Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
40
Erscheinungsjahr:
2005
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000250386/209/
Für den Fall eines Endes des EWR sind aus heutiger Sicht für Liech tenstein vor allem zwei Alternativen (Optionen 4 und 5) von Interesse: eine Assoziierung mit der EU («bilateralisierter EWR») oder ein EU-Beitrittsgesuch (mit offenem Ausgang). Da in jedem Fall Ver - hand lungen mit der EU angestrebt werden sollten (Optionen 2 bis 5), darf die Messlatte nicht zu tief angesetzt werden (selbst ein Beitritts ge - such könnte am Ende in ein Assoziationsabkommen münden). Dies be - deutet auch, möglichst die Kategorie der Kleinstaaten, nicht diejenige der Mikrostaaten ins Auge zu fassen. Wie man sich bettet, so liegt man am Ende. Die Europäische Union wird ein assoziationsähnliches Ab - kom men oder gar eine Mitgliedschaft nicht von sich aus anbieten, son - dern eine einfachere, weniger aufwändige Lösung (z.B. Anschluss an den Bilateralismus der Schweiz, Zollanschluss an die EU wie die Mikro - s taaten) anstreben.73Letztendlich ist sie aber vor allem am reibungslosen Funktionieren eines Abkommens interessiert – was von Liechtenstein glaub haft dargelegt werden müsste. Ob eine (wie auch immer ausgestaltete) EU-Mitgliedschaft «grös - sen verträglich» ist oder nicht, kann letztlich nur in konkreten Verhand - lungen herausgefunden werden. Allerdings könnte auch ein «Draussen - bleiben» eines Tages nicht mehr «grössenverträglich» sein, wenn die Schweiz sich doch zum EU-Beitritt entschliesst und Liechtenstein in ei- ner Position ist, die sich materiell und/oder institutionell unterhalb des EWR-Niveaus bewegt. Auf der Basis eines Assoziationsabkommens könnte das Fürstentum den Sprung in die EU zusammen mit der Schweiz noch schaffen, aber wenn es bereits eine andere bilaterale Route (oder gar das «Nichtstun») gewählt hat, könnte diese Option verschlos - sen sein. Sollten die nordischen EWR-Partner nach 2007 – also wohl vor der Schweiz – tatsächlich in Richtung eines EU-Beitritts gehen, sollte sich Liech tenstein überlegen, ob es im Rahmen dieses «nordischen Tickets» auch Verhandlungen aufnimmt. Über einen Beitritt entschieden wird ja erst nach den Verhandlungen. Der Schweizer Bundesrat wäre wohl einer Unter stützung dieses Ansinnens nicht abgeneigt angesichts der Tatsache, dass ein EU-Beitritt seit 1992 ebenfalls sein erklärtes strategisches Ziel ist. Die europäische Integration ist ein sehr dynamischer Prozess; war 215 
Liechtensteinische Integrationsoptionen «nach dem EWR» 73Vgl. Brinkmann 2005.
        

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