Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/165/
2. Das Bild des schwachen Kleinstaats 2.1. Der öffentliche Sektor Betrachtet man den öffentlichen Sektor aus wirtschaftstheoretischer Sicht, so müssten Kleinstaaten tatsächlich einen nicht unerheblichen (Kosten-)Nachteil aufweisen. Ökonomisch betrachtet stellt der öffent - liche Sektor eines Staates vor allem öffentliche Güter und Dienstleis tun - gen bereit, unter die zum Beispiel die grossen Bereiche externe und in- terne Sicherheit, Gesundheit, soziale Sicherheit, ein monetäres und fis- kalisches System, der gesetzliche Rahmen und ähnliche zum Teil ab - strakte, aber auch sehr konkrete Leistungen des Staates fallen. Eine Reihe dieser «Güter» weist zumindest eine gemeinsame Eigenschaft auf: Sie sind durch hohe fixe Kosten gekennzeichnet, die definitionsgemäss un abhängig von der Anzahl derjenigen sind, welche die Güter in An - spruch nehmen. Am einfachsten lässt sich diese Eigenschaft von öffent - lichen Gütern anhand eines Beispiels zeigen. Grundlagenforschung ist ein typisches Gut, das meist öffentlich bereitgestellt bzw. öffentlich stark subventioniert wird und in gewissen Bereichen hohe Fixkosten aufweist, weil die bauliche Infrastruktur geschaffen, eine kritische Menge an For - sche rinnen und Forschern angestellt und eine Reihe von Geräten an - geschafft werden muss. Auch wenn zum Beispiel wissenschaftliche Einrich tungen in Kleinstaaten in der Regel kleiner und daher kosten - güns ti ger sind, ist offensichtlich, dass die Kosten pro Steuerzahler (die Steuer be las tung) in kleineren Staaten höher sein werden als in grösseren Staaten. Ähnliches gilt für die allgemeine Verwaltung, die Gesetzgebung, die Aussenpolitik, Universitäten und die externe Sicherheit, um nur ei- nige Beispiele zu nennen. Mit anderen Worten, der öffentliche Sektor wird in kleineren Staaten teuerer und damit relativ grösser sein als in grös seren Staaten. Natürlich werden einige der genannten öffentlichen Güter, die von grösseren Staaten fast selbstverständlich bereitgestellt werden, von Klein staaten nicht bzw. nicht selbst bereitgestellt. Hier sei exemplarisch nur erwähnt, dass Liechtenstein keine eigene Währung, keine Volluni - ver sität und keine Armee hat. Zudem könnte man gegen die Hypothese der höheren Kostenbelastung im öffentlichen Sektor von Kleinstaaten ein wenden, dass die mutmasslichen Kostenvorteile der grösseren Staaten etwa durch relativ höhere Bürokratiekosten ausgeglichen werden. Tat - 171 
Aussenabhängigkeit und der öffentliche Sektor von Kleinstaaten
        

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