Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/190/
in unserer Geschichte auch früher intensivere Phasen diplomatischer Tätig keit. So hat Liechtenstein zum Beispiel am Ende des Heiligen Rö - mi schen Reiches erhebliche Aktivitäten entfaltet und Opfer gebracht, um sich nach aussen zu behaupten. Man stellte selbst ein Militärkontin - gent, um seine Eigenständigkeit unter Beweis zu stellen. Auch nach dem Ersten Weltkrieg gab es eine beeindruckende aussenpolitische Aktivität, um seine Aussenbeziehungen neu zu ordnen. Zu beachten ist, dass die primär im 19. Jahrhundert entstehende na- tionalstaatliche Ordnung mit ihrer eigentlichen Ideologie dem Klein staat neue Chancen eingeräumt hat. Die Gleichstellung aller souveränen Staaten im Völkerrecht und die vorherrschende Staaten theo rie hat selbst dem kleinsten Staat ein Eigengewicht gegeben, unabhängig seiner Macht stellung. Zweifelsohne kommen wir aber an das Ende dieser Nationalstaa ten - ideo logie. Dies hat weltanschauliche und praktische Gründe, auf wel che ich aus Zeitgründen nicht näher eingehen möchte. Das aktuelle Ge - schehen in der UNO und in der Europäischen Union zeigt jedenfalls, dass Kleinstaaten auch als Gruppe, was immer ihre Unterschiede sind, vor neuen Herausforderungen zur internationalen Selbstbehauptung stehen. Die Abwehr der Ingerenz unter Anrufung der staatlichen Souverä - ni tät und die Forderung nach der Gleichheit aller Staaten (ein Staat, eine Stimme) sind keine genügenden Rezepte mehr, um seine Interessen nach aussen zu vertreten. Das engagierte Mitmachen auf europäischer und in- ternationaler Ebene, das Eingehen von Koalitionen, Ordnung halten zu Hause (inklusive des Staatsbudgets), qualitativ hoch stehende Bei träge zum internationalen Leben sind erfolgversprechende Rezepte in einer Welt des Wettbewerbs, der multinationalen privaten Institutionen und neuer Herausforderungen an die Staatenwelt (Massenvernichtungs - waffen, Umwelt, labile wirtschaftliche Gleichgewichte usw.). Einen Vor - teil, den man als Kleinstaat vermehrt wird nutzen können ist, dass es we- niger Schranken gibt, um auch über grössere Distanzen hinweg mit an- deren Kleinstaaten zusammenzuarbeiten – der modernen Kommuni ka - tion sei Dank. Auch das stärkere Verwischen zwischen staatlicher und Privatsphäre gibt dem Kleinstaat komparative Vorteile. Und überhaupt: In der Zeit der Nano-Technologie ist die Grösse paradoxerweise ein noch relativerer Begriff geworden. Die Legitimierung der Staatlichkeit Liechtensteins wird aus inter - na tionaler Sicht aber nicht nur mit historischen Ansprüchen, mit dem 199 
Diplomatie und Aussenpolitik von Kleinstaaten
        

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