurde ein „präses". ernannt und mit der Civilge- 
walt betraut, während dem Heer ein „dux" vorstand. 
Neber die Ereignis in Rätien zur Zeit der römischen Herr- 
schast können wir uns kurz fassen. So lange bei den Römern 
Kraft und Energie^ fortdauerte, waren auch die Provinzen vor 
äußern Feinden sicher. 'Allein das Reich zerfiel nach und nach 
und damit wuckS^Uch der Muth seiner Feinde, besonders der 
Germanen. Bereits im Jahre 162 nach Chr. wagen die Ger- 
manen einen Einfall in Rätien. Oester ist dies im 3. und 
4. Jahrhundert der Fall. Da war das römische Reich gespal- 
ten und fast jedes Heer wählte seinen Anführer zum Kaiser, 
so das in Rätien um die Mitte des 3. Jahrh. den AureoluS, 
der aber bei Mailand von Marc Aurel geschlagen wurde. 
Einmal gab eS 30 solcher Soldatenkaiser. Bei solcher Zer- 
splitterung des Reiches wagten denn auch in Rätien die Ale- 
mannen zu wiederholtenmalen Angriffe. Kaiser Aurelian ver- 
trieb sie jedoch und sicherte die Grenzen. Besonders groß er- 
ganzes Wesen loderte auf in hellen LiebesflamMen. Nur Rosa 
schaute, dachte ich; alles Uebrige war aus meinem Sinn ver- 
schwunden, und mir die Kunst nur deshalb was Werth, weil 
ich hundertmal immer wieder und wieder Rosa zeichnen, malen 
konnte. Ich gedachte mich der Jungfrau zu nahen nach kecker, 
italischer Weise, all' mein Mühen deshalb blieb aber vergebens. 
Es gab kein Mittel, sich in Meister Martins Hause bekannt zu 
machen auf unverfängliche Werse. Ich gedachte endlich geradezu 
mich um Rosa, als Freier zu bewerben, da vernahm ich, daß 
Meister Martin beschlossen, seine Tochter nur einem tüchtigen 
Küpermeister zu geben. Da faßte ich den abenteuerlichen Ent- 
schluß, in Straßburg das Küperhandwerk zu erlernen und mich 
dann in Meister Martin's Werkstatt zu begeben. Das Uebrige 
überließ ich der Fügung des Himmels. Wie ich meinen Ent- 
schluß ausgeführt, weißt Du, aber erfahren mußt Du noch, daß 
Meister Martin mir vor einigen Tagen gesagt hat: Ich würd' 
ein tüchtiger Küper werden, und solle ihm als Eidam recht lieb 
und Werth sein, denn er merke wohl daß ich mich um Rosa's 
c^tnjt bemühe und sie mich gern habe." „Kann es denn wohl
        

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