Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/304/
Aussage 15 Die noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gültige These, ein Kleinst staat sei nicht in der Lage, sich in der Staatengemeinschaft als voll- wertiges Mitglied zu etablieren, gilt heute nicht mehr. Gerade auch dadurch, dass er wenig oder keine militärische und auch kaum eigentliche politische Macht besitzt, kann ein Kleinststaat in der Staatengemeinschaft «kompensierend» wirken. In diesem Zusam - men hang ist die Mitgliedschaft der untersuchten Kleinststaaten im Euro - parat beispielgebend. 1920 wurde der Wunsch des Fürstentums, in den Völkerbund aufge - nom men zu werden, abgelehnt,30worauf auch San Marino seine Kandi - da tur zurückzog. 1933 hielt Art. 1 der Montevideo-Konvention die Fähig keit, mit anderen Staaten zu verkehren, als ein Merkmal eines sou - ve ränen Staates fest.31Die Pflege von Aussenbeziehungen war dabei zu jener Zeit praktisch ausschliesslich bilateral möglich, weshalb sich die Kleinststaaten weitgehend auf Kontakte mit ihren Nachbarländern be - schränken mussten. So wurde noch 1950, anlässlich des liechtensteini - schen Beitritts zum Statut des Internationalen Gerichtshofes, die Souve - rä nität des Fürstentums vom mehreren UNO-Staaten in Frage gestellt. Erst mit der Entwicklung der modernen Kommunikationsmittel einerseits und der Gründung zahlreicher internationaler Organisationen andererseits wurde es den Kleinststaaten möglich, vermehrt nach aussen in Erscheinung zu treten.32So nahm die europäische Öffentlichkeit die Kleinststaaten erstmals anlässlich der KSZE-Verhandlungen von 1973– 1975 auch als aussenpolitische Akteure wahr. Der Wandel in der Bereitschaft der internationalen Staatengemein - schaft, Kleinststaaten auf der Basis der soveränen Unabhängigkeit als gleichwertig zu behandeln, vollzog sich erst im Laufe dieses Jahr hun - derts. Eine ähnliche Entwicklung lief auch innerhalb des Europarates ab. Die verschiedenen, vom Europarat erstellten Berichte über Andorra Ende der achtziger und zu Beginn der neunziger Jahre sowie die er mu - 315 
Kleinstaaten im Europarat 30Seiler, S. 181 ff. 31Wörtlich wird von der «capacity to enter into relations with the other states» ge- sprochen. 32Seiler, S. 301 ff.
        

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