Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/185/
Anderseits gehen die aussenpolitischen Kompetenzen des französischen Präsidenten sicher soweit, wenn nicht weiter, als die des liechtensteini - schen Fürsten. Auch die in der Diplomatie eingesetzten Methoden und Mittel ken nen nur graduelle Unterschiede zwischen gross und klein. Nehmen Sie zum Beispiel die Anzahl diplomatischer Missionen: Staaten in der Grös senordnung Liechtensteins werden kaum in mehr als zehn Staaten Botschaften unterhalten, sofern sie sich nicht einem Modell von «Em - bassy light» verschrieben haben. Liechtenstein hat momentan übrigens acht Aussenposten, wobei es sich, sieht man von Praktikanten und ähn - lichem ab, ausnahmslos um berufliches Personal handelt, das in den Staats dienst voll integriert ist. Staaten in der Grössenordnung von Is - land, Luxemburg, Zypern, also mit der etwa zehnfachen Bevölkerung Liechtensteins, mögen dann über 20 Botschaften haben. Hier gibt es übri gens eine besondere Herausforderung bei den Kapazitäten für EU- Mit gliedsländer: Alle EU-Mitgliedsstaaten tendieren dazu, in praktisch allen anderen Mitgliedsländern zumindest einen residierenden Bot schaf - ter akkreditiert zu haben. Ich gehe aber davon aus, dass zum Beispiel Malta Zusammenlegungen vornehmen wird und auch andere kleine Mit - gliedsländer werden nicht in allen 25 EU-Staaten Botschaften eröffnen. Staaten in der Grössenordnung Österreichs und der Schweiz unterhalten zumeist in weniger als 100 Ländern Botschaften. Natürlich flacht sich die Kur ve der ein ge setzten Mittel und damit auch der Anzahl diplomati - scher Missio nen mit zunehmender Grösse ab. Denn je kleiner der Staat, desto höher wird der prozentuelle Anteil seines Aussenressorts am Gesamtbudget sein. Grosse Staaten haben al- lerdings zunehmend die Tendenz, die Projizierung ihrer Macht nach aussen durch militärische Mittel zu verstärken bzw. gegenüber kleineren Staaten auszugleichen. Hier dürfte sich übrigens ein absoluter Unterschied zwischen sehr kleinen Staaten und anderen langsam einschleichen: Kleinstaaten wie Liechtenstein unterhalten keine militärischen Formationen im Ausland (Friedensmissionen usw.), soweit sie solche Formationen überhaupt ha - ben. Auch Geheimdienste, die eine zunehmend publizierte Tätigkeit in den internationalen Beziehungen wahrnehmen, existieren meines Wis - sens in keinem der Kleinstaaten und wohl kaum in auch etwas grösseren. Sollte Liechtenstein einen Geheimdienst haben, so ist er selbst vor den eigenen Botschaftern bisher gut versteckt worden. 194Prinz 
Nikolaus von Liechtenstein
        

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