Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/150/
neuen Weltmächte sind – neben der Europäischen Union als Welt macht im Werden und Russland als reemergierende Weltmacht – alle samt 
nicht- europäischeStaaten (USA, Japan, China, Indien). Die einsti gen europäi- schen Grossmächte Deutschland, Frankreich und Gross britannien sind – nicht zuletzt auch durch den nach 1945 einsetzenden Entkolonisierungsprozess – allenfalls noch regionale Mit tel mächte, die zum Teil sogar kleinstaatenspezifische Verhaltensweisen an den Tag le- gen. Zur Illustration der letzten Behauptung sei beispielsweise mit Hans Geser darauf hingewiesen, «dass Deutschland bis zum Zweiten Weltkrieg insofern ein ‹grosses Land› war, als es sich im Referenzsystem Europas als politisch-militärisch dominierende Macht profilierte, wäh - rend es sich seither – zusammen mit allen übrigen euro päi schen Staaten – als ein kleiner Staat gebärdet, der sich z.B. auf enge transnationale Kooperationen und supranationale Einbindungen angewiesen sieht, um sich gegenüber seinen neuen, nun ausserhalb Europas liegenden Referenzländern (USA und Japan) zu behaupten [...].»1 Die Degradierung ehemaliger Weltmächte zu regionalen Mittel - mäch ten und das gelegentlich kleinstaatenanaloge Gebaren dieser Staa ten, auf das auch Richard Rosecrance in seinem Buch 
The Rise of the Virtual Statehingewiesen hat,2führen uns auf direktem Wege zum zweiten Para - dig menwechsel, der im 20. Jahrhundert in Europa statt ge fun den hat, näm - lich zur «wellenförmigen Vermehrung kleiner und kleinster politischer Einheiten mit nationalem Souveränitätsanspruch.»3Europa ist in der Tat im Laufe des 20. Jahrhunderts – 
wieder, muss man sagen – zu einem Klein - staaten-Kontinent mutiert. Die Anzahl der Klein staaten in Europa, die zur Zeit des Wiener Kongresses noch als Ana chro nismen galten und als «Staaten dritter und vierter Ordnung» (so 
Talley randin den von ihm selbst verfassten 
«Instructions du Roi Louis XVIII à son Ambassade au Congrès de Vienne» vom September 1814) bzw. als «états aux intérêts limités» betrachtet und apostrophiert wurden, hat sich zwischen 1914 und 1999 nahezu verfünffacht. Gab es im Jahre 1914 lediglich acht Kleinstaaten in Europa, so sind es deren heute 38. Von den heute – gemäss OSZE – 55 europäischen Staaten sind demnach über 70 Pro zent Kleinstaaten. 156Romain 
Kirt 1Geser, Kleinstaaten im internationalen System, in : Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Nr. 44, 1992, S. 627–654 (629). 2Vgl. Rosecrance, Das globale Dorf. New Economy und das Ende des National - staates, 2001, S. 37. 3Geser, a.a.O., S. 627.
        

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