Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
40
Erscheinungsjahr:
2005
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000250386/224/
Liechtenstein mit einem hohen Anspruch in die Verhandlungen gegan - gen. Ich glaube, Liechtenstein muss im Hinblick auf die Zukunft diesen hohen Anspruch beibehalten. Nicht nur weil es unklug wäre, von einem einmal erreichten Status zurück zu fallen auf einen schlechteren, sondern weil es gut ist, wenn man diesen hohen Anspruch hat. Was auch immer erreicht wird, es muss das höchstmögliche Ziel angestrebt werden. Gerard Batliner(Regierungschef 1962–1970):Als älterer Citoyen dieses Landes habe ich heute Nachmittag den Mut bekommen, etwas aus mei - ner Sicht zu sagen. Dabei gehe ich von zwei Prämissen aus. Erstens: Der Prozess EU, das Projekt Europa wird nach den in den bald fünfzig Jahren gemachten Erfahrungen weitergehen. «Keine Absage an Europa» hat Hansrudolf Kamer vor wenigen Tagen in der NZZ getitelt – nach dem Nein Frankreichs und der Niederlande und bevor die Schweiz ihre Abstimmung über Schengen durchgeführt hat. In fünfzehn, zwanzig Jah ren wird Liechtenstein womöglich von der EU umschlossen sein. Zweite Prämisse: Es ist nicht unrealistisch anzunehmen, dass Liechten - stein – welchen Weg es auch wählt oder wählen muss – rechtlich und wirt schaftlich auf Dauer keine substanziell besseren Konditionen haben kann als diejenigen, denen sich alle anderen Staaten unterworfen haben. Von hier aus ein paar kurze Erfahrungen von uns selbst, ein Blick auf uns selbst. In der liechtensteinischen Geschichte befand sich Liech - ten stein immer in einem multilateralen Umfeld. Einerseits hat es ver - sucht, darin seine Selbstständigkeit zu erhalten, andererseits auch voll dazu zu gehören. Liechtenstein war so klein, dass es für es nicht grössen - verträglich gewesen wäre, allein und draussen zu bleiben. Es war im Rö - mi schen Reich Deutscher Nation seit 1379 reichsunmittelbar an einer strategisch wichtigen Grenze, ab 1719 als Reichsfürstentum mit Sitz und Stimme in Regensburg, 1806, nach dem Zerfall des Reiches, bis 1815 sog. souveränes Mitglied im Rheinbund und von 1815 bis 1866 Mitglied im Deutschen Bund. In der nun folgenden individualistischen, nationalis ti - schen Phase der Staatengesellschaft, seit Mitte des 19. Jahrhunderts, 1852 bis zirka 1990, durchlief das Land dank der Zollverträge mit Österreich und der Schweiz eine wenigstens bilaterale Phase, allerdings auf der Ba - sis einer völligen Asymmetrie und Dependenz. Liechtenstein überlebte dank seiner Nachbarn. Wir sind dafür dankbar, aber wir gerieten schliess lich in eine bedrohliche Situation. Als Liechtenstein in der sich 232Norbert Jansen
        

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