Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1873
Erscheinungsjahr:
1873
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1873/102/
- 96 — 
Tolosa dem berüchtigten Cabecilla Santa Cruz eine Niederlage 
beigebracht, wobei dieser 34 Todte, mehrere Gefangene, Maul' 
esel und Munitionen und eine Anzahl Waffen verlor, allein 
es ist dieS ein einzelner Erfolg, der ohne Einfluß auf die 
Hauptoperationen ist, um so mehr) als auch Santa Cruz selbst 
mit dem größten Theil seiner Bande entkam. Die Post au6 
Madrid kommt nur höchst unregelmäßig an, oft ist Tage lang 
jeder Verkehr unterbrochen, dann kommt wieder ein Zug mit 
Reisenden, nachdem dieselben von den Carlisten sich freie Pas' 
sage erkauft hatten. Gestern Rächt versuchten sie sogar den 
großen Tunnel von GarunchiSqueta zwischen Jrun und Ren- 
texie mittelst Dynamit zu sprengen. Der Versuch gelang jedoch 
nur theilweise. Es geht daS Gerücht: die Carlisten werden 
demnächst eigene Briefmarken einführen und jede nicht damit 
versehene Korrespondenz vernichten. Auch in Bilbao stehen die 
Dinge schlecht Zwar ist eS noch nicht in den Händen der 
Carlisten, aber wer kann sagen, wie lange. Vor wenigen Tagen 
wurden bei Nacht die Vorstädte angegriffen, eS kam zu einem 
mehrere Stunden dauernden Gewehrfeuer, worauf die Carlisten 
Wieder abzogen; sie haben jedoch die ganze Umgegend besetzt, 
so daß Bilbao nur mittelst des MeereS mit dem übrigen Spa° 
nien verkehren kann. Die Streitkräfte deS Prätendenten sieben 
jetzt zwischen Miranda am Ebro und Bilbao, sie sind in vier 
Hauptkolonnen unter vier Hauptanführern getheilt. Der alte 
Elio hat ungefähr 3000 Mann Infanterie und gegen 100 
Reiter unter sich und steht zwischen Miranda am Ebro und 
Hoch-Navarra. Lizarraga, ein ehemaliger Oberst der Armee, 
führt in Guipüzcoa eine Bande voll 1200 Mann an, ferner der 
Pfarrer Santa Cruz mit einigen andern Führern brandschatzt 
das baSkifche Gebiet mit etwa 600 Mann, und endlich stehen 
Dorregaray und Ollo mit je 800 Mann und etwa 100 Nei- 
tern in Navarra. Jeder von diesen Führern operirt auf eigene 
Faust, ein gemeinsamer Oberbefehl besteht nicht. Mit Waffen 
und Munitionen sind die Carlisten jetzt gut versehen, sie haben 
meist Remington Gewehre, alle tragen daS weiße Baret, außer- 
dem hat jedoch mindestens die Hälfte keine Uniform. Nur an 
Geschützen haben sie Mangel, sie besitzen im Ganzen nur zehn 
Bergkanonen. Wäre eS anders, sie würden wohl längst sich 
einiger größerer Plätze bemächtigt haben. Ihre KriegSweise ist 
die von Banden, aus den Bergen und Wäldern kommen sie 
nur in die Ebene, um Lebensmittel zu holen und einzelne 
Posten oder Kolonnen der Truppen zu überfallen. Seit sechs 
Monaten haben sie mit einziger Ausnahme des Gefechts bei 
Eraul in Navarra kein Gefecht versucht, daö diesen Namen 
verdiente. 
Italien. DaS Cholera-Bulletin aus Treviw, so klein eS 
auch allemal ist, spielt bereits eine Rolle, und man greift in 
Mailand und anderen italienischen Städten nach ihm mit mehr 
Interesse, als nach den größten Tagesblättern mit den schönsten 
Artikeln aus Rom, Paris und Madrid. Dasjenige vom 24. 
hat zwei neue Fälle in Casale sul Sile gemeldet. So lange 
die Fälle nicht zahlreicher sind, kann man von einer Pest wirk- 
lich nicht reden. In der Provinz Benetien hatte man am 23. 
drei neue Fälle in Portogruaro, wo auch der Arzr gestorben 
sein soll. 
Verschiedenes. 
Vom Weinhandel schreibt der „Stelvio" im Veltlin, eS 
sei auch in diesem Monat große Nachfrage in Tisch- und mitt 
leren Weinen gewesen, auch seitens Händlern aus der tiefen 
Lombardei, mit steigendem Preise, zumal diese Weine durch den 
starken Berkauf in den Monaien April und Mai spärlicher 
wurden. Die guten und feinen Weine seien gegenwärtig wenig 
gesucht. Im Allgemeinen ist folgendes zu bemerken. In Genua 
kommen starke Zufuhren auS Sizilien und Spanien, darum 
halten die Käufer zurück, um so mehr, als die Besitzer immer 
höhere Preise fordern. — AuS Frankreich haben die Nachrichten 
vom Stand der Weingärten im Mai ungünstig gelautet. ES 
kann jetzt besser geworden sein; der Herbst könne aber im besten 
Falle nicht reich werden. 
Die Fischzuchtanstalt in Hüningen (Elsaß) hat während der 
letzten Winterperiode 3,067,000 Stück Edelfischeier nach Deutsch- 
land, 437,000 nach Holland, 233,000 nach Frankreich, 114,000 
in die Schweiz, 57,000 nach Oesterreich und 2000 nach Italien 
versendet. Zur Wiederbevölkerung wurden unentgeldlich abge> 
geben: 25.000 Forellen- und 662,000 LachSeier. 
Ein Telegramm von Liverpool meldet uns, daß Frau 
v. Körber mit unfern iie begleitenden LandSlemen am 20. Juni 
glücklich in Quebeck gelandet ist. 
Wir hoffen nun auch, bald weitere günstige Nachrichten 
von dorten zu vernehmen. II 1996 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
BsaanEaaiMt 
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Basel, Zentralbahnhofplatz Nr: 12. 
Agent für Tirol und Vorarlberg I. Schauer, Inhaber 
der Expreß>Compagnie in Feldkirch. m. 1 16 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 27. Juni. 
Der halbe Metzen 
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hermometerstand nach Reanmnr in Vaduz. 
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halb hell. 
Juli 1. 
+13 
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Telegrafischer Kursbericht von Wien, 
2. Juli 100 fl. Silber . 
20-Frankenstücke 
108.75 
8.85 y 2 
Druck von Heinrich Graff in Feldtirch.
        

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