Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/121/
geladen, um dort erzogen zu werden. In römischer Sprache 
und nach römischem Recht wurde Gericht gehalten. Der ein- 
heimische Gölterkult ging im römischen auf. 
(Fortsetzung folgt.) 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Hinsichtlich des neuen Mausergewehrs sind 
die „Deutschen Nachrichten" in der Lage mit;utheilen, daß das 
preußische Kriegs-Ministerium einer bedeutenden Zahl in- und 
ausländischer Gewehrfabriken den Auftrag zur Anfertigung von 
vorläufig einer Million Gewehren, d. h einer vollständigen 
Kriegsausrüstung, ertheilt hat. Die einzelnen Theile des Ge 
wehrs werden getrennt in den ausländischen Fabriken gefertigt. 
Französischen Technikern soll es nach einzelnen Theilen des Ge 
wehrs gelungen sein, eine Eopie desselben herzustellen; die 
französische Armee wird jedoch das Chassepot beibehalten. 
Wie man hört soll Fürst Bismark hauptsächlich auf eine 
schnelle Beschaffung des neuen Gewehrs hingewirkt haben. 
Die Erfindung möglichst wirksamer Mordinstrumente scheint 
eine Hauptaufgabe unserer zivilisirten Zeit zu sein. 
— Das bairische Städtchen Jmmenstadt ist von dem in 
Folge eines furchtbaren Orkans angeschwollenen Steigbache 
förmlich verwüstet worden. 
Am 30. Juli waren zwar erst 6 Leichen gefunden, dagegen 
find 56 Personen als vermißt bei der Behörde angezeigt und 
eS erscheint als höchst wahrscheinlich, daß sie sämmtlich ertrun- 
ken sind. 
AuS dem Landgerichtögebäude wurde ein ganzes Stück heraus- 
gerissen und daS Innere dadurch offen gelegt; das Theater ist 
durchbrochen worden ; die kräftigen Pfeiler der Eisenbahnbrücke 
stehen gebogen da. In den Kaufläden, welche in ihrer ganzen 
Höhe unter Wasser gesetzt wurden, sind fast sämmtliche Waaren 
verdorben und weggeschwemmt worden; kurz, das angerichtete 
Unheil läßt sich kaum schilvern. Die Stadt bietet einen höchst 
traurigen, trostlosen Anblick; Balken. Bäume, HauStrümmer 
und todteS Vieh aller Art bedecken die Straßen, welche mit 
Schlamm und herangetriebenem Gestein gefüllt sind. 
Frankreich. Die französische Nationalversammlung ist in 
die Ferien gegangen und wird nun einige Zeit der Ruhe pfle- 
gen. Ihre letzte wichtigere und auch gute Beschlußfassung war, 
daß sie die auf früherer sreihändlerischer Basis ruhenden Han- 
delSverträge mit England und Belgien genehmigte und daS 
ThierS'fche Schutzzollsystem über Bord warf. Die neueste Bot' 
schast Mac Mahons erwähnt das Verdienst des gestürzten 
Präsidenten Thiers um die ihrem Abschluß entgegengehende Ge- 
bietsräumung; obwohl die Kundgebungen zu Gunsten Thiers 
beim Abzug von deutschen Truppen ungern gesehen werden. 
gemalt worden. O I?osa — Rosa — o Du Herr des Himmels, 
seufzte Friedrich; da klopfte ihn Reinhold, der hinter ihm einge- 
treten, auf die Schulter und fragte lächelnd: „nun, Friedrich, was 
sagst Du zu meinem Bilde?" Da drückte ihn Friedrich an seine 
Brust und rief: „o Du herrlicher Mensch — Du hoher Künstler! 
ja nun ist mir Alles klar! Du, Du hast den Preis gewonnen, 
um den zu ringen ich Aermster keck genug war! — Was Inn ich 
denn gegen Dich, was ist meine Kunst gegen die Deinige? — 
Ach, ich trug auch wohl manches im Sinn! — lache mich nur 
nicht aus, lieber Reinholdsieh, ich dachte, wie herrlich müßt' 
es fein, Rosa's liebliche Gestalt zu formen und zu gießen im 
feinsten Silber, aber das ist ja ein kindisches Beginnen, doch Du! 
Du! — wie sie so hold, so in süßem Prangen aller Schönheit 
Dich anlächelt! — ach, Reinhold — Reinhold Du überglücklicher 
Mensch! — Ja, wie Du damals es aussprachst, so begibt es 
sich nun wirklich! wir haben beide gerungen Du hast gesiegt, 
Du mußtest siegen, aber ich bleibe Dir mit ganzer Seele. Doch 
verlassen muß ich das HauS, die Heimat, ich kann ja nicht er> 
kragen, ich müßte ja vergehen, wenn ich nun Rosa wiedersehen 
Aus diesem Grunde halten auch die französischen Behörden 
den Tag der endgültigen Räumung sehr geheim; da sie derar- 
tige Kundgebungen für Thiers und die Republik verhindern 
wollen. 
