Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/154/
rung nehmen die Anforderungen an den Staat ständig zu. Man könnte auch sagen, dass sein Aufgabengebiet konstant wächst, so dass es biswei - len zu einer Überlastung des Staates kommt – so paradox das angesichts der These vom «Ende des Nationalstaats» zunächst auch  klingen mag. Durch die Globalisierung aber sinken zugleich die autonomen Gestal - tungs möglichkeiten des Staates, seine Handlungsfähigkeit wird zu se - hends eingeschränkt, so dass gelegentlich behauptet wird, der Staat be- finde sich in einer Krise. Aus dieser Krise kann sich der Staat nur befrei- en, wenn er bereit ist, sich den Begebenheiten anzupassen sprich: Wenn es zu sogenannten «Mutationsprozessen von Staatlichkeit» kommt. Man kann mit dem Trierer Politologen Hanns W. Maull zu nächst prinzipiell zwischen zwei Formen der Anpassung unterscheiden, nämlich der «Konstruktion postmoderner Staatlichkeit innerhalb be ste hender staat- licher Grenzen» und der «Rekonfiguration von Staatlichkeit jenseits des Nationalstaates».10 Die erste Form der Anpassung besteht, nach Hanns W. Maull da- rin, «Staatlichkeit im traditionellen territorialen Rahmen zu re for mie - ren», d.h. die Regelwerke und Institutionen des Staates den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, um so den von Richrad Rosecrance präkonisierten «virtuellen Staat» oder den von Philip Cerny beschrie be - nen «postmodernen Wettbewerbsstaat» zu schaffen. Erreicht werde die- ses Ziel, so Maull, «durch Verschlankung und Privatisierung (z.B. der Arbeitslosenvermittlung) und Auslagerung von Staatsfunktionen (z.B. an unabhängige Zentralbanken), durch günstige makro-ökonomische Rah menbedingungen (Senkung der Staatsverschuldung, niedrige Infla - tions rate) und gezielte Anreize für Investoren und durch För der mass - nahme für kritische Standortvorteile (wie Infrastruktur oder das Bil - dungs system)».11 Die zweite Form der Adaptation besteht darin, die Hand lungs - fähig keit des Staates zum einen durch Mischformen von Zusam men - arbeit (z.B. Private Public Partnership) und zum anderen durch zwi - schenstaatliche Kooperation auf regionaler oder supranationaler Ebene zu optimieren. Dies setzt natürlich die doppelte Bereitschaft voraus, di- 160Romain 
Kirt 10Vgl. Maull, Der Kleinstaat in den Zeiten der Globalisierung : Nutzniesser, Opfer oder Akteur?, in : Kirt (Hrsg.), Der Kleinstaat - Plädoyers gegen Vorurteile, 2003, S. 75–90 (80). 11Ebd., S. 79.
        

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