Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/118/
- 112 — 
Der russische „Invalide" veröffentlicht den Wortlaut der 
Proklamation des Khans von Chiwa anlaßlich der Aufhebung 
der Sklaverei. Es heißt darin: „Durchdrungen von den Ge- 
fühlen der Verehrung gegen den russischen Kaiser erkläre ich 
die gesammten Sklaven des Chiwareichs für frei, den Sklaven- 
Handel auf ewige Zeiten für aufgehoben und befehle sofortige 
Ausführung bei strengster Strafe im Weigerungsfälle. Alle 
Befreiten sind gleichberechtigt mit den andern Unterthanen und 
können im Chanat verbleiben. Falls sie heimgehen wollen, 
so werden besondere Maßregeln getroffen. Die Befreiten kommen 
in den nächstliegenden Marktstädten zusammen und stellen sich 
der Ortsbehörde vor, welche die Listen führt. Heimkehrende 
werden von einer chiwesifchen Eskorte, welche überall die Auf- 
Hebung der Sklaverei verkündigt, begleitet und beschützt" 
Schweiz. Aus dem Veltlin kommen durch den „Stelvio" 
die beruhigendsten Nachrichten mit Bezug aus die Cholera. 
Man muß nämlich wissen, daß in Clefen das Gerücht ging, 
eS seien in Sondrio 20 Fälle vorgekommen und die Einwohner 
der Stadt seien in wilder Flucht vor ihr begriffen. Der 
„Stelvio" steht sich veranlaßt, dieses Gerücht alö grundfalsch 
zu erklären. 
Vom Weinhandel sagt er, die Nachfrage sei in den ver- 
flossenen 14 Tagen weniger hitzig gewesen und darnach hatten 
sich auch die Preise gerichtet. Man sage, in Bergamo sei von 
Franzosen und Genuesern eine Apotheke von künstlichem Wein 
eingerichtet worden. Der „Stelvio" bedauert alle diejenigen, 
die ihrer Polenta nicht ein edleres Naß nachzugießen vermögen. 
(Fr. Rhät.).» 
Der Schah von Persien ist am 21. Juli nach Genf ge- 
kommen. Bundespräsident Ceresole hielt an den Schah eine 
durchaus schlichte und passende Anrede; sie lautet: „Königliche 
Majestät, ich heiße Ste im Namen der schweizerischen Behörde 
willkommen. Ste erwarten von uns nicht den luxuriösen.Cm- 
pfang, wie er Ihnen von den uns umgebenden großen Natio- 
nen zu Theil wurde. Wir haben Ihnen weder ein stehendes 
Heer, noch eine glänzende Flotte vorzuführen Sie kommen zu 
einem Volk, welches den Platz, den eS in Europa einnimmt, 
der Freiheit und der Arbeit verdankt, und im Namen eben 
dieses freien Volkes bietet Ihnen der Bundesrath seine Gast- 
sreundschaft an." 
Der Schah' dankte für den Empfang auf Persisch Er 
habe viel von der Schweiz und ihren Institutionen sprechen 
hören und sei dahin gekommen, sich mit eigenen Augen davon 
zu überzeugen. Er hoffe, daß Persien und die Schweiz stetS 
in den freundschaftlichsten Beziehungen zu einander stehen 
werden. 
In Genf haben die Perser einen guten Eindruck gemacht 
und auch Genf und sein See sollen dem Schah gefallen haben. 
Die Perser haben ungefähr die gleichen Gesichtszüge, wie die 
Araber und die Europäer; sie sind von der gleichen kaukasischen 
Rasse, nur ist ihre Farbe etwas gelblich, was vom Widerscheine 
ihrer Citronen und der vielen gelben Rosen kommen soll. Der 
Schah scheint ein gutes Gewissen zu haben, denn er macht sich 
aus der Cholera nicht das Geringste und reist seiner Lands- 
männin mit Gleichmuth entgegen. Sie ist für ihn bloß Cassa- 
führerin am Portal in die sieben mahomedanifchen Himmel, 
wo ihm die Loge neben dem Sultan von Konstantinopel offen 
steht. 
Verschiedenes. 
Ueber den Unglücksfall in Wesen gibt die „N. Gl. Z." 
nähere Auskunft: „Letzten Dienstag ereignete sich in Wesen 
•in entsetzlicher Unglücksfall, der unter den Passagieren des 
Zuges und unter der ganzen Bevölkerung eine schmerzliche Be- 
wegung und die allgemeinste Theilnahme hervorrief Wie von 
mehreren Seiten übereinstimmend gemeldet wird, war beim Zuge, 
der um 3 Uhr 13 Minuten von Wesen abfährt, bereits zum 
Einsteigen gerufen, Freifrau v. d. Pfordten (nicht eine russische 
Grafin) von München war eben im Begriffe, in einen Waggon 
erster Klasse zu treten; in diesem Augenblicke stieß die Loko- 
motive mit gewaltiger Kraft auf tiefen Waggon, zertrümmerte 
durch die furchtbare Wucht des Anpralles die Geländer und Trep- 
Pen der aneinandergekoppelten Wagen, beschädigte sogar noch die 
Wand deS fraglichen Waggons und zermalmte dabei der Unglück- 
lichen, die sich in voller Sicherheit wähnte, beide Beine auf 
eine gräßliche Weise, so daß ste noch vor Ablauf einer halben 
Stunde den Geist aufgab. Die Unglückliche soll einen Abstecher 
in's Stachelberg beabsichtigt haben und wurde nun aus diese 
Weise von einem schrecklichen Schicksale streicht. An wem die 
Schuld dieses Vorfalles liegt, wird hoffentlich eine strenge 
Untersuchung eruiren, damit die Strafbaren zu strenger Strafe 
und Ahndung gezogen werden können." 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. 
——— 
Nichtamtliche Anzeigen. 
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Agent für Tirol und Vorarlberg I. Schauer, Inhaber 
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Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 25. Juli. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 
ff. 
kr. 1 
fl 
kr. 
fl. 
kr 
Korn 
4 
10 
4 
— 
3 
90 
Roggen .... 
3 
— 1 
2 
90 
2 
80 
Gerste 
2 
90 
2 
80 
2 
70 
Türken .... 
2 
80 
2 
70 
2 
60 
Hafer 
1 
60 | 
1 
50 
1 
40 
Thermometerstand nach Reaumur in Vaduz. 
j 
Monat 
Morgens! Mittags 
7 Uhr 1 12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Juli 
23 
+ 15 
+23% 
+ 19 
hell; Nchts. Gew. 
w 
24. 
+ 15 
+20 
+ 17 
fast bed. Abds. Rg 
ff 
25. 
+"% 
+20 
+20 
hell. 
tt 
26. 
+ 14 
+22 % 
+21 
hell. 
» 
27. 
+17 
+24 
+ 15 
halbhell Nm.hft.G. 
u 
28 
+13 
+21 
+ 15 
fasthell.Nchm.Gnx 
tt 
29. 
+13 
+21% 
+21 
hell. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
30. Juli 100 fl. Silber 109.— 
20-Frankenstücke 8.86 fy 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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