Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/11/
Liechtensteinische 
Vaduz, Freitag 
Nr. 3. 
den 7. Februar 1873. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für daS Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig t fl. 10 kr. fammt 
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2gespaltene Zeile 5 kr. — Briefe und Gelder werden franeo erbeten an die Redaction in Vaduz. 
Um unsere Leser fortwährend im Laufenden über die neueren 
Berathungen und Beschlüsse deS Landtages zu halten, werden 
wir die Fortsetzung des in Nro. 2 begonnenen Artikels über 
die Landtagsperiode von 1872/73 im nächsten Blatte folgen 
lassen und dafür die Mittheilungen auS den jüngsten Land^ 
tagSsttzungen bringen. 
Vaterländisches. 
Landtagsverhandlungen. 
Sitzung vom 9. Januar. Anwesend:- Regierungs- 
kommissär von Hausen und sämmtliche Landtagsmitglieder mit 
Ausnahme des Abgeordneten Ehrne. 
Regierungskommissär von Hausen theilt den zunächst zu 
einer vertraulichen Besprechung versammelten Abgeordneten die 
Beweggründe mit, welche Seine Durchlaucht veranlaßt haben, 
die Konzession der Spielbank zu verweigern. Nach Vorbring- 
ung derselben eröffnet Präsident Dr. Schlegel die Sitzung und 
bringt folgende Anträge ein: 
Der Landtag 
1. nimmt die durch den Regierungskommissär mitgetheilten 
Beweggründe, welche die Verweigerung der nachgesuchten Spiel- 
bankkonzession bedingten, zur Kenntniß; 
2. spricht Seiner Durchlaucht für das zu Rheinschutzbau- 
zwecken zugesicherte unverzinsliche Darlehen von 125,000 st. 
seinen tiefsten Dank aus und ermächtigt den Landesverweser 
zur Fortsetzung der Verhandlungen in Betreff der Feststellung 
der Abzahlungsraten; 
3. fordert aber auch gleichzeitig die fürstliche Regierung auf, 
für die nächste Landtagssession eine Regierungsvorlage vorzube- 
reiten, in welcher der gegenwärtige Stand der hierseitigen Rhein- 
schutzbauten im Verhältnisse zu den schweizerischen Hochwuhren 
einer eingehenden Erörterung unterzogen wird, welcher ferner 
ein stichhaltiger Kostenvoranschlag über die für die Durchführ- 
ung der gesammten Rheinschutzbauten notwendige Summe 
beizufchließen ist, welche endlich einen Finanzplan über die Art 
der künftigen Beschaffung der zu diesen Bauten erforderlichen 
Geldmitte! enthalten soll. ^ 
Nach kurzer Debatte wird der erste Antrag einstimmig, 
der zweite und dritte mit allen gegen zwei Stimmen ange- 
nommen. 
Zur weitern Berathung gelangen noch ein Bericht der 
Finanzkommission über eine Subvention auö Landesmitteln zur 
Verbauung des DammbrucheS unterhalb der Gampriner Mühle 
und der daran anknüpfende Beschluß der Kommission: Für die 
Gemeinde Gamprin eine Subvention von 1200 fl. aus der 
Landeskasse zur Verdauung deS DammbrucheS unterhalb der 
Gampriner Mühle zu beantragen. 
Der Antrag der Kommission wird einstimmig angenommen. 
Mit Erledigung dieses Gegenstandes wird die Sitzung geschlossen. 
Sitzung vom 1. Februar. Anwesend: RegierungS- 
kommissär von Hausen und 12 Abgeordnete. Abwesend: Kind 
(mit Entschuldigung), Ehrne, Mat (ohne Entschuldigung). 
Präsident Dr. Schlegel eröffnet die Sitzung um 10 Uhr 
Vormittags und läßt die Protokolle der zwei letzten Landtags- 
sitzungen verlesen. Dieselben werden genehmigt. 
Hierauf zeigt Regierungskommissär von Hausen der Ver- 
fammlung an, daß er von Seiner Durchlaucht den Auftrag 
erhalten habe, nach Erledigung der heutigen Tagesordnung den 
Landtag zu schließen. 
Feuilleton. 
Spieler-Glück. 
Eine Erzählung von E. T. A. Hoffmann. 
(Fortsetzung.) 
Beide, der Fremde und der Baron nahmen Platz auf einer 
einsam stehenden Bank, dann begann der Fremde in folgender 
Art: 
„Dieselben glänzenden Eigenschaften, die Sie, Herr Baron! 
auszeichnen, erwarben dem Chevalier Menars die Achtung und 
Bewunderung der Männer, machten ihn zum Liebling der Wei- 
ber. Nur, was den Reichthum betrifft, hatte das Glück ihn 
nicht so begünstigt, wie Sie. Er war beinahe dürftig und nur 
durch die geregelteste Lebensart wurde es ihm möglich, mit dem 
Anstände zu erscheinen, wie es seine Stellung als Abkömmling 
einer bedeutenden Familie erforderte. Schon deßhalb, da ihm 
der kleinste Verlust empfindlich sein, seine ganze Lebensweise zer- 
stören mußte, durste er sich auch auf kein Spiel einlassen, zudem 
fehlte es ihm auch an allem Sinn dafür, und er brachte daher, 
wenn er das Spiel vermied, kein Opfer. Sonst gelang ihm 
Alles, was er unternahm, auf besondere Weise, so daß daS 
Glück des Chevaliers Menars zum Sprüchwort wurde. 
Wider seine Gewohnheit hatte er sich in einer Nacht über- 
reden lassen, ein Spielhaus zu besuchen Die Freunde die mit 
ihm gegangen, waren bald in's Spiel verwickelt. 
Ohne Theilnahme, in ganz andere Gedanken vertieft, schritt 
der Chevalier bald den Saal auf und ab, starrte bald hin auf 
den Spieltisch, wo dem Bankier von allen Seiten Gold über 
Gold zuströmte. Da gewahrte plötzlich ein alter Oberst den 
Chevalier und rief laut: Alle Teufel! da ist der Chevalier Me- 
nars unter uns und sein Glück, und wir können nichts gewin- 
nen, da er sich weder für den Bankier noch für den Pointeur 
erklärt hat; aber das soll nicht länger so bleiben, er soll gleich 
für mich pointiren! 
Der. Chevalier mochte sich mit seiner Ungeschicklichkeit, mit 
seinem Mangel an jeder Erfahrung entschuldigen, wie er wollte, 
der Obrist ließ nicht nach, der Chevalier mußte heran an den 
Spieltisch. 
Gerade wie Ihnen, Herr Baron, ging es dem Chevalier;
        

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