Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/228/
wiss an die Aufnahme der Türkei ins «Europäische Konzert» im Frie - dens vertrag von Paris 1856 und an die Japans nach seinem Sieg über Russ land (1905) erinnern. Den Rest der Welt suchte man durch verschie - dene Abhängigkeitsverhältnisse, wie Protektorate oder Kolonien, zu be - herrschen. Das zweite Organisationsmodell ist das imperiale, wie es uns bei - spiels weise in regionaler Gestalt, entsprechend dem damaligen geogra - phi schen Bewusstsein, im Imperium Romanum oder in dem bis ins 19. Jahr hundert anhaltenden Sinozentrismus Chinas in den Beziehungen zu seinen ostasiatischen Nachbarn entgegentritt. Die von manchen deut - schen Kaisern, insbesondere von Friedrich Barbarossa, verfolgte Idee der Fortsetzung des Imperium Romanum konnte infolge der Schwäche der Kaiser nie voll verwirklicht werden. Dennoch dauerte es vom 13. bis ins 17. Jahrhundert, bis sich die Idee der souveränen Gleichheit im West - fä lischen Frieden von 1648 auch äusserlich erkennbar dokumentierte. Einige Wissenschaftler, zu denen auch ich mich zähle, sind nun der Meinung, dass das System von Westfalen gegenwärtig dem Versuch der Ver einigten Staaten ausgesetzt ist, es in ein imperiales zu verwandeln. Um das richtig zu verstehen, muss man zwischen Hegemonie und Impe - rium unterscheiden. Auch der Hegemon bestimmt weitgehend die Ver - hal tensnormen im von ihm beherrschten System, betrachtet sie aber auch für sich als geltend. Die imperiale Macht hingegen befolgt diese Normen nur insoweit und solange, als das ihren eigenen Interessen ent - spricht, weil sie Aussenbeziehungen nur als Ausdehnung der eigenen Ord nung ansieht. In ihrem Selbstverständnis steht sie also 
ausserhalbder von ihr beeinflussten Ordnung für die Anderen. Sie setzt sich, wenn sie meint, das ihren Interessen zu schulden, nötigenfalls auch mit Gewalt über diese Ordnung hinweg. Imperiale Machtausübung verlangt zur Recht fertigung daher den Glauben an die Allgemeingültigkeit und Aus - schliess lichkeit der eigenen Werte, deren globale Verwirklichung allein imstande sei, eine friedliche, gerechte und menschenwürdige, natio nale und internationale Gesellschaft zu garantieren, weshalb die impe riale Macht diese Verwirklichung für ihre Mission hält. Nur durch diese Über zeugung lässt sich der Anspruch auf weltweite Einmischung zur Besei ti gung aller Andersartigkeit 
begründen.237 
Europäische Kleinstaaten im internationalen System
        

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