Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/312/
Keine Regel bestimmt, dass dieses Amt nur solchen Staaten zusteht. Aber das Bedürfnis nach einer Präsidentschaft, die nicht reine Interes - sen- oder Machtpolitik betreibt, führt ganz natürlich zu dieser Auswahl. Je vielfältiger und delikater diese Aufgaben werden, desto grösser wird allerdings auch die Last für solche Staaten, die zum Teil während eines Jahres ihre gesamte aussenpolitische Infrastruktur in den Dienst der OSZE stellen müssen. Dennoch hat sich bisher niemand für eine Ände - rung dieses Systems stark machen wollen. Und das Interesse vor allem ost europäischer Staaten an dieser Aufgabe bleibt beträchtlich, auch als Signal der Ebenbürtigkeit. Zudem sind immer wieder Vertreter kleiner und mittlerer Staaten an Spitzenfunktionen der OSZE gewählt worden, z.B. als General se kre - tär, Direktor des Büros für demokratische Institutionen und Menschen - rechte, als Hochkommissar für nationale Minderheiten. Zu Beginn standen auch den OSZE-Missionen in Krisen- und post konfliktuellen Regionen eher Angehörige kleiner und mittlerer Staa ten vor. Dies hat sich in letzter Zeit etwas verändert. Aber gerade die Schweiz und andere bemühen sich immer wieder, eigene Experten in diese Missionen zu entsenden. Wo es um den Aufbau von Lokaldemo - kra tie, von lokalen NGOs und andern Institutionen geht, wo die Parti - zi pation der Bürgerinnen und Bürger von der lokalen bis auf die natio - nale Ebene gefördert werden soll, stossen Vertreter aus Kleinstaaten, die selber überschaubare Institutionen kennen und – einmal mehr – keine übergeordneten Machtinteressen verfolgen, oft eher auf Akzeptanz. Ihre aus eigener Erfahrung gewachsenen Modelle entsprechen oft auch mehr den Bedürfnissen der neu entstehenden kleinen und mittleren Staaten. So können Kleinstaaten in der OSZE durch eine eigenständige, mutige und kohärente Politik, die auch die Schwächeren nicht ausser Acht lässt, eine geachtete Stellung haben und zudem ihren eigenen An - lie gen Gehör verschaffen. Um dies zu erreichen, bedarf es indessen stän - dig eines besonderen persönlichen Einsatzes aller Beteiligten und der Bereitschaft, mit andern Gleichgesinnten zusammenzuarbeiten. So kön- nen Kleinstaaten auch in einem gewandelten Umfeld eine «dritte Kraft» bilden, die zur Erhaltung und zur Förderung einer Welt beiträgt, in der die Menschen sich sicher und wohl fühlen können, weil mensch lich er- fassbare Dimensionen den Zwängen der Globalisierung gegenüber ge- stellt 
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Der Kleinstaat als Akteur in der OSZE
        

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