Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/103/
Liechtensteinische 
Vaduz, Freitag 
Nr. 25, 
den 11. Juli 1873. 
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werden franco erbeten an die Redaction in Vaduz. 
Vaterländisches. 
Landtagsverhandlungen. 
Protokoll 
über die II. LandtagSsttzung mn 23. Juni 1873. 
Anwesend: Der fürstliche Regierungskommissär, Herr von 
Hausen, dann 13 Abgeordnete. Marxer und Wolfinger haben 
ihr Wegbleiben entschuldigt. 
E5 folgen die Verhandlungen nach der Tagesordnung, 
und zwar: 
1. Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung, 
welches, nachdem Niemand gegen die Richtigkeit desselben eine 
Einsprache erhob, sofort genehmigt und gefertigt wurde. 
2. Gegenstand. Berathung und Beschlußfassung über 
eine Subvention für die Gemeinde Schaan und Vaduz 
zu Schutzbauten in der Tidrüfe. 
Abgeordneter Ehrne wünscht näheren Aufschluß, wie die 
Rüfenverbauung stattfinde und. ob dieselben Mussicht auf einen 
entsprechenden Erfolg hätten; in dieser Unkenntniß der Sach- 
läge könne er nicht mit Ueberzeugung stimmen. 
Präsident Dr. Schlegel gibt hierauf in allgemeinen 
Umrissen ein Bild von den gegenwärtig dringend nöthig er- 
scheinenden Rüfenbauten- Ebenso 
Reg.-Kommifsär v. Hausen, welcher diese Frage 
weiter dabin erörtert, daß die Voraussetzung EhrneS: die in 
früheren Iahren erstellten Rüfenbauten hätten keinen oder nur 
wenig Erfolg gehabt, eine irrige sei. Den Beweis hiefür hat- 
ten wir gerade im vergangenen Sommer vor Augen gehabt, 
wo große Rüfenergüsse bis auf die Landstraße herunter statt- 
gehabt hätten und zwar hauptsächlich nur in Folge unterbro- 
chener Bauthätigkeit in den Rüfenrinnsalen. Die bestehenden 
—»!■«» Mi um !■ wurm 

Feuilleton. 
Meister Martin, der Kiifner, und seine Gesellen. 
Novelle von E. T. A. Ho ff mann. 
(Fortsetzung.) 
Nosa setzte sich, wie sie immer in der Werkstatt zu thun 
pflegte, auf ein kleines Fäßlein, das Neinhold sorglich abgestäubt, 
und Friedrich herbeigeschoben hatte. Beide fingen, Meister Martin 
gebot es ihnen, nun aufs neue das schöne Lied an, in dem sie 
der wilde Conrad unterbrochen, der nun still und ganz in sich 
versunken an der Fügbank fortarbeitete. 
Als das Lied geendet war, sprach Meister Martin: „Euch 
hat der Himmel eine schöne Gabe verliehn, Ihr lieben Gesellen! 
— Ihr glaubt gar nicht wie hoch ich die holdselige Singekunst 
achte. Wollt' ich doch auch einmal ein Meistersinger werden, 
aber das ging ganz und gar nicht, ich mochte es auch anstellen, 
wie icb wollte. Mit aller meiner Mühe erntete ich nur Hohn und 
Spott ein. Bemi Freisingen machte ich bald falsche Anhange, 
Bauten,'welche insbesondere die Bindung der Sohle vom Rufen- 
rinnsale zum Zwecke haben, seien beschädigt, diese müssen unter- 
halten und noch einige neue hinzu gefügt werden, wenn nicht 
die Kalamität der Verschattung der LandeSftraßen in einem 
viel höhern Grade als voriges Zah.r eintreten soll. Die bau- 
Pflichtigen Gemeinden Schaan und Vaduz aber seien schon in 
zwei Rüfen bereits über ihre Kräfte in Anspruch genommen. 
ES handle sich hier alfo noch um die Bewilligung der Bau- 
gelder aus Landesmitteln in der dritten — der Tidrüfe, wo die 
zwei genannten Gemeinden zusammen die Baupflicht hätten. 
Zur näheren Beleuchtung wird auf den vorliegenden Kosten- 
anfchlag und da6 beigeschlossene Gutachten verwiesen und letz- 
teres dann verlesen. 
Hierauf erfolgt die Abstimmung über den KommisstonS- 
antrag, welcher ohne Abänderung mit allen gegen eine Stimme 
zur Annahme gelangt. 
» 
3. Gegenstand. Gesuch der Gemeinde Triesenberg um 
Bewilligung einer Subvention auS dem ländschaft- 
iichen Armenfonve für die Armenpflege. 
Joh. Schlegel hebt hervor, daß der von dem Ortövor- 
stände vorgelegte Ausweis über Armenkosten in feiner Ostsge- 
meinde nicht alles in sich schließe, waS von Seite der Gemeinde 
Triesenberg für Armcnverpflegung geschehe. Da der Aufwand 
ein ziemlich größerer sei, so beantrage er auf eine Unterstützung 
der dürftigen Gemeinde Triesenberg auS den diesjährigen In- 
teressen des landschaftlichen ArmenfondeS in der Summe von 
150 fl. 
Dieser Antrag wurde zwar unterstützt, fiel bei der Ab- 
stimmung jedoch mit allen gegen 2 Stimmen; herentgegen wird 
der Kommissionsantrag, welchem auf eine Bewilligung von 
100 fl. lautet mit allen gegen eitu Stimme genehmigt. 

bald Klebsilben, bald ein falsch Gebäude, bald falsche Blumen, 
oder verfiel ganz und gar in falsche Melodei. — Nun, Ihr 
werdet es besser machen, und es wird heißen, was der Meister 
nicht vermag, das thun doch seine Gesellen. Künftigen Sonntag 
ist zur gewöhnlichen Zeit nach der Mittagspredigt ein Meister 
singen in der St. Katharinenkirche, da könnt Ihr Beide, Rem> 
hold und Friedrich, Lob und Ehre erlangen mit Eurer schönen 
Kunst, denn vor dem Hauptsingen wird ein Freisingen gehalten, 
woran Ihr wie jeder Fremde, der der Singkunst mächtig, unge- 
hindert Theil nehmen könnet. Nun Gesell Conrad, (so rief Meister 
Martin herüber zur Fügbank) nun, Gesell Conrad mög't Ihr 
nicht auch den Singstuhl besteigen, und Euer schönes Iagdlied 
anstimmen? „Spottet nicht," erwiederte Eonrad, ohne aufzublicken, 
„spottet nicht, lieber Meister! Jedes an seinem Platze. Während 
Ihr Euch an dem Meistersingen erbaut, werde- ich auf der Aller- 
wiese meinem Vergnügen nachgehn." 
Es kam so, wie Meister Martin wohl vermuthet. Neinhold 
bestieg den Singstuhl und sang Lieder in unterschiedlichen Weisen,
        

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