Den Fahnenhändlern in Nancy ist eS verboten worden, 
Fahnen mit „Vive la Republique!" und „Vive Thiers!" in 
ihren Schaufenstern auszustellen. Dieselben werden aber doch 
in Masse gekauft. In Remiremont wurden die Volkshaufen, 
welche am letzten Sonntag nach dem Abzug der Deutschen die 
Straßen durchzogen und der Republik und Thiers Hochs dar- 
brachten, von den Gendarmen ebenfalls auseinander getrieben. 
Als die Menge mit einer Musikbande an der Spitze und die 
Marseillaise singend an der Unterpräfektur ankam, gingen die 
Gendarmen mit gefälltem Bayonnet gegen dieselbe vor und 
trieben sie aus einander. Widerstand wurde nirgends geleistet. 
Auch kam es weder zu Verhaftungen noch zu Verwundungen. 
Bezüglich des Auseinandergehens der Nationalversammlung 
bemerkt der „TienS-Public" das Organ von Thiers : Die Abend- 
glocke hat geläutet, vier Monate wird Frankreich schlafen, und 
tragt dann: Was wird das Erwachen sein? 
Spanien. Gegenwärtig geht es mit dem Kriegsglücke 
der jungen Republik etwas besser. Die Carlisten erlitten bei 
Marcdedeö eine Niederlage, wobei 700 republikanische Gefan- 
gene in Freiheit gesetzt wurden. Die Stadt Alemoia schlug 
den Angriff der Jnsurgemenschiffe zurück, ebenso ist die Jnsur- 
rektion von Sevilla vollständig unterdrückt. 
Die deutsche Fregatte „Friedrich Karl" hat die „Vigilante" 
gekapert. Der Hergang ist folgender: 
Als der „Friedrich Karl" dem „Vigilante" begegnete, hatte 
der letztere nicht weniger denn drei Fahnen aufgehißt, die spa- 
nische, eine dreifarbige und eine rothe; er dachte wohl, man 
könne des Guten nie zu viel thun. Der Kapitän der Fre- . 
gatte „Friedrich Karl" nahm ihn in's seerechtliche Examen: 
„Wo ist Euer Kapitän?" „Wir haben keinen." „Ihr habt 
keinen Seeoffizier an Bord?" „Nein." „Welcher Macht ge- 
hört Ihr an?" „Dem Kanton Murcia." „DaS ist ein 
Staat, den wir nicht kennen. Aber was treibt Ihr denn auf 
offenem Meer mit einem Kriegsschiff, das mit Kanonen und 
Munition ausgerüstet ist?" „Eine bloße Lustfahrt," antwor- 
tete der Deputirte uud Mitdiktator von Carthagena, Galvez. 
„Sehr gut," antwortete Kapitän Werner, „ich weiß, waS ich 
in diesem Fall zu thun habe," und nahm den Herrn Galvez 
mit sämmt seinen Freunden gefangen, gestützt auf die betreffen- 
den Artikel des Seerechtes, welche Privaten nicht gestatten, ohne 
irgend welche Autorifation oder Patent mit Kriegsschiffen „Lust- 
fahrten" zu machen. 
Galvez, der auf dem „Vigilante" gefangene Oberkomman- 
dant, war in bürgerlicher Tracht, mit murcianifchen Binsen« 
sollte. Verzech' das mir, mein lieber, lieber, hochherrlicher Freund. 
Noch heute — in diesem Augenblick fliehe ich fort — fort in 
die weite Welt, wohin mein Liebesgram, mein trostloses Elend 
mich treibt!" — Damit wollte Friedrich zur Stube hinaus, aber 
Reinhold hielt chn fest, indem er sanft sprach: „Du sollst nicht 
von hinnen, denn ganz anders, wie Du meinst, kann sich Alles 
noch fügen. Es ist nun an der Zeit, daß ich Dir Alles sage, 
was ich bis jetzt verschwieg. Daß ich kein Küper, sondern ein 
Maler bin, wirst Du nun wohl wissen, und, wie ich hoffe, an 
dem Bilde gewahren, daß ich mich nicht zu den geringen Künstlern 
rechnen darf. In früher Jugend bin ich nach Italien gezogen, 
dem Lande der Kunst; dort gelang es mir, daß hohe Meister 
der Kunst sich meiner annahmen und den Funken, der in mir 
glühte, nährten mit lebendigem Feuer. So kam es, daß ich mich 
bald aufschwang, daß meine Bilder berühmt wurden in ganz 
Italien, und der mächtige Herzog von Florenz mich an seine« 
Hof zog. 
(Fortsetzung folgt.) .
        

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