Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
40
Erscheinungsjahr:
2005
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000250386/154/
Bei den Nachteilen kann ich mich kurz fassen. Die Marktgrösse ist (zu) klein, der Marktzugang ist erschwert. Die Marktmacht ist be schei - den. Die Rechtssicherheit kann nur im grossen Kontext erzielt werden. Die Verhandlungsmacht ist gering. Das sind die bekannten Nachteile. Wenn wir das saldieren, dann sehen wir, dass wir Alternativen zum EWR oder zum europäischen Weg finden und suchen müssen. Wenn Handelsliberalisierung und jetzt die Dienstleistungsliberalisierung im Rahmen der WTO ohnehin zum Thema werden, dann stellen sich die Fra gen: «Brauchen wir Europa noch? Welches Europa? Wird es de zen - tral genug sein?» Meine Sorge ist, dass es eher in Richtung Zentralismus statt in Richtung Wettbewerb der Systeme läuft. Der letzte Punkt ist vielleicht der spannendste, und ich kann ihn hier leider nur kurz andeuten: Wenn die Entwicklung der EU wirklich eine Geschichte der Liberalisierung sein soll, dann braucht Liechtenstein nicht Mitglied zu werden. Dann kann es alle Vorteile einer Liberalisie - rung auch als Aussenseiter nutzen. Das ist ja im Prinzip das Dilemma der EU: Wenn sie sich wirklich als liberalen Vorreiter der Welt sieht, dann braucht Liechtenstein nicht Mitglied zu werden – genau so wenig wie die Schweiz. Meinen Landsleuten rate ich deshalb: «Wartet mal ab. Man wird sehen. Wenn die EU offen ist, dann gibt es keinen Grund für einen Beitritt und wenn sie geschlossen ist, dann möchte ich nicht Mit - glied werden.» Aus dem täglichen Leben wissen wir, dass individuelle Lösungen in aller Regel Standardprodukten überlegen sind. Wir sollten – nicht nur bei der Währungsunion – ein Europa der verschiedenen Geschwindig - kei ten anstreben, und in der europäischen Rechtssprechung, nicht nur viel mehr opting-out-Klauseln, sondern auch opting-in-Klauseln suchen und finden müssen. 160Thomas Straubhaar
        

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