Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/143/
sovo stattgefunden: beide unter amerikanischer Führung und ohne über - grei fendes ordnungspolitisches 
Ziel. 5. Der neue (formelle) Multilateralismus als Stütze moderner Kleinstaatlichkeit Die «klassische» internationale Ordnung mit ihrer Polyzentrik unab - hän gig agierender Einzelstaaten stellte für kleinere Länder eine eher un - wirt liche Umwelt dar, weil erfolgreiches Interagieren die Mobilisierung sehr hoher Aktivitätspotentiale und organisatorischer Differenzierungen er forderte. Während der letzten Jahrzehnte ist die groteske Insuffizienz bilate - ra ler Interaktionsnetze aber immer offensichtlicher geworden, denn mit zu nehmender Zahl unabhängiger Staaten nimmt die Zahl logisch mög - licher Bilateralbeziehungen im exponentiellen Verhältnis zu, während die «Trägerkapazitäten» der (durchschnittlich immer kleineren) Staaten kon - ti nuierlich sinkt. So wird in einer Staatenwelt von 200 Ländern nur ein win ziger Bruchteil jener 40’000 (!) diplomatischen Vertretungen reali - siert, die für eine vollständige bilaterale Vernetzung notwendig wären. So sehr Kleinstaaten im Interesse ihrer Autonomieerhaltung und Allianzen bildung an stark diversifizierten transnationalen Interaktionen interessiert sind, so sehr sehen sie sich auf Grund ihrer knappen Organi - sa tionskapazitäten meist dazu genötigt, ihre formellen Aussenbezie hun - gen auf wenige grössere Nachbarländer zu fokussieren – und die damit implizierten Asymmetrien und Abhängigkeiten zu tolerieren. Die heute rasch zunehmende Substitution informell-bilateraler Inter aktionen durch organisierte multilaterale Beziehungen (im Rahmen transnationaler Assoziationen und supranationaler Institutionen) stellt deshalb für den Kleinstaat eine besonders bedeutsame Entwicklung dar, weil sie ihn aus genau diesem Dilemma erlöst. Erstens profitiert er von der Möglichkeit, seine knappen Ressour - cen für institutionelle Ausseninteraktion effizienter auszunutzen, weil internationale Organisationen ihm die Chance eröffnen, im Rahmen ei- nes einzigen Interaktionsfelds mit einem Minimum an organisatori - schem Eigenaufwand Zugang zu vielfältigen transnationalen Kontakten zu gewinnen. Beispielsweise kann der UNO-Botschafter eines Mikro - staats allein auf der Basis seiner formellen Amtsrolle mit den Reprä sen - 149 
Über die historische Entwicklung und Stellung kleiner Staaten
        

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