Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/33/
(2) 
Staats-Gebiet: Dasselbe trifft aber auch auf das Kriterium des «Ge bie tes» zu, über das ein Staat territorial verfügen muss. Dabei muss es sich bei einem Staatsgebiet grundsätzlich um einen (natürlichen) Teil der Erdoberfläche handeln, sodass ein Staat an sich nicht (allein) auf ei- nem künstlich errichteten Bauwerk radiziert sein kann, wie z.B. auf ei- nem aus Eisenbeton errichteten Flakturm, wie dies aber im Falle des nachstehend noch zu untersuchenden «Fürstentums Sealand» behauptet wird. Wenn aber rund um diesen Flakturm das Meer besonders seicht ist, sodass Land durch Aufschüttung ganz leicht gewonnen werden kann, stellen sich schwierige Abgrenzungsfragen, wie bei allen Fällen künst - licher Land gewinnung – die letztlich immer zuungunsten der Hohen See aus ge hen, da sie die maritimen Eigengewässer seewärts hinausschieben und damit zu Lasten der Hohen See vergrössern – wie z.B. durch «Pol - dern», wie in den Niederlanden, oder durch die Aufschüttung einer Bucht, wie z.B. im Falle Monacos. Auch der von Japan vor einigen Jah - ren unter nommene Versuch, eine natürliche, durch die Gezeiten aber zerfallende und mehr und mehr vom Meer überspülte Insel künstlich zu befestigen, um sie vor ihrem Untergang zu bewahren und damit nach wie vor von ihrem Küstenmeer samt Anschlusszone, exklusiven Fische - rei zonen, Shelf etc. zu profitieren, fällt in diese Kategorie der Landge - win nung. Wird die ursprünglich natürliche, in der Folge aber künstlich aufge schüt tete und mit einem Betonring befestigte Insel dadurch zu ei- ner «künstlichen» Insel? Wie weit lässt sich überhaupt das Staatsgebiet durch künstliche Landaufschüttung zulasten der Hohen See ver grös - sern? Handelt es sich im Falle dieser artifiziellen Ausweitungen des Staats gebiets aber noch um eine zwar künstlich vorgenommene Pro lon - gation, die zumindest natürlich gewachsenes Staatsgebiet vergrössert, so liegt im Falle eines künstlich errichteten Flakturms kein wie immer ge - artetes natürliches «Kerngebiet» eines Staatsgebietes vor. Bedenkt man, dass wir es heute – wie nachstehend noch kurz dar - zu stellen sein wird – aber nicht nur mit «künstlichen» Gebilden, die zu - min dest über ein «physisches» Substrat i.S.e. artifiziellen (Staats-)Gebie - tes verfügen, sondern bereits auch mit bloss 
«virtuellen» Staaten zu tun haben, die über ein solches Substrat überhaupt nicht mehr verfügen, wie z.B. im Falle von 
«Cyber Yugoslavia»34, «Neu Rom»35oder der 
«Repu - 39 
Kleinstaaten im Völkerrecht 34Vgl. dazu nachstehend auf S. 129 f. 35Vgl. dazu nachstehend auf S. 130 f.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.