Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/65/
Kompromiss lautete damals: ‹Liechtenstein wird als unabhängig be trach - tet und aufgenommen, die anderen europäischen Kleinststaaten dagegen erfüllen die Bedingungen für eine Aufnahme nicht.›».151 In einem zweiten Bericht, nämlich dem der mitberatenden Kom - mis sion für europäische Nicht-Mitgliedstaaten (sog. 
«Jessel-Bericht») wurden neben dem fehlenden Frauenstimmrecht vor allem das Steuer- und Gesellschaftsrecht und die Kleinheit des Landes problematisiert. Hin sichtlich der engen vertraglichen Bindung an die Schweiz stellte der Bericht allerdings fest, dass alle diese bilateralen Verträge beidseitig kündbar wären, die Römer-Verträge (EWGV, EAGV) hingegen nicht. Daraus zog 
Jesselden bemerkenswerten Schluss, dass die Souveränität Liechtensteins zweifellos grösser sei, als die der EG-Mitgliedstaaten (sic).152Zuletzt schloss sich der Bericht aber vorbehaltslos den Schluss - fol gerungen des 
«Reddemann-Berichts» an und empfahl ebenfalls die Auf nahme Liechtensteins in den Europarat. Damit schien der Aufnahme Liechtensteins nichts mehr im Wege zu stehen. Doch es sollte anders kommen als allgemein erwartet wurde. Knapp vor der entscheidenden Sitzung der PV am 28. September 1978 brachte der britische Labour-Abg. 
Ropereinen Antrag ein, sowohl 
den Reddemann- als auch den 
Jessel-Bericht zur Überarbeitung an die Politi - sche Kommission der PV zurückzuweisen und die Behandlung des Auf - nah megesuchs Liechtensteins auszusetzen. Bevor nämlich über den kon - kre ten Fall Liechtensteins abgestimmt werden könne, müsse zunächst die grundsätzliche Frage der Beziehungen des Europarates mit den euro - päischen «Mikrostaaten» (San Marino, Monaco, Andorra, Gibraltar, die Insel Man, die Kanalinseln Jersey, Guernsey und Alderney) sowie den nach Unabhängigkeit strebenden Färöer-Inseln und Grönland diskutiert werden. Im Extremfall würde nämlich dann eine Bevölkerungszahl von etwa der Grösse Strassburgs über ein Drittel der Stimmen im Minister - komitee verfügen. Nach einer heftigen Diskussion wurde der Antrag 
Ro - persschliesslich mit knapper Mehrheit abgelehnt. In der Folge empfahl die PV mit grosser Mehrheit dem Ministerkomitee den Beitritt Liechten - steins anzunehmen, was dieses am 13. November auch ein stim mig tat, sodass Liechtenstein am 23. November 1978 Mitglied des Euro pa rates werden 
konnte.71 
Kleinstaaten im Völkerrecht 151Vgl. Seiler(Fn. 7), S. 260. 152Vgl. Seiler(Fn. 7), S. 203; vgl. vorstehend auf S. 40.
        

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