Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
40
Erscheinungsjahr:
2005
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000250386/66/
Die Situation der Begrenztheit des Kleinstaats verlangt also eine Wirt schaftspolitik mit Zielrichtung der Konzentration auf Nischen - erzeug nisse und der Integration in einen grösseren Markt. Die fehlende aussenpolitische Stärke verlangt eine Absicherung und Schaffung vor - teil hafter rechtlicher, im Ausland anerkannter Rahmenbedingungen. Die Konzentration auf Spezial- und Nischenproduktion gab es in Liechtenstein selbstverständlich bereits vor dem EWR-Beitritt. Sie wur - de gefördert durch das Vorhandensein von reichlich Kapital zu nied ri gen Zinsen, durch den Mangel an Rohstoffen und die infolge der Knapp - heits verhältnisse hohen Löhne und Immobilienpreise. Eine Markt erwei - te rung lässt sich – auch im Sinne vorteilhafter Rahmen be din gungen – ab- sichern durch sich anbietende internationale Abkommen. Was sich für Liechtenstein anbot,13war das EWR-Abkommen. Seit dem Zweiten Weltkrieg und damit in allen Jahrzehnten des liech ten stei - ni schen Wirtschaftsaufschwungs in der zweiten Hälfte des 20. Jahr hun - derts, gab es in diesem umfassenden Sinne – allenfalls die ebenfalls 1995 in Kraft getretene WTO-Mitgliedschaft14 ist zu nennen – nichts Ver - gleich bares.15 Nach zehn Jahren EWR-Mitgliedschaft mag es etwas überraschen, dass sich die in der Zeit der Abstimmung gut organisierte Gegnerschaft nach her nie mehr geäussert hat. Dies kann gewiss darauf zurück geführt werden, dass die damals an die Wand gemalten negativen Szenarien nicht Wirklichkeit geworden sind. Selbstverständlich konnten auch die EWR- Befürworter seinerzeit wegen des umfassenden Charakters dieses Ab - kom mens seine Auswirkungen nicht mit Sicherheit abschätzen. Und völlig unbestritten ist die EWR-Mitgliedschaft auch heute nicht: Der weit gehende Zugang über die Grenzen nach aussen öffnete freilich auch 68Hubert 
Büchel 13Diese Formulierung soll nicht missverstanden werden: Die EWR-Mitgliedschaft wurde Liechtenstein nicht «angeboten», sondern Liechtenstein musste sich in den An fän gen der Diskussion um eine Teilnahme der EFTA-Staaten am europäischen Bin nen markt selber einbringen, eigentlich geradezu aufdrängen, schliesslich war es damals auch nicht Mitglied der EFTA. 14Wobei die These vertreten werden kann, dass ein WTO-Beitritt nur möglich war, weil Liechtenstein nun eigenständiges EWR- und EFTA-Mitglied war. 15Die Ansicht, dass Liechtenstein im Falle der Ablehnung des EWR-Abkommens die selbe Möglichkeit wie die Schweiz gehabt hätte, die eigenen Interessen auf der Basis bilateraler Verträge zu lösen, verkennt die tatsächlichen Möglichkeiten völlig. Auch würde der Vergleich der beiden Lösungen deutlich machen, dass mit dem EWR-Ab - kom men der vorteilhaftere Weg gefunden wurde, auf jeden Fall für Liechtenstein.
        

